"Right to Rent"

Peter Mühlbauer 03.02.2012

Dem amerikanischen Kongress liegt ein Plan vor, der ohne Kosten für die Steuerzahler Obdachlosigkeit verhindern und langfristig auch den Banken nutzen würde

Dem aktuellen Zensus zufolge stehen in den USA mehr als 18 Millionen Häuser leer. Gleichzeitig sind ungefähr dreieinhalb Millionen Menschen obdachlos. Theoretisch stünden also für jeden Obdachlosen fünf Häuser zur Verfügung.

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Auch, wenn man berücksichtigt, dass diese Rechnung sehr theoretisch ist, weil viele Obdachlose arbeiten und nicht jedem, der eine Wohnung im Silicon Valley sucht, mit einem Haus in Detroit geholfen ist, währen doch wahrscheinlich viele Wohnungssuchende froh, wenn sie wenigstens eine Bruchbude im Rostgürtel legal beziehen könnten. Noch froher wären sie vielleicht, wenn sie in einem dieser Häuser bleiben hätten können und nicht von Banken (deren Hypotheken sie häufig wegen der von der Finanzindustrie verursachten Wirtschaftskrise und einer daraus folgenden Arbeitslosigkeit nicht mehr bezahlen konnten) auf die Straße gesetzt worden wären.

Unmittelbar nach der Enteignung sind Häuser häufig noch in gutem Zustand. Foto: Mark Hogan. Lizenz: CC BY-SA 2.0.

Gegen diesen Effekt entwarf Dean Baker vom Center for Economic and Policy Research (CEPR) 2007 einen Plan, der auch konservative Ökonomen wie Andrew Samwick vom Dartmouth-College überzeugte. Er sieht vor, dass ehemalige Hausbesitzer, nach ihrer Enteignung durch die Bank die Option erhalten, dort wohnen zu bleiben und eine angemessene Miete zu zahlen, die ein unabhängiger Gutachter festlegt.

Das würde nicht nur in großem Maßstab Obdachlosigkeit verhindern, sondern auch dafür sorgen, dass die Häuser ihren Wert behalten, weil sie nicht von kriminellen Banden und Vandalen in Beschlag genommen und auf der Suche nach für Drogengeld verschacherbaren Rohren und Kabeln zerstört werden. Auf diese Weise könnten ganze Straßenzüge und Stadtviertel vor dem Fall in die fast vollständige Wertlosigkeit gerettet werden. Einer fatalen Kettenreaktion aus gesunkenen Immobilienpreisen, Auszug, Zerstörung und weiterem Wertverfall wäre ein Ende gesetzt, weil durch das Weiterbewohnen eines geretteten Hauses auch die Grundstücke in der Umgebung begehrt bleiben.

Dieser "Right-to-Rent"-Plan würde den Steuerzahler keinen Cent kosten und wäre relativ einfach umzusetzen, wie Baker bereits vor fünf Jahren herausstellte. Es müssten auch keine neuen Stellen für Bürokraten dafür geschaffen werden, weil eine bloße Änderung der Rechtslage reicht. Diese Änderung der Rechtslage müsste allerdings von Politikern vorgenommen werden – und genau an denen scheiterte der Plan bisher. Sie setzten nämlich Wahltaktik vor Bürgerwohl und konnten sich nicht einmal auf den Beschluss eines Vorhabens einigen, das von Baker und Samwick bereits vollständig ausgearbeitet wurde und nur noch der bloßen Zustimmung bedürfte, um viele Amerikaner vor der Obdachlosigkeit zu bewahren und die Verwandlung von immer mehr Gegenden in Gangland zu stoppen.

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36346/1.html
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