US-Heimatschutzministerium will ganze Städte überwachen

22.02.2012

Von Drohnen aus soll eine Fläche von vier Quadratkilometern dauerhaft beobachtet und Ziele verfolgt werden können

In Deutschland hat die Bundesregierung bereits die Weichen für die Verwendung von großen, bis zu 1500 kg schweren Drohnen gestellt. Letzte Woche wurde im Bundestag mit den Stimmen von CDU/CSU, FDP und SPD ein Gesetz verabschiedet, nach dem Drohnen normalen Flugzeugen gleichgestellt und so prinzipiell im deutschen Luftraum zugelassen werden können (Bundestag genehmigt den Einsatz von Drohnen).

Damit will die Bundesregierung nicht nur Drohneneinsätze im Rahmen der Polizeiarbeit oder zur Verkehrsüberwachung ermöglichen, es können auch privat Drohnen erworben und verwendet werden. Zwar wurde noch ein Zusatz eingebracht, dass der Datenschutz nicht verletzt werden dürfe, was dies genauer heißt, ist aber nicht klar, zumal wenn Drohnen von der Polizei eingesetzt werden.

In den USA ist es bereits unter bestimmten Bedingungen den Behörden möglich, Drohnen beispielsweise zur Strafverfolgung oder zur Überwachung der Grenzen einzusetzen. Das Heimatschutzministerium will sich aber schon mal darauf vorbereiten, eine maximale Nutzung zu ermöglichen, nicht nur einzelne Kriminelle oder Terroristen, sondern auch ganze Städte überwachen und alle Bewegungen im öffentlichen Raum verfolgen zu können.

Im Dezember hat das Ministerium eine Ausschreibung veröffentlicht, mit der nach Vorschlägen zur Entwicklung eines Prototyps eines so genannten Wide Area Surveillance System (WASS) gesucht wird. Gemeint sind damit optische und Infrarot-Kameras für Tag- und Nachtaufnahmen für Drohnen vom Typ Orion P-3 oder Predator, die mehr als einen Tag lang ein Gebiet von 5-10 Quadratkilometern mit einer Bodenauflösung (GSD) von 0,5-0,25 m überwachen können. Gewünscht werden aber auch Systeme, die in offenem Gelände wie an Grenzen über Hunderte von Kilometern Ziele beobachten und verfolgen können.

Die Bilder sollen in fast Echtzeit mit einer Verzögerung von maximal 3-12 Sekunden in der Bodenstation zu sehen sein. Verfolgt werden sollen gleichzeitig 4-10 Fahrzeuge. Zudem sollen 6-15 Orte in der Größe von 100 Quadratmetern überwacht und alle Bewegungen dort verfolgt werden können. Interessiert zeigt man sich an Programmen, mit denen Ziele automatisch verfolgt werden können. Schön wäre auch, wenn das Verhalten automatisch analysiert und eine Warnung gegeben werden könnte.

Das Interesse, ganze Städte überwachen und die Bewegungen in diesen verfolgen zu können, ist natürlich schon älter. So hatte die Darpa etwa 2003 das Projekt System Combat Zones That See (CTS) verfolgt (Die überwachte Stadt). Und man bemüht sich auch schon länger, Techniken zu entwickeln, um auch durch Mauern sehen zu können (Die Stadt und ihre Gebäude sollen zum Panopticon werden). Ein WAAS hat das Pentagon bereits eingekauft, um alle sehen zu können, wie es drohend heißt. Von Drohnen aus will mit dem System Gorgon Stare (Gorgonenblick) neun Kameras verbinden, um die Bewegungen der Menschen in einer ganzen Stadt auf einer Fläche von 4 Quadratkilometern beobachten und verfolgen zu können ("Wir können alles sehen"). China ist da schon weiter, wenn auch nicht bei der Überwachung der Städte aus Luft, sondern mit teils Hunderttausenden von Kameras pro Stadt (Aufrüstung der Überwachung in China).

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