Britische Soldaten trainieren Bekämpfung von Aufständen

01.02.2012

In Großbritannien herrscht Angst vor neuen Unruhen, besonders während der Zeit der Olympischen Spiele, die auch Tausende von Soldaten sichern sollen

Seit den Unruhen im letzten Sommer geht die Angst in Großbritannien um. In der Krise und mit dem Sparkurs, der zudem auf Privatisierung unter dem Begriff der Big Society setzt, wächst die Angst, dass aus der verarmten Unterschicht die nächsten Revolten entstehen könnten. Dazu kommt das Großereignis der Olympischen Spiele. Zu deren Sicherung werden auch Tausende von Soldaten eingesetzt.

Kürzlich trainierte eine Eliteeinheit der Fallschirmspringer, wie sie Menschenmengen bändigen kann - auch im Hinblick auf befürchtete Unruhen im eigenen Land. Der britische Regierungschef hatte schon vor der "wilden Unterschicht" gewarnt (Die Zähmung der "wilden Unterschicht"), die nach Ansicht der Konservativen letztlich nur mit Repression und harter Bestrafung in Schach gehalten werden kann (Britische Regierung will Jugendgewalt und neue Unruhen verhindern), da der Sozialstaat gemäß der neoliberalen Ideologie ja abgebaut werden muss. Weil die Unruhestifter hart bestraft werden, kommen die Gefängnisse mit über 87.000 Insassen allmählich an ihre Grenzen. Seit August sitzen 2.200 Menschen mehr in den Gefängnissen ein.

Die Angst herrscht auch, weil die Polizei von den Unruhen im letzten Jahr überfordert war und zudem am öffentlichen Dienst gespart wird, was auch bedeutet, dass Tausende von Polizisten entlassen wurden, im letzten Jahr wurden alleine 6000 Stellen gekürzt.

Obgleich die Unruhen nicht, wie die britische Regierung erst einmal vorgab, im Wesentlichen von (kriminellen) Gangs angezettelt wurden (Kaum Gangs an den Unruhen in britischen Städten beteiligt), bleiben diese der Angstgegner. So warnte Rob Owen, ein Experte für Gangs vom St Giles Trust, es bestünde gerade während der Wirtschaftskrise die Gefahr, dass sich mehr Jugendliche Gangs anschließen. Jetzt gebe es in London 250 aktive Gangs, es gebe ein niemals zuvor bestehendes "toxisches Potential", dass sie sich vermehren und ausbreiten. Auch Kommandeur Steve Rodhouse von der Metropolitan Police warnte, dass die Gefahr der schweren Gewaltausübung von Jugendbanden weiter bestehe, als er den Aufbau einer neuen Anti-Gang-Einheit ankündigte. Schwere Gewalt sei während des letzten halben Jahrs im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 9 Prozent angestiegen.

Nach einem Bericht des Telegraph wurden Hunderte von Soldaten des 3rd Battalion der Fallschirmjäger, die zu den schnellen Eingreiftruppen gehören, ausgebildet, um Menschenmengen einzukesseln und Unruhestifter festzunehmen. Aus offiziellen Quellen hieß es angeblich, dass die Soldaten bei einem Ausbruch von Unruhen, besonders während der Olympischen Spiele, "ideal" seien, um der Polizei kurzfristig zu helfen. Voraussetzung sei ein Gesuch des Innenministers und die Genehmigung des Regierungschefs.

Beim Training wurden die Soldaten mit Molotowcocktails beworfen, lieferten sich Kämpfe mit Demonstranten und übten, Anführer zu identifizieren und festzunehmen. Dabei lernten die Soldaten offenbar, in kleineren Teams zu arbeiten, sich mit Schilden zu schützen und diese zu benutzen, Menschenmengen zurückzudrängen. Der kommandierende Offizier der Einheit erklärte, es gehe darum zu lernen, wie die öffentliche Ordnung aufrechterhalten werden kann. Viele Fertigkeiten hätte bereits die römische Armee benutzt, "die mit sehr disziplinierten Soldaten unter dem Schutz von Schilden voranschritt". Die Soldaten müssten realistisch lernen, wie sie in Konfrontation mit großen und feindseligen Menschenmengen handeln können, ohne zu überreagieren.

Angeblich stand man auch schon letzten Sommer kurz davor, die Armee einzusetzen, weil die Polizei mit den Unruhen nicht zurechtkam. Es sei nur die ganze Ausrüstung zu dieser Zeit in Schottland gewesen. Der Telegraph zitiert einen hochrangigen offiziellen Informanten, der sagte, dass das Militär, wäre es eingesetzt worden, Menschen hätte festnehmen dürfen. Zur Selbstverteidigung wäre minimale Gewalt erlaubt gewesen. Vermutlich wären sie mit Schlagstöcken ausgerüstet und nur dann mit Waffen ausgestattet worden, wenn sich die Situation verschlimmert hätte.

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