Die Bildungskluft

Thomas Pany 10.02.2012

US-Studien machen auf eine wachsende Schulleistungskluft zwischen Kindern aus ärmeren und reicheren Familien aufmerksam

Die Schere klappt früh auf. Kinder von wohlhabenden Eltern verbrachten laut einer US-Studie bis zum Alter von sechs Jahren 1.300 Stunden mehr außerhalb ihres Zuhauses - in Kindertagesstätten oder in Einrichtungen, die sich mit ihnen beschäftigten und sich ihrer Erziehung annahmen, wei dies zum Beispiel in Forscherkursen von Museen geschieht. Bis zu ihrem Schuleintritt hatten die privilegierteren Kinder über 400 Stunden mehr mit Aktivitäten verbracht, die dem Lesen und Schreiben förderlich sind, als ihre Altersgenossen aus finanziell deutlich schlechteren Verhältnissen.

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Im Jahr 1972 widmeten Familien, die über hohes Einkommen verfügten, fünf mal mehr Zeit pro Kind als arme Familien. 2007 hat sich der Unterschied weiter vergrößert. Da lag er bei neun zu eins.

Dass Kinder von finanziell besser gestellten Familien tendenziell auch besser in der Schule abschneiden, ist bekannt. Eine ganze Reihe von Untersuchungen, so die New York Times, weisen aktuell darauf hin, dass die Schulerfolgs- und Bildungskluft zwischen Kindern unterschiedlicher Verhältnissen wächst. Ganz deutlich geht das aus zum Beispiel aus einer Stanford-Studie hervor, die im letzten Jahr veröffentlicht wurde:

Die Kluft in den Schulleistungen ("achievement gap") zwischen Kindern von Familen mit geringem Einkommen und höherem ist ungefähr um 30 bis 40 Prozent größer geworden, wenn man Kinder, die 2001 geboren sind, mit denen vergleicht, die 25 Jahre früher zur Welt kamen.

Allerdings wird eingestanden: Für Kinder, die vor 1970 geboren wurden, sei das Datenmaterial "weniger sicher". Auf der anderen Seite sieht der für die zitierte Studie verantwortliche Sozialwissenschaftler, Sean F. Reardon, die Entwicklungen seit der Wirtschaftskrise in noch düstererem Licht, wenn auch dafür eigentlich noch keine gesicherten Daten vorliegen:

With income declines more severe in the lower brackets, there’s a good chance the recession may have widened the gap.

Zwei unterschiedliche Generationen von College-Studenten bestätigen die Annahme der Schulleistungskluft, die in enger Verbindung mit der finanzielen Aussattung des Elternhauses steht.

The University of Michigan study, by Susan M. Dynarski and Martha J. Bailey, looked at two generations of students, those born from 1961 to 1964 and those born from 1979 to 1982. By 1989, about one-third of the high-income students in the first generation had finished college; by 2007, more than half of the second generation had done so. By contrast, only 9 percent of the low-income students in the second generation had completed college by 2007, up only slightly from a 5 percent college completion rate by the first generation in 1989.

Als Erklärung für den Unterschied ziehen Forscher ein oft beobachtetes Phänomen heran: Den größeren Zeitaufwand, den Familien der gehobenen Mittelklasse mit zwei Kindern für die Kindererziehung aufbringen. Dem stellt man Probleme in unteren Schichten gegenüber, der höherere Anteil Alleinerziehender, schweirige Arbeitsbedingungen, der Kampf um den Lebnsunterhalt, die Erschöpfung - Faktoren, die ein Sich-Kümmern um die Kinder im selben Maß wie in anderen Verhältnissen erschweren.

Dass man sich in den USA in den vergangenen Jahren mit Erfolg darum bemüht hat, den "achievement gap" zwischen Schwarzen und Weißen zu verkleinern ("has narrowed significantly over the past few decades"), wird als Argument dafür gewertet, dass auch die Schulleistungskluft zwischen Arm und Reich mit entsprechenden politischen Maßnahmen geschlossen werden kann. Bildungseinrichtungen, die für alle zugänglich sind - und im Vorschulalter verpflichtend für jene, die zuhause in einer schwierigen Situation sind - wäre ein Ansatz.

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36399/1.html
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