Pullacher Obersalzberg

17.02.2012

Der Umzug des BND wird auch durch den Denkmalschutz sehr viel teurer als anfangs versprochen

Bei manchen Umzügen kommen vergessene Vermögenswerte zutage: Schmuck, Münzen oder alte Briefmarkensammlungen. Beim Umzug des Bundesnachrichtendienstes (BND) von Pullach nach Berlin ist das anders. Er wird den Steuerzahler wahrscheinlich deutlich mehr als die 500 Millionen Euro kosten, die dafür anfangs veranschlagt wurden.

Das liegt nicht nur daran, dass der Neubau in Berlin (der eigentlich schon 2008 bezugsfertig sein sollte) trotz des Einsatzes von Schwarzarbeitern statt der versprochenen 500 Millionen Euro zwischen 1,3 und 2 Milliarden kosten wird, sondern auch daran, dass man nach Auskunft der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben im letzten Jahr 12,4 Hektar des ehemaligen Sitzes in Pullach unter Denkmalschutz stellte. Investoren können das Grundstück im teuren Münchner Süden nun nicht mehr so nutzen, wie es am profitabelsten wäre, was die anfangs kostendeckend veranschlagten 500 Millionen Euro Verkaufserlös erheblich drücken dürfte.

Als Erklärung für die wertmindernde Nutzungseinschränkung nennt das bayerische Landesamt für Denkmalpflege nicht die jahrzehntelange Unterbringung des westdeutschen Auslandsgeheimdienstes, sondern die Nazi-Vergangenheit der ehemaligen "Stabssiedlung", die "wegen ihrer Bewohner" eine "herausragende geschichtliche Bedeutung" begründe. Zwischen 1936 und 1940 hatte nämlich der damals für Rudolf Heß tätige Martin Bormann mit NSDAP-Parteigeldern ein damals als "kriegswichtig" und heute als "Denkmal" eingestuftes Ensemble errichten lassen, in der neben ihm selbst "weitere hochrangige Mitarbeiter des Stabes und damit der Verwaltung der NS-Diktatur" lebten. Neben dem ehemaligen Bormann-Wohnhaus gehören zu dem geschützten Bereich noch "23 Einfamilienhäuser und vier Doppelwohnhäuser für die Mitarbeiter im ehemaligen Stab des Stellvertreters des Führers und die Nebengebäude für Bedienste sowie für Kraftwagen".

Außerdem konstatiert man eine "architekturgeschichtliche Bedeutung", die unter anderem damit begründet wird, dass der NS-Reichsbaurat Roderich Fick die Siedlung "einheitlich" um einem "mächtigen Walmdachbau" mit einem darunterliegenden und als Führerhauptquartier geplanten Bunker herum gestaltete, der "architektonisches und machtpolitisches Zentrum der Wohnsiedlung" war. Darüber hinaus hebt die Denkmalliste hervor, dass eine "große Gärtnerei mit Gewächshäusern […] für das Konzept der Siedlung von besonderer Bedeutung" ist, weil sie für eine "biologisch-dynamische Bewirtschaftung" geplant wurde.

Angesichts der Bunkerbauten und der Vergangenheit der Siedlung hatte der ehemalige BND-Chef August Hanning (der den Umzug nach Berlin als "alternativlos" darstellte, weil der BND "näher an die Regierung heranrücken" müsse) öffentlich befürchtet, aus der "Martin-Bormann-Siedlung" könne eine Wallfahrtsstätte für Neonazis werden, und deshalb davon abgeraten, das Gelände unter Denkmalschutz zu stellen. Der damalige Vorsitzende des Landesdenkmalrats und heutige bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle, leitete trotzdem eine Prüfung ein, die dazu führte, dass man im letzten Jahr formell die "Denkmaleigenschaft" nach Artikel 1 Absätze 1, 2 und 3 des Denkmalschutzgesetzes feststellte.

Auf dem ebenfalls vom Architekten Roderich Fick geplanten und umfassend unterbunkerten Obersalzberggelände hatte man 2005 trotz seiner ehemaligen Bewohner ein Fünf-Sterne-Hotel errichtet, das Millionenverluste machte, die der Steuerzahler über die Skandalbank BayernLB ausgleichen muss. Und den Haidhauser Bürgerbräukeller, in dem Hitler regelmäßig redete und 1923 putschte, riss man 1979 ab und errichtete auf dem Grundstück unter anderem das neue Hauptquartier der Musikverwertungsgesellschaft GEMA. Warum diese beiden Orte umgestaltet wurden, die Bormann-Siedlung aber bleiben soll, ist vielen Bürgern ein Rätsel.

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