Eine Jugend in Deutschlands Fernsehlandschaft
Serienunterhaltungskultur erlebte im Ausland ein Hoch, in Deutschland war davon (fast) nichts zu spüren
Die Jugend in Deutschland ist eine beliebte Zielgruppe der Werbetreibenden, findet andererseits in der öffentlichen Wahrnehmung besser nicht statt - höchstens als Klischee. In anderen Ländern ist Serienkultur für Jugendliche längst etabliert und räumt bis in den Dramabereich hinein die Preise ab. Aber wie viele Jugendserien kennen wir, die für das deutsche Fernsehen produziert wurden. Serien, in denen die Lebenswirklichkeit der Heranwachsenden tatsächlich eine Rolle spielt?
Wie sehr das deutsche Fernsehen, insbesondere das öffentlich-rechtliche, eine Zumutung ist, erschließt sich jedem, der Vergleichsmöglichkeiten mit der Serienkultur anderer Länder hat. Telepolis stellt häufiger Serien vor, die noch nicht im hiesigen Fernsehen liefen oder zu nachtschlafender Zeit versteckt werden. Georg Diez hat im Mai 2011 eine fundamentale Kritik am deutschen Fernsehen verfasst, wo er nicht nur die Unterschiede zwischen Epen wie Boardwalk Empire oder Breaking Bad und deutschen Fernsehproduktionen benennt, sondern auch dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorwirft, "die gesellschaftliche Spaltung, die es in seinen Politmagazinen beklagt" mit seinen Unterhaltungsproduktionen zu vertiefen.
Die Qualität des Fernsehens spielt eine Rolle für die Art und Weise, wie wir in der Gesellschaft miteinander umgehen. Die Geschichten, die wir uns über uns selbst und unseren Alltag erzählen, reflektieren nicht nur unseren Umgang, sie formen ihn auch. Eine breite Diskussion im Feuilleton ist längst überfällig. Auffällig hingegen ist, dass es keine Serienunterhaltung für Jugendliche gibt, die in Deutschland produziert wurde. Jugendliche werden automatisch über das Familienangebot mit-bedient, könnte man meinen. Dann gibt es noch ein, zwei Musiksender und jede Menge Angebote, die sich nicht an eine bestimmte Altersgruppe wenden, sondern an ein niedriges Niveau.
|
|
ARD und ZDF tragen zwar immer noch den Schein des Bildungsauftrags, aber wenn bei den Privaten Infotainment gemacht wird, machen ARD und ZDF es auch, wenn GZSZ zum Erfolg wird, wer sendet dann reihenweise billige Vorabendserien? Genau. Where is the youth? Und wer produziert mal eine Serie mit Jugendlichen, für Jugendliche? Niemand.
Dafür dreht man alle zwei Jahre einen Fernsehfilm, der sich vielleicht auch an jüngere Zuschauer wendet. In einem Interview mit NDR-Fernsehspielchef Christian Granderath im Dezember 2011 erfährt man, warum das so ist. Stolz wird die Produktion "Homevideo" erwähnt, die sehr provokativ gewesen sei. In dem Film geht es um einen Jugendlichen, der sich beim Onanieren filmt und sich, nachdem das Video öffentlich wird und das unvermeidliche Mobbing begonnen hat, umbringt.
Homevideo ist wohl ein Film, der bleibt. Aber man muss auch den Tatsachen ins Auge sehen: Es ist sehr schwer, mit einem öffentlich-rechtlichen Drama, egal wie gut und wie jugendaffin es gemacht ist, jüngere Zuschauer zu erreichen. Es geht denen vor allem ums Entertainment. Relevanz haben für sie häufig eher erst mal Klum, Bohlen und Co. Auch lassen sich die Kids schwer über klassische Programmschemata erreichen. Die besorgen sich ihre Filme anders.
Wenn sich dieser Film tatsächlich an Jugendliche richten sollte, ist der Selbstmord als billiger Schaueffekt zu verstehen. Oder ist dies als Problemlösungsstrategie für Facebooknutzer gedacht? Wenn wir das übersetzen, steht da: Die Jugendlichen sind nicht intelligent genug für die Angebote des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, sie wollen billige Unterhaltung. Und am Schluss steht der nebulöse Satz, die besorgen sich ihre Filme anders.
Was für Filme sind das? Offensichtlich keine, die bei uns im Fernsehen zu sehen sind. Das ist doch eine wichtige Frage an unsere Kultur. Was sieht sich die nächste Generation an, die aus unserer hermetischen TV-Sphäre ausgeschlossen ist? Und wo das Angebot für eine Bevölkerungsgruppe dünn ist, ist es mit der Repräsentation meist auch nicht weit her.
Im deutschen Fernsehen wird der Jugendliche an und für sich immer wieder als unbekanntes Wesen präsentiert. Wenn wir nicht das Erfolgsgrinsen eines angepassten zukünftigen Anwalts oder Medienfrolleins ertragen müssen, also den stromlinienförmigen Nachwuchs, wird der sonstige Jugendliche gern als anarchischer Asozialer dargestellt. Am liebsten wortkarg oder mit einer Sprache, die man nicht versteht, vornehmlich im Kleidungsstil einer Subkultur (Gruftie und Punk sind gut, so stellt man sich einen schwierigen jungen Menschen vor), bezeichnet der Jugendliche immer ein Problem.
Beliebt sind Drogen, Diebstahl, Rechtsradikalismus, Mobbing und Kindesmissbrauch. Wir bemerken, dass dies alles Spielarten der Kriminalität sind. Der Jugendliche wird dann als Statist dem jeweiligen spannenden Thema beigeordnet. Und in einer deutschen Fernsehproduktion bleibt der Jugendliche im Scheinwerferlicht des Problems - sein restliches Leben bleibt im Dunkeln. In anderen Ländern gibt es zahllose Fernsehserien, die Jugendliche als eigenständige Menschen mit Ideen und Träumen zeigen; wundervolle Charaktere, die auch die verschiedenen Problemzonen des Lebens streifen, ohne in ihnen kleben zu bleiben.
Skins, The Fades, Misfits
Da gibt es Skins, eine britische Jugendserie, die immer über zwei Staffeln eine Jahrgangsklasse begleitet. Der Titel der Serie hat übrigens keinen Bezug zu Rechtsradikalismus, wie der geübte Fernsehzuschauer hierzulande vermuten würde. Skins sind die langsam brennenden Blättchen, mit denen Joints gedreht werden. Unbegreiflich, dass der deutsche Titel dann lautet Skins - Hautnah.
![]() |
|
| Screenshot Trailer "Skins" |
In der Serie verlieben sich die Kids, haben Sex, betrügen sich, trennen sich, nehmen Drogen, misstrauen allen Erwachsenen, finden Partys wichtiger als Schule, manipulieren sich, unterstützen sich… Großartige Darsteller, eine unglaubliche Kamera und der coolste Soundtrack der letzten zehn Jahre machen diese Serie zu einem echten Erlebnis, das weit über Teenie Klassikern wie Beverly Hills steht. In Skins lernt man auch die problematischen Charaktere näher kennen und schnell werden sie zu den wirklichen Helden, während die glatten Helden sich, bei näherer Beleuchtung, immer wieder demontieren.
Mittlerweile wurde die erste Staffel in den USA nachverfilmt, mit zum Teil divergierender Handlung. Wer sehen möchte, wie man eine Teenie Serie macht, die auch Erwachsene besser unterhält als jeder Tatort, der sehe sich Skins an.
Der Erfinder von Skins ist Jack Thorne, eine neuere Serie von ihm heißt The Fades. Protagonist ist der 17-jährige Paul, der die Fähigkeit hat, Seelen zu sehen, die nicht im Himmel aufgenommen wurden. Davon gibt es eine ganze Menge und sie stehen vornehmlich auf Hausdächern und blicken sauer auf die Straßen hinab, denn sie können nichts anfassen und wenn sie von einem Menschen berührt werden, verbrennen sie. Allerdings haben einige Seelen einen Weg gefunden, wieder stoffliche Eigenschaften zu erlangen, indem sie Menschenfleisch essen. Es ist der klassische Menschheit-versus-Zombies-Konflikt und es geht, natürlich, um nicht weniger, als den Untergang der Menschheit. Paul lernt weitere Angelic-Menschen mit seinen Fähigkeiten kennen, die in seiner Nähe jedoch recht schnell sterben, was aber für den Fortgang der Serie nicht schlimm ist, denn er kann sie ja weiterhin sehen.
![]() |
|
| Screenshot "The Fades" |
Klingt nach einer Fantasy-Serie auf mittlerem Niveau? Bis hierhin ja. Was diese Serie von dem üblichen Fantasylala abhebt, ist der Erzähler Michael Armstrong, Pauls bester Freund. Er hat keine übersinnlichen Fähigkeiten und mehr als das Überleben der Menschheit interessiert ihn, gemeinsam mit Paul, der Außenseiterrolle und Jungfräulichkeit zu entkommen. Ohne diese ironische Brechung wäre diese Serie eine von vielen; Michaels extrem den Problemen der Adoleszenz zugewandte Erzählperspektive bereichert The Fades ungemein.
Superhelden mit Fehlern
Eine andere britische Serie ist Misfits. Misfits zeigt Superhelden, die durchaus mit Fehlern behaftet sind. Oberflächlich betrachtet, ist es die Geschichte von fünf Jugendlichen aus sogenannten prekären Verhältnissen, die eine Bewährungsstrafe als Müllsammler in ihrem Plattenbauviertel abzuleisten haben. Zu Beginn sind die fünf an Primitivität kaum zu überbieten. Das Vokabular strotzt vor Obszönitäten, dargereicht in allerfeinstem Slang, dass sich "fuck" anhört wie "fog" und "move" klingt wie "mühv". Kann das Spaß machen? Wenn sich ein Typ wie Howard Overman an die Geschichte setzt: unbedingt.
![]() |
|
| Screenshot "Misfits" |
Zu Beginn der ersten Folge geraten die fünf Protagonisten in ein Unwetter, aus dem sie mit übernatürlichen Kräften ausgestattet erwachen. Jedoch, auch der Rehabilitationshelfer hat sich in dem Unwetter verändert. Aus ihm ist ein mordlüsterner Zombie geworden, der einen sechsten Jugendlichen, der sich zum Kiffen versteckt hatte, brutal niedermetzelt. Nun macht er Jagd auf die anderen fünf. Von ihnen bemerkt zuerst Simon seine Fähigkeit, unsichtbar zu werden. Dann stellt Kelly fest, dass sie die Gedanken der anderen hören kann. Auch von dem Rehabilitationshelfer, der sie als nächstes tötet.
Glücklicherweise bemerkt nun Curtis, dass er die Zeit zurückdrehen kann, um den Mord an Kelly zu verhindern. Mehr über die Story zu verraten wäre Spoiling. Aber, soviel darf gesagt werden, in der Serie wird der Zuschauer mit Superkräften vertraut gemacht, die es im Fernsehen garantiert noch nicht zu sehen gab. Da mehrere Menschen in dem mysteriösen Gewitter waren, bekommen unsere Helden es immer wieder mit Gegnern oder Verbündeten zu tun, die ebenfalls über ungewöhnliche Talente verfügen. Overman hat es fertig gebracht eine Serie zu produzieren, die einerseits günstig ist, in der andererseits alles geht. Wirklich alles. Einer der Höhepunkte der Serie ist natürlich, wenn die Fünf ihre übernatürlichen Fähigkeiten gegen neue Superkräfte eintauschen. Hoppla.
Dass Howard Overman ein Ausnahmetalent ist, zeigt sich an seinem bisherigen Werk. Er steht auch hinter vexed, dirk gently, merlin und hat an babylon hotel, hustle, new tricks und natürlich Doktor Who mitgeschrieben. Wahrscheinlich ist ein solches Talent nicht erlernbar, aber mit Sicherheit kann man sich von einem genialen Künstler abschauen, wie er arbeitet.
Für Misfits hat sich Overman mit seinen jungen Darstellern zusammengesetzt und sie gefragt, was für Superpower sie gern hätten, er hat alle seine Ideen mit den Kids durchgesprochen und sich angehört, wie sie das ausdrücken würden - und er hat sie ernst genommen. Und jetzt werden er, die Serie und ihre Darsteller mit Preisen überschüttet. Aber das ist er inzwischen gewohnt, weil alles, woran er mitwirkt, von großartiger Intelligenz und subversivem Humor geprägt ist und dementsprechend in Großbritannien honoriert wird.
Es wundert nicht, wenn Howard Overman in einem Interview "the walking dead" (nicht "the dead walking", das ist etwas anderes) als seine derzeitige Lieblingsserie bezeichnet und er auf die Frage, welche Serie er gern gemacht hätte, antwortet: "Lost, dann hätte ich ein besseres Ende machen können."
Andere aktuelle Serien, die eine ausführlichere Würdigung verdient hätten: The hard Times of RJ Berger, die Geschichte eines jugendlichen Nerds mit überdimensionierten Geschlechtsteil in einer hypersexualisierten Gesellschaft. Suborgatory, die Geschichte einer Heranwachsenden, die mit ihrem Vater aus der Großstadt in die Hölle der Vororte zieht und es dort nicht sehr schätzt. Awkward (Mein sogenanntes Leben)die Peinlichkeiten des Erwachsenwerdens, hinreißend dargestellt. Freaks and Geeks, Jugend in Amerika in den 80ern, jedoch 2000 produziert. Veronica Mars, eine Krimiserie für Kids, deren Plot sich über die Staffeln zieht.
![]() |
|
| Screenshot Trailer "Suborgatory" |
Es lassen sich weitere Beispiele finden. Und jede einzelne dieser Serien wäre einen eigenen Artikel wert. Um den Menschen hierzulande zu zeigen, was sie sich und ihrer Jugend vorenthalten. Und um sie neugierig zu machen. Einzustimmen, auf eine neue Zeit, die längst im Unterhaltungsfernsehen begonnen hat, ohne das hier allzu groß Notiz davon genommen wurde. Hier feiern wir noch die Grenzüberschreitung von der Ernsthaften Musik in die Unterhaltungsmusik. Andernorts erklimmt die Unterhaltung, die Alltagsprobleme reflektiert, längst ein Niveau, dem der deutsche Film nur noch in Ausnahmefällen gewachsen ist.
Darf man in Deutschland die Jugend nicht mehr lachen lassen?
Drei deutsche Produktionen der letzten 10 Jahre fallen mir spontan ein, die für Jugendliche gedacht sind und nicht um die Wirklichkeit herumlügen. Kroko (2003), Polly Blue Eyes (2005) und Prinzessinnenbad (2007). Dem stehen im Ausland, unter anderem, die oben genannten Serien gegenüber. Wir können also sehen (allerdings nicht im deutschen Fernsehen) was den Zuschauern in England oder Nordamerika angeboten wird. Und was haben wir hier?
![]() |
|
| Polly Blue Eyes. Bild: Central |
Wofür werden Programmgestalter in Deutschland eigentlich bezahlt? Wir wissen wovon, aber nicht wofür. Und die Stereotypen und ihre stereotypischen Handlungen in den Vorabendserien und Fernsehfilmen? Von wem, weiß ich, aber nicht, für wen. Ein befreundeter Regisseur, der schon wirklich miese Filme für das deutsche Fernsehen gemacht hat, formulierte es so unnachahmlich: "Deutsche Drehbücher! Da sitzen ein paar Kokser auf Mallorca und sehen den ganzen Tag deutsche Programme im Satellitenfernsehen und schreiben vom deutschen Fernsehen für das deutsche Fernsehen ab. Daher sind die Drehbücher so teuer." Die Amerikaner haben HBO, die Engländer BBC, Deutschland die Degeto.
Wenn wir hier zu Höhlenbewohnern gemacht werden sollen - und was die Entwicklung der Serienkultur hier angeht, ist der Beweis erbracht -, dann wäre eigentlich das Bewaffnen mit Festplatten zum Kopieren dieser und das Sehen solcher Serien im Internet, mit notfalls veränderter Länderkennung im Browser, keine Copyrightverletzung, sondern ein Akt intellektueller Notwehr. Wo das Fernsehprogramm zum Verbrechen wird, wird der Besuch des DVD-Regals in der öffentlichen Bücherhalle zur Pflicht.
Wir halten uns für eine gebildete Nation, aber wo reflektieren wir unser Hauptmedium, den Film? Wir sind kein Volk der Dichter und Denker mehr, sondern das nie enden wollende Wirtschaftswunderdeutschland in der Wetten-dass…-Verlängerung. Und darum drehte sich dann 2011 die Diskussion im Kulturteil: Wer wird Nachfolger von Thomas Gottschalk, dem 61-jährigen Schwiegermutterliebling? War es das?, fragt man sich. Und beginnt zu beten, es möge sich neuer Raum auftun, für mehr als Günther Jauch.
Erinnert sich noch jemand an "Kennen Sie Kino?" oder "Elmar Gunsch präsentiert Kabinettstückchen"? Und vermisst außer mir noch jemand die Moderation im Fernsehen? Als Norddeutscher waren für mich in meiner Kindheit und Jugend immer Hanni VanHaiden und Dennis Törzs die Inbegriffe der mustergültigen Anmoderation. Es wurde etwas über die Filme, Darsteller und Produktion erzählt, häufig endet es in einer Anekdote, dann wurden die wichtigsten Daten wie Regisseur, Land und Produktionsjahr genannt und der Film wurde abgefahren. Auch wenn gegen gelungene Vorschauen nichts einzuwenden ist, sind die Trailer, die heute einen Film ankündigen, indem sie versuchen, seine Handlung in 20 Sekunden zu erzählen, meist schwer zu ertragen. Und das sind ja nur beiläufige Symptome.
Es gibt weitere Anzeichen für die Theorie, dass die Serienunterhaltungskultur weltweit einen evolutionären Hop hatte, von dem wir in diesem Land ausgenommen waren. Das hat viel mit Ehrlichkeit zu tun. Adorno schrieb in der Minima Moralia, ein Deutscher sei jemand, der keine Lüge ausprechen könne, ohne sie selbst zu glauben. Und deswegen herrscht in dieser Gesellschaft auch die oben beschriebene Haltung gegenüber Jugendlichen vor. Das sind die Geschichten, die sich die Gesellschaft über die Jugend erzählt. Seit Ausschwitz, möchte man polemisch bei Adorno anlehnen, darf man in Deutschland die Jugend nicht mehr lachen lassen. Und vorher waren die Geschichten auch nicht besser. Höchstens intelligenter, wenn man an Goethe oder Dickens denke.
Jede Menge abweichendes Verhalten
Und da die Probleme der Jugend von Goethe und Dickens sich nicht immer 1:1 zu den Problemen der Jugendlichen unserer Gegenwart übersetzen lassen, schiene es angebracht, sich die Gegenwart näher zu betrachten. Sie funktioniert nicht wie auf dem Traumschiff und ihre Probleme sind way the fuck vielschichtiger als die der Drombuschs. Man betrachte dagegen die Familienbeziehungen in Awkward, Suborgatory, Louie und-an-dieser-Stelle-bleiben- nochmal-20-Serien-unerwähnt, bis hin zu Modern Family, einer der verblüffendsten, herzerwärmendsten und witzigsten Serien, yet.
![]() |
|
| Screenshot Trailer "Modern Family" |
Modern Family ist, ähnlich wie Soap- oder Trautes Heim in den 70ern, mit der Themenauswahl sehr zeitgemäß, ist jedoch keine Sitcom sondern eine Mokumentary. Das Familienoberhaupt ist Jay Pritchet, Ed "Al Bundy" O'Neil, diesmal nicht als armer Schuhverkäufer, sondern als reicher Rentner, der seit 6 Monaten mit der hübschen, aber viel jüngeren Kolumbianerin Gloria Delgado verheiratet ist, die Peggy in jeder Hinsicht Konkurrenz macht. Sie bringt ihren pausbäckigen Sohn Manny mit in die Ehe. Daneben gibt es Jays erwachsene Kinder mit ihren Familien. Zum einen die Tochter Claire, ein attraktiver, blonder Kontrollfreak, die ihrem tumben, aber sympathischen Ehemann Phil Dunphy und den drei Kindern das Leben zur Hölle macht; zum anderen den Sohn Mitchell, Anwalt, schwul, mit Partner und vietnamesischer Adoptivtochter. Sie alle zusammen machen die moderne Familie aus.
Die Qualität der Situationen und Dialoge kommt sehr an die Simpsons heran, stimmt aber viel versöhnlicher. Auch die verfahrensten Situationen finden hier eine Lösung, die eventuell nicht in den fundamentalchristlichen Verhaltenskodex eines Disney-Universums passen würde, aber zu Waffenniederlegungen und Umarmungen führen. Und zum Lachen. Humor bleibt immer ein Schritt zum Verständnis und damit zur Verständigung.
Wie oft passiert es Ihnen, dass Sie sich stehend vor dem Fernseher wiederfinden und applaudieren? Bei den hier erwähnten Serien passiert dies häufiger. Man pendelt zwischen Verblüffung und Vergnügen. Im deutschen Fernsehen hingegen ist ein Konflikt ein Konflikt ist ein Konflikt. Bis einer gewinnt. Weil alle starr dem Muster der Stereotypen folgen müssen, welche sie gerade darstellen.
In vielen ausländischen Produktionen lassen die Geschichten mehr Handlungsspielräume zu. Und in diesen kommt eine Menge abweichendes Verhalten vor. Wovon sich gelegentlich lernen lässt.
Was, so sollten wir beginnen uns zu fragen, haben wir für eine Kultur, in der wir die Altersgruppe derer, die sich in der Adoleszenz befinden, wegzensieren oder nur als Klischee auftauchen lassen?
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36414/1.html- Re: man, was waren wir froh, dass es keine Jugendsendungen gab (9.3.2012 14:01)
- Re: Wenn ich durch das deutsche Fernsehen schalte... (9.3.2012 13:58)
- Re: man, was waren wir froh, dass es keine Jugendsendungen gab (8.3.2012 15:52)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.








Assad: "Ich trete nicht zurück"
Der Mythos der Überbevölkerung
Apokalypse Kirchentag
Absoluter Rekord bei CO2-Emissionen
Bundeswehr im zunehmenden Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte