2011 nahm die Zahl der getöteten Zivilisten deutlich zu
Angesichts der Abzugspläne für die Isaf-Truppen arbeitet die Zeit für die Taliban
Während man in den Isaf-Staaten anstrebt, möglichst schnell, wahrscheinlich schon ab 2013, aus Afghanistan abzuziehen und zu erklären, das Land sei nun stabil geworden, wächst die Zahl der Zivilisten, die von den Aufständischen, den afghanischen Sicherheitskräften oder den ausländischen Truppen getötet werden auf einen Rekordstand.
Im UNAMA-Bericht heißt es, 2011 seien 3.021 Zivilisten getötet worden, darunter 166 Frauen und 306 Kinder. Das sind 8 Prozent mehr als 2010, als 2.790 Tote registriert wurden, 2009 waren es noch 2.412, 2007 erst 1523. Die Lage ist also alles andere als im Griff, wenn die Gewalt weiter zunimmt.
Die meisten Toten - 77 Prozent - gehen auf das Konto der Aufständischen. Die Selbstmordanschläge haben zugenommen und sind tödlicher geworden, Anschläge mit Straßenbomben haben sich ausgebreitet und es gab mehr gezielte Exekutionen von Politikern und anderen Zivilisten.
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410 Tote werden von der UN-Mission des Pro-Regierungskräften zugeschrieben, bei 279 sei nicht klar, wer dafür verantwortlich ist. Allerdings ist auch die Zahl der Todesopfer bei Luftangriffen auf 189 angestiegen, obgleich in diesem Jahr weniger geflogen worden seien. Während die Kämpfe im Süden nachgelassen haben, nahmen sie im Norden, Südosten und Osten zu.
Die Isaf-Länder und die afghanische Regierung versuchen angesichts des anstehenden Abzugs verstärkt, mit den Taliban in Verhandlungen zu treten. Die haben zwar signalisiert, in Katar ein Büro für Gespräche mit der US-Regierung zu eröffnen, geben sich aber zurückhaltend, weil sie sich auf der sicheren Seite sehen können, da die Zeit für sie arbeitet.
Vor ein paar Tagen kursierte die Meldung, der seit 2001 untergetauchte Taliban-Chef Mullah Omar, auf den 10 Millionen US-Dollar ausgesetzt sind, habe einen Brief an US-Präsident Barack Obama geschrieben und als Vorbedingung für Verhandlungen die Freilassung von Taliban-Gefangenen verlangt. Die Taliban streiten dies aber ab. Ein Sprecher des Islamischen Emirats von Afghanistan bezeichnete es grundloses Gerücht, mit dem Angst und Misstrauen gesät werden soll. Man brauche nicht darauf zu hoffen, dass die Afghanen den Kampf aufgeben. Zurückgewiesen wurde auch, dass in Saudi-Arabien ein Treffen zwischen Taliban und der afghanischen Regierung vorbereitet werde. Asia Times berichtet, es gebe bereits Verhandlungen zwischen den Taliban und hohen Militär- und Polizeiführern, die angeblich nach dem Abzug der Isaf-Truppen die Seiten wechseln wollen.
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36353/1.html- Re: Sehr fundiertes Posting, danke! Der ursprüngliche Fehler war .. (6.2.2012 19:00)
- Re: Sehr fundiertes Posting, danke! Der ursprüngliche Fehler war .. (5.2.2012 10:04)
- Re: 77% + X (5.2.2012 10:00)
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