Der nächste Superkontinent
Die Erde ist ein sehr dynamischer Planet, dessen Oberfläche sich zyklisch verändert. Wo wird der nächste Superkontinent entstehen?
Am Anfang war wohl Ur. Vor einer bis drei Milliarden Jahren könnte der Superkontinent das Antlitz der noch leblosen Erde bestimmt haben. Einen sicheren Beweis seiner Existenz haben Geologen bis heute nicht gefunden. Hypothesen sehen ihn in Äquatornähe; "super" war er noch nicht seiner Größe wegen - dürfte er doch kleiner als das heutige Australien gewesen sein. Was in den Jahrmillionen danach folgte, ist umstritten: Kenorland und Nuna (auch Columbia genannt) könnten weitere Superkontinente gewesen sein, bevor sich vor 1,1 Milliarden Jahren das vom Welt-Ozean Mirovia umspannte Rodinia herausbildete.
150 Millionen Jahre später zerfiel die Landmasse wieder in mehrere Bruchstücke, die sich vor etwa 600 Millionen Jahren erneut zu Pannotia zusammenfügten. Noch immer existierte an Land kein Leben - so konnte es wenigstens auch nicht zu einem Massensterben kommen, als die Erdkugel ungefähr um diese Zeit komplett zu einer "Snowball Earth" vereiste.
An deren Ende stand jedoch die kambrische Explosion - ein (in erdgeschichtlichem Rahmen) sehr kurzer Zeitraum, in dem sich die Vielfalt der Arten stark vergrößerte. In ihrer Folge vergrößerte sich der Sauerstoffgehalt in der Luft, so dass sich das Leben auch das Land erobern konnte - mit einem Erfolg, der wohl durch die Bildung des nächsten Superkontinents Laurussia vor 400 Millionen Jahren erleichtert wurde. Laurussia vereinte sich schließlich mit Gondwana zu Pangäa - das muss vor rund 300 Millionen Jahren gewesen sein und gilt heute als gut gesichert.
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| Auch die Vorgänger-Superkontinente Pangäa und Rodinia halten sich an das neue Modell (Bild: Mitchel et al, Nature) |
Ab hier beginnt sich das Bild der heutigen Erde zu formen. Auf Pangäa, vom Urozean Panthalassa umschlossen, verändert sich das Klima: Riesige innerkontinentale Flächen werden zu Wüsten, ein Massensterben beginnt, das Raum lässt für neue Arten: Begrüßen Sie die Dinosaurier. Vor 150 Millionen Jahren zerbricht Pangäa zunächst wieder in seine Bestandteile Laurussia und Gondwana, aus denen sich ab etwa 135 Millionen Jahren die heutigen Kontinente formen.
Damit ist die Erdgeschichte natürlich nicht vorbei. Die Erde ist rund, wenn Böhmische Masse und Afrikanische Platte gleichmäßig auseinanderdriften, können sie sich nur einen halben Erdumfang lang aus dem Weg gehen. Die Geologen erwarten, dass in 250 bis 400 Millionen Jahren Besucher des Blauen Planeten erneut auf einem einzigen Kontinent landen müssen, der den Namen Amasia erhalten hat.
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Es gibt auch bereits Ideen, wo sich dieser Erdteil bilden könnte. Bisher konkurrierten dazu im Grunde zwei Konzepte: Beim ersten Modell schließt sich der Atlantik wieder, Amasia entstünde etwa dort, wo auch Pangäa schon lag. Das zweite Modell nimmt an, dass das Gegenteil passiert: der Atlantik vergrößert sich weiterhin, dafür schließt sich der weit ältere Pazifische Ozean. Amasia würde sich dann auf der Pangäa direkt gegenüberliegenden Seite der Erdkugel bilden. Im Wissenschaftsmagazin Nature schlagen Forscher nun ein drittes Modell vor, das sie "Orthoversion" nennen.
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| Amasia, die Vereinigung von Amerika und Eurasien, könnte in 100 Millionen Jahren zustande kommen. Bild: Mitchel et al, Nature |
Demnach würde der amerikanische Kontinent zum Kern von Amasia, das sich damit auf der Erdkugel im 90-Grad-Abstand von Pangäa formt. Dass die Spekulation begründet ist, zeigen die Forscher mit Daten aus der Geschichte: Amasias Vorgänger Nuna, Rodinia und Pangäa hielten sich nämlich an diese Regel.
Um das nachzuweisen, nutzen die Forscher aus Gesteinsschichten der entsprechenden Epochen gewonnene paläomagnetische Daten, aus denen sich die Wanderung der magnetischen Pole berechnen lässt - diese lassen Rückschlüsse auf die Masseverteilung der Erdkruste zu. Mit ihrem Modell hoffen die Wissenschaftler zugleich, ein praktisches Problem zu lösen: Die anderen beiden Modelle lassen sich nämlich nicht mit den Prozessen vereinbaren, die man bei der Bildung der Superkontinente am Werk sieht.
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36383/1.html- Wie die Theorien entstanden sind: (21.2.2012 11:24)
- Expandierende Gasköppe (11.2.2012 18:33)
- Re: Besser gleich Wikipedia! (11.2.2012 18:28)
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