Aufrüstung der Überwachung in China

23.01.2012

In Wuhan nahm ein Netz von 250.000 Überwachungskameras seinen Dienst auf, alle größeren Städte sollen mit einer derartigen Rundumüberwachung transparent werden

Offiziell wurde am 29. Dezember 2011 eines der größten Video-Überwachungssysteme der Welt in Betrieb genommen. In der Stadt Wuhan, der Hauptstadt der Hubei-Provinz mit fast 10 Millionen Einwohnern, nahm damit ein Netzwerk von 250.000 Kameras seinen Dienst auf.

China Daily schreibt zu dem Bild: "Die Polizei von Wuhan beobachtet Sicherheitsprobleme mit mehreren hunderttausend Kameras, die in der ganzen Stadt aufgestellt wurden, in einem zentralen Kontrollraum. Bild: China Daily

London hat mehr als 10.000 Überwachungskameras, die von der Polizei oder lokalen Behörden betrieben werden. Dazu kommen noch weit mehr als 80.000 Kameras, die die Verkehrsbehörde Transport of London betreibt, und unzählige private Kameras. Nach Schätzungen soll es in London insgesamt mehr als eine halbe Million Überwachungskameras geben. Daher wurde London als eine der Städte beschrieben, die die dichtesten Netze an Überwachungskameras besitzen.

Allerdings ist man in London noch weit davon entfernt, dass die Behörden auf alle Kameras direkt und in Echtzeit zugreifen können. In China wird nun eine bislang unvorstellbare urbane Überwachungsmaschinerie aufgebaut, die wohl auch im Westen Begehrlichkeiten bei Sicherheitspolitikern wecken dürfte.

Wuhan könnte sich vermutlich, wenn die Zahlen stimmen, vorerst an die erste Stelle gesetzt haben - nicht im Hinblick auf die absolute Zahl der Kameras, sondern im Hinblick auf die Größe des Systems. Allerdings holen andere chinesische Städte auf, da nach dem Programm "Sichere Stadt" 600 Städte mit Video-Überwachungssystemen ausgestattet werden, die nicht nur lokal arbeiten, sondern ihre Bilder in eine nationale Datenbank einspeisen. So soll in Chongqing, einer Stadt mit 12 Millionen Einwohnern, bis Ende 2012 für mehr als 3 Milliarden US-Dollar ein Netz von 500.000 Kameras installiert werden. Technische Hilfe für den Aufbau und Betrieb des gigantischen Netzwerks namens "Friedliches Chongqing" kommt u.a. von Cisco, wie das Wall Street Journal berichtete.

Eine von People's Daily veröffentlichte Grafik macht deutlich, dass Menschen mit den Kameras im Stadtraum erkannt und verfolgt werden sollen. Bild: People's Daily

Ebenfalls mit der Hilfe von US-amerikanischen Unternehmen wird in China eines der technisch "fortschrittlichsten" urbanen Überwachungssysteme aufgebaut, das den poetischen Namen "Goldenes Schild" trägt. In der Metropole Shenzhen und Umgebung mit über 12 Millionen Bewohnern soll eine Art urbanes Panoptikum mit unterschiedlichen Überwachungstechniken eingerichtet werden. Kernstück des Systems sind bereits installierte 200.000 Überwachungskameras, teilweise mit Gesichts- und Verhaltenserkennung und der Möglichkeit einer 360 Grad-Rundumbeobachtung. Mit den Kameras lassen sich Menschen im Stadtgebiet verfolgen. Dazu kommt ein entsprechend breitbandiges Netzwerk, um die gewaltigen Datenmengen zu übertragen und sie in eine nationale Datenbank zu integrieren. Automatisch will man damit nicht nur im öffentlichen Raum Verdächtige und Täter erkennen, sondern auch präventiv verdächtiges Verhalten identifizieren. Die Polizei soll über das System auch Zugriff auf bereits vorhandene private und staatliche Überwachungskameras erhalten. Mit dann mehr als zwei Millionen Kameras soll Shenzhen zu der am besten überwachten Stadt der Welt werden.

Begonnen wurde mit der Einrichtung des Überwachungssystems in Wuhan im September 2009, berichten die chinesischen Staatsmedien, die Kosten sollen bei einer Milliarde Yuan oder fast 160 Millionen US-Dollar liegen. Während des Testlaufs soll die Polizei mit dem System bereits mehr als 500 Fälle von Straßenraub und einen Bombenanschlag in der Nähe einer Bank am 1. Dezember 2011 aufgeklärt haben.

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