Meister des Grauens
Fantômas, ein Mythos des 20. Jahrhunderts
Wo wird das 20. Jahrhundert am besten beschrieben, wo wird es so präzise in seinem Wesen erfasst wie sonst nirgends? Für die Surrealisten war die Sache klar: In Fantômas, dem Kultroman von Pierre Souvestre und Marcel Allain in 32 Teilen und in den Filmen von Louis Feuillade. Vor einem Jahr, im Februar 2011, ist der Herr des Infernos, der empereur du crime, der Vater von Dr. Mabuse, Batman und der Superbösewichte bei James Bond, 100 geworden. Ein nachgereichter Geburtstagsgruß.
"Fantômas."
"Was haben Sie gesagt?"
"Ich sagte: Fantômas."
"Und was bedeutet das?"
"Nichts. … Alles!"
"Aber was ist es?"
"Niemand. … Und trotzdem, ja doch, jemand!"
"Und was macht dieser Jemand?"
"Schrecken verbreiten!"
Anfang des ersten Fantômas-Romans
Ich bin also zu spät dran, und das kann gar nicht anders sein, denn Fantômas ist nicht zu fassen. "Fantômas!" heißt es im gleichnamigen, im Februar 1911 erschienenen Roman:
Es ist unmöglich, genau zu sagen, präzise zu wissen, wer er ist … Fantômas! Oft ist er eine bestimmte, ja sogar eine bekannte Person; manchmal nimmt er die Gestalt von zwei Menschen gleichzeitig an. […] Fantômas! Er ist nirgendwo und überall! Sein Schatten legt sich über die seltsamsten Geheimnisse, seine Spur findet sich rund um die unerklärlichsten Verbrechen, und doch …
Eben. Und doch … In den ersten Romanen ist nicht einmal ganz sicher, ob Fantômas überhaupt existiert, oder ob er ein Hirngespinst von Inspektor Juve ist, oder ein von der Polizei erfundener Popanz, dem man ungelöste Verbrechen in die Schuhe schieben kann. Wenden wir uns also zunächst den beiden Autoren zu, von denen sich wenigstens mit Bestimmtheit sagen lässt, dass es sie gab und die, wie Blaise Cendrars in Guillaume Apollinaires Zeitschrift Les Soirées de Paris meinte, die "Äneis der modernen Zeit" schrieben, in Form von 32 Kriminalromanen.
Verbrecher mit Heiligenschein
Pierre Souvestre (1874-1914) war eigentlich Anwalt von Beruf, begeisterte sich aber mehr für moderne Technik und Motorsport, weshalb er für L’Auto zu arbeiten begann, eine Fachzeitschrift für Automobilisten. Nebenbei schrieb er noch Theaterkritiken für die Zeitung Le Soleil. Auch Marcel Allain (1885-1969) war der Anwaltsberuf zu langweilig, als er sein Jurastudium abgeschlossen hatte. Auf Vermittlung einer jungen Dame, die er in einem Vorortzug getroffen hatte, stellte er sich bei Souvestre vor. Die junge Frau, die Allain gleich ganz bezaubernd fand, dürfte Henriette Kistler gewesen sein, die Geliebte von Souvestre - falls sich die Zuggeschichte, die Jacques Champreux, der Enkel von Louis Feuillade, 1975 bei einer Feuillade-Retrospektive in Düsseldorf erzählte, so zugetragen hat.
![]() |
Allain soll Souvestre damit beeindruckt haben, dass er innerhalb von zwei Stunden einen 17 Seiten langen Artikel über einen neuen Lastwagen produzierte, von dem Souvestre noch nie etwas gehört hatte. Souvestre engagierte Allain als Sekretär und als Ghostwriter seiner Kolumne in L’Auto. Als ein Anzeigenkunde der Zeitschrift absprang, wurden ein paar Seiten frei. Souvestre und Allain begannen mit der Veröffentlichung eines Fortsetzungsromans, der schon länger geplant war, um die Auflage zu steigern. Champreux nach war das "eine phantasievolle Angelegenheit mit Vampiren […] und Science-Fiction". Weil die beiden nicht ausreichend entlohnt wurden, gingen sie zur Konkurrenz, oder vielleicht verfassten sie auch nur deshalb einen weiteren Fortsetzungsroman für ein anderes Blatt (eine Parodie auf den ersten), weil sich die Schnellschreiber mit einem nicht ausgelastet fühlten. Sie fanden sogar noch die Zeit für die Mitarbeit bei einem neu gegründeten Theaterjournal.
![]() |
|
| Marcel Allain, Pierre Souvestre |
Schließlich wurde Arthème Fayard, ein erfolgreicher Verleger von Trivialromanen, auf das Autorenduo aufmerksam und fragte bei Souvestre an, ob sie nicht eine Idee hätten. Souvestre hatte keine, behauptete aber das Gegenteil, weil man nicht weit kommt, wenn man eine solche Gelegenheit ungenutzt verstreichen lässt. Etwas mit einem Verbrecher sollte es nach einigem Nachdenken sein, und in der motorisierten Zeit sollte es spielen, nicht in einer imaginären Postkutschen-Vergangenheit wie vieles von dem, was bei Fayard erschien. Zunächst gab es nur einen Namen: Fantômas. Der gefiel dem Verleger gut, weil er mysteriöse Geschichten versprach, mit einem Schuss Phantastik.
|
|
Die Ahnenreihe von Fantômas ist lang (und die Liste der von ihm inspirierten Autoren, Künstler, Filmemacher, Musiker etc. noch viel länger). Der Marquis de Sade und die Verfasser von Schauerromanen wie M. G. Lewis oder Charles Maturin gehören ebenso dazu wie Victor Hugos Die Elenden, Balzac, Gaston Leroux’ Phantom der Oper und Maurice Leblancs Arsène Lupin. Vielleicht am wichtigsten für Souvestre & Allain war der Fortsetzungsroman Die Geheimnisse von Paris von Eugène Sue, einer der großen Bestseller des 19. Jahrhunderts. Großherzog Rudolf von Gerolstein streift da in Verkleidung durch die Pariser Unterwelt, um gegen das Verbrechen zu kämpfen. Allain & Souvestre drehten das Muster um, machten den Verbrecher zum Helden und ließen ihn am Ende jedes Romans davonkommen, während die Polizei düpiert zurückblieb und dumm aus der Wäsche schaute. Das war neu und wird im ersten Band auch gleich thematisiert.
Ein Winterabend in der Provinz. Die Marquise de Langrune hat Freunde in ihr Château eingeladen. Ein pensionierter Gerichtspräsident bringt die Sprache auf Cagliostro und Vidocq, auf die hohe Zahl ungeklärter Verbrechen und auf Fantômas. Den jungen Charles Rambert versetzt das in einen Erregungszustand, den der Präsident missbilligt:
Ich kann Ihre Haltung nicht verstehen, junger Mann. Sie scheinen geradezu hypnotisiert zu sein, und fasziniert. Sie sprechen von Fantômas, als sei er etwas Verführerisches. Das ist fehl am Platze, um es vorsichtig zu sagen", und damit wandte er sich an Abbé Sicot: "Da haben Sie es, das ist das Resultat einer modernen Erziehung und der Geisteszustand, den die Zeitungen und sogar die Literatur bei der jungen Generation hervorbringen. Die Verbrecher erhalten einen Heiligenschein, und ihre Namen werden von den Dächern gerufen. Es ist erstaunlich.
Er unterscheide nicht zwischen Gut und Böse, wirft der Präsident dem jungen Charles vor, stelle Kriminelle auf eine Stufe mit der Polizei. Souvestre und Allain gehen einen Schritt weiter. Ihr Inspektor Juve ist nicht die Witzfigur, die Louis de Funès in den drei Verfilmungen aus den 1960ern spielt. Juve ist allgemein als ein äußerst befähigter Polizist anerkannt, und doch ist er Fantômas nicht gewachsen. Das macht den Schurken noch größer und noch schlimmer. Juve steht nicht auf einer Stufe mit ihm, sondern weiter unten. Deshalb braucht er einen Helfer, um Fantômas halbwegs in Schach halten zu können. Zu diesem kommt er, auf einigen Umwegen, durch das erste Verbrechen von Fantômas. Die Marquise hat in der Lotterie gewonnen, und wir ahnen, was nun passieren wird - und doch auch wieder nicht. Das war damals eine Zeit, als sich im Krimi noch nicht die Serienkiller gegenseitig auf die Füße traten. Es gab Verbrecher, die einfach nur Diebe waren, statt gleich mal ein paar Leute umzubringen, damit der heutzutage unvermeidliche Gerichtsmediziner Arbeit hat. Daran sollte man sich erinnern, wenn man die Wirkung der Fantômas-Bücher verstehen will.
Maskenball mit Fantômas und Fantômas … und Fantômas
Charles Rambert, dessen Phantasie überreizt ist, weil er sich zu intensiv mit den Untaten imaginärer und realer Krimineller beschäftigt hat, verbringt eine unruhige Nacht, in der ihm, halb träumend und halb wachend, Fantômas in verschiedenen Gestalten erscheint. Am nächsten Morgen holt er seinen ihm kaum bekannten Vater Etienne Rambert, der seine Gummiplantage in Kolumbien inspiziert hat, vom Bahnhof ab. Im Château wird die Marquise tot aufgefunden, das Gewinnerlos ist weg. Jemand hat der alten Dame mit solcher Kraft die Kehle durchgeschnitten, dass er fast den Kopf vom Rumpf getrennt hätte. Das war die pure Mordlust, meinen die Experten. In Verdacht gerät Charles Rambert, der alsbald flieht. So scheint sich der schädliche Einfluss von Schundromanen zu bestätigen, um den die Jugendschützer schon immer wussten. Durch den Konsum von Mordgeschichten verroht und sozialethisch desorientiert, hat Charles die Marquise abgeschlachtet. Er glaubt das sogar selber. Aber dann betritt Inspektor Juve von der Geheimpolizei Sûreté die Bühne.
Juve weiß schnell, dass Charles es nicht gewesen sein kann, und weil es seine Spezialität ist, Indizien dafür zu finden, dass der von ihm gejagte Superbösewicht hinter den mysteriösesten Verbrechen steckt, gelingt ihm das auch hier. Der Mann, der sich als Etienne Rambert ausgibt und den seit der Entdeckung einer schlimm zugerichteten Wasserleiche als tot geltenden Charles davon überzeugt, dass er die Marquise in einem Anfall von geistiger Umnachtung ermordet hat, ist in Wirklichkeit Fantômas. Damit habe ich nicht zu viel verraten, denn der Subplot mit der Marquise nimmt nur einen Teil des episodenhaften, durch die Hauptfiguren zusammengehaltenen Romans ein, und ohnehin geht es nicht darum, wer der Täter ist, denn der ist eben Fantômas, und Fantômas hat längst die Identität gewechselt, als Juve dem falschen Etienne Rambert auf die Schliche kommt.
![]() |
|
| Fantômas (1) |
Hier nur einige der weiteren Verwicklungen: Juve kehrt nach Paris zurück, um im Fall des verschwundenen Lord Beltham zu ermitteln. In der Wohnung eines gewissen Gurn öffnet er einen Schrankkoffer, in dem Koffer liegt der tote Lord. Gurn ist der Liebhaber von Lady Beltham, was Juve da aber noch nicht weiß. Dann dringt ein maskierter Mann in Abendgarderobe in die Hotelsuite von Prinzessin Sonia Danidoff ein (die Prinzessin sitzt gerade in der Badewanne), raubt 120.000 Francs und hinterlässt eine Visitenkarte, auf der der Name Fantômas sichtbar wird und wieder verschwindet. Juve erkennt in der Hotelangestellten Jeanne den geflüchteten Charles Rambert, der doch nicht tot ist und sich, als Frau verkleidet, im Hotel versteckt hat.
Da der Inspektor Charles’ Unschuld nicht beweisen kann, schlägt er diesem vor, sich eine (weitere) neue Identität zuzulegen. Dafür besorgt er ihm einen Job als Reporter bei der Zeitung La Capitale. Fehlt noch ein Name:
Etwas Markantes wie Fantômas", sagte Juve herausfordernd […]. "Wähl als Vornamen einen aus, der nicht zu gewöhnlich ist, und einen kurzen Nachnamen. Warum nicht die erste Silbe von Fantômas beibehalten? Ah, ich hab `s - Fandor. Wie wäre es mit Jérôme Fandor?
Damit hat Fantômas seine beiden Gegenspieler, die von nun an gemeinsam hinter ihm her sein werden: den Inspektor und den Journalisten. Und wir haben durch den Namen einen Hinweis darauf erhalten, warum er nicht zu fassen ist: weil in Fandor wie in jedem von uns etwas von Fantômas steckt und man seiner nie ganz habhaft werden kann, wenn man sich zu sehr auf andere konzentriert. Auch Juve wird seinem Erzfeind immer ähnlicher. Nachdem man ihm erst nicht glaubt, dass Fantômas existiert, gerät er später mehrfach in Verdacht, selbst der Verbrecher zu sein. Im 21. Band der Reihe, Le train perdu, hat er sich das gleiche schwarze Outfit mit schwarzer Maske zugelegt, das sonst nur der Bösewicht bei seinen Raubzügen trägt. Leseprobe aus Ein Zug verschwindet, wo Fantômas unter anderem als Doppelgänger eines amerikanischen Zirkusdirektors und des belgischen, von ihm getöteten Raubtierbändigers Gérard auftritt:
Drei Minuten nach dem Schuss, der die schwarze Tigerin, die im Begriff war, sich auf den Dompteur zu stürzen, gerade noch rechtzeitig niedergestreckt hatte, standen sich der falsche Fantômas, also Juve, und der falsche Gérard, also Fantômas, in der Einsamkeit der verlassenen Lagerhalle lächelnd, wenn auch ein wenig verwirrt gegenüber. "Fantômas!" hatte der falsche Gérard gebrüllt. [...] Oh! Dieser Tonfall, diese Stimme, die da für eine Sekunde zu hören war! Juve war zutiefst beunruhigt und bestürzt! "Ah! Ich träume wohl", murmelte der Polizist, "ich phantasiere." [...] Dann stürzte sich Juve wie ein Wahnsinniger auf ihn. Aus Leibeskräften brüllte der Polizist: "Fantômas! Ah, du bist Fantômas!" Und Gérard, der falsche Gérard schrie seinerseits: "Juve! Juve! Du Dummkopf, du bist unbewaffnet!" Die beiden Männer prallten aufeinander, denn als sich der falsche Fantômas, als sich Juve auf ihn geworfen hatte, war der falsche Gérard, also Fantômas, gleichfalls nach vorn geprescht. Juve umklammerte den Herrn des Grauens, den er endlich erkannt hatte.
In dieser Romanserie, das versteht sich von selbst, verkleidet sich nicht nur Juve als Fantômas, Fantômas verkleidet sich auch als Juve. Und Fandor geht im Fantômas-Kostüm zu einem Maskenball, wo für eine auf die Ergreifung von Fantômas auszusetzende Belohnung gesammelt wird. Da trifft er auf einen Polizisten, der sich ebenfalls als Fantômas kostümiert hat. Kurz danach liegt der Polizist tot im Park. Das Original hat eine von den Kopien umgebracht. Am Ende verschwindet Fantômas mit der Belohnung. Er war der Organisator des Maskenballs.
![]() |
|
| Fantômas contre Fantômas (2) |
Die 1000 Gesichter des Fantômas
Der Meister des Verbrechens ist der Herr über Raum und Zeit. Er scheint im selben Moment an mehreren Orten sein zu können, ist einmal ein alter Herr und dann wieder ein junger Mann, schlüpft mit gleicher Leichtigkeit in die Identität eines Richters wie in die des Kommandanten eines russischen Kriegsschiffes, eines kleinen Gauners aus der Unterschicht, des deutschen Botschafters oder von Tom Bob, dem amerikanischen Superdetektiv. So wandelt Fantômas horizontal wie vertikal durch die Gesellschaft.
![]() |
|
| Fantômas |
Quer durch alle Schichten der Gesellschaft fand Fantômas auch seine Leser. Wahrscheinlich ist es gar nicht so übertrieben, wenn man sagt, dass er ein ganzes Land in Atem hielt. Die monatlich erscheinende Romanserie war so erfolgreich (die Auflage ging in die Millionen), dass sich bald die Firma Pathé meldete, um die Filmrechte zu erwerben. Léon Gaumont, der schärfste Konkurrent von Charles Pathé, soll das Dreifache geboten haben (6000 statt 2000 Francs je Film) und erhielt den Zuschlag. Der Fünfteiler, den Louis Feuillade 1913 und 1914 für die Gaumont drehte, steigerte die Fantômas-Begeisterung noch weiter, rief aber auch jene auf den Plan, die sich im Besitz des guten Geschmacks und der Moral wähnten. Der Bürgermeister von Paris, der Innenminister sowie kirchliche Würdenträger intervenierten und verlangten Kürzungen. Warum der Kassenschlager nach den fünf Teilen nicht fortgesetzt wurde, ist unklar.
Einer Version nach sollen mehrere Frauenrechtsorganisationen durchgesetzt haben, dass Fantômas die Leinwand-Lizenz zum Töten entzogen wurde, weil ihm die Damen der feinen Gesellschaft wie Lady Beltham und nach ihr Prinzessin Danidoff hörig sind. Möglicherweise spielten der Beginn des Ersten Weltkriegs und die damit einhergehende Verschärfung der Zensurbestimmungen eine Rolle. Außerdem hatte der enorme, nicht an Klassenschranken gebundene Publikumszuspruch deutlich gemacht, dass sich das Kino nicht mehr zum typischen, mehr oder weniger degoutanten Vergnügen der Unterschicht erklären und damit ausgrenzen ließ. Das hatte Gegenmaßnahmen des Establishments zur Folge, das sich bisher meist angewidert abgewandt hatte, statt direkt zu reagieren.
Was für die einen ein Skandal war, war für die anderen eine Erleuchtung. Was Franz Kafka dachte, weiß man nicht, doch die Detektivarbeit von Hanns Zischler (Kafka geht ins Kino) hat immerhin ergeben, dass Fantômas in Prag auf dem Spielplan stand und Kafka ihn gesehen haben muss, als er dort regelmäßig die Lichtspieltheater besuchte. Fritz Lang saugte Fantômas in sich auf, als er 1913/14 in Paris wohnte, und wenn man das nicht wüsste, bräuchte man nur seine Filme zu studieren, von Die Spinnen über Dr. Mabuse bis zu Spione und darüber hinaus, um es nachzuweisen. Am Anfang von Dr. Mabuse, der Spieler hält eine Hand Spielkarten hoch, die den Doktor in seinen verschiedenen Masken zeigen. Lang erweist Feuillade damit seine Referenz.
Die erste Folge von Feuillades Fünfteiler beginnt mit einer Reihe von Überblendungen. Wir sehen René Navarre, den Hauptdarsteller, in seinen Fantômas-Verkleidungen. Zu Beginn von Folge 2 wird das wieder aufgenommen und auf überraschende Weise fortgeführt. Wir sehen den Schauspieler René Navarre und dann Navarre als Fantômas. In dieser Rolle zieht er eine schwarze Kapuze über den Kopf. Danach erscheint Edmond Bréon auf der Leinwand, der Darsteller von Inspektor Juve, gefolgt von Bréon als Juve (jetzt mit Schnurrbart) und von Juve in mehreren Verkleidungen.
![]() |
|
| Juve contre Fantômas (2) |
Bei diesem Jonglieren mit Fiktion und Wirklichkeit wirkt es schon sehr bedrohlich, wenn Navarre - zuerst als er selbst und dann als Fantômas - suchend um sich blickt und dabei auch direkt in die Kamera schaut, uns also ansieht wie seine nächsten Opfer. Das ist noch nicht alles. So wie René Navarre Fantômas verkörpert, verkörpert der Schauspieler Valgrand den Verbrecher auf der Bühne eines Pariser Theaters (in der Filmhandlung). Fantômas wird - als Gurn - wegen des Mordes an Lord Beltham zum Tode verurteilt. Der Schauspieler Valgrand wird - in seiner Fantômas-Maske - betäubt, mit dem Mörder ausgetauscht und an seiner Stelle aufs Schafott geschickt. Ein solch aberwitziges Spiel mit den Identitäten, ein solches Unterminieren des sicheren Standpunkts gibt es sonst nur noch bei Hitchcock und Fritz Lang, deren Filme noch vielschichtiger werden als ohnehin, wenn man sie mit den Serials von Feuillade vergleicht, dem sie viel verdanken.
![]() |
|
| Juve contre Fantômas |
Wer Feuillade kennt, wird auch Alain Resnais’ Meisterwerk Letztes Jahr in Marienbad mit anderen Augen betrachten und einige Aha-Erlebnisse haben. "Als ich Fantômas sehen konnte", berichtet Resnais, "hatte ich den Eindruck, dass Feuillade meine eigenen Träume erfüllt habe." Jean Cocteau war ebenfalls ein Bewunderer. Als Fantômas in den 1960ern neu verfilmt wurde, bestand er darauf, dass Jean Marais die Hauptrolle spielen müsse. Die drei Kriminalkomödien mit Louis de Funès haben aber wenig vom Geist der literarischen Vorlage und von Feuillade abbekommen. Viel mehr davon findet man in den Filmen, die Cocteau selbst mit Jean Marais gedreht hat, besonders in Orphée. Immerhin spielt Marais in der Trilogie von André Hunebelle sowohl den Schurken wie den Journalisten Fandor. Das passt.
Meister des Grauens
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36325/1.html- Wunsch? (28.2.2012 19:19)
- Re: Es wurde die Verfilmung von 1979 (26.2.2012 23:36)
- Re: Nicht aufgepasst ;) (26.2.2012 22:29)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.








Börsenstrompreise bei Null
Warum wählt (uns) keiner?
Der 3-Cent-Wahnsinn
Mehr als 20 Prozent billige Arbeitskräfte
17. Juni 1953 - Sozialrevolte oder deutscher Aufstand?