Vorbereitungen auf die Pleite Griechenlands?

18.02.2012

Die Spekulationen auf eine Griechenland-Pleite könnte Kleinanleger teuer zu stehen kommen

Der Schuldenschnitt für Griechenland tritt offensichtlich in eine entscheidende Phase. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Notenbanken der Euroländer tauschen ihre griechischen Staatsanleihen gegen neue Bonds ein, um am Schuldenschnitt nicht beteiligt zu werden. Die Berichte weisen darauf hin, dass der "freiwillige Schuldenschnitt" scheitert und damit könnten private Anleger zu einem Verzicht gezwungen werden, der deutlich über die 50% hinausgeht. Auch Kleinanleger, die sich am Zocken immer stärker beteiligen, könnten viel Geld verlieren.

Es kommt Bewegung in den Fall Griechenland. Es häufen sich die Berichte, dass die nationalen Notenbanken und die EZB ihre Griechenland-Anleihen gegen neue Bonds eintauschen. Berichtet wird von einer "technischen Operation", die zum Ziel hat, diese Anleihen vom geplanten Schuldenschnitt auszunehmen. Vieles deutet darauf hin, dass es nicht zum sogenannten freiwilligen Schuldenschnitt kommt, der eine Beteiligung von Banken, Versicherern und Fonds in einer Höhe von 50 Prozent vorsieht. Er war im vergangenen Oktober auf dem EU-Gipfel im Rahmen der Nothilfe 2.0 vereinbart.

Doch es ist längst klar, dass auch damit, trotz allerneuen Sparpläne, die geplanten Entschuldungsziele nicht erreicht werden. Längst kursieren Zahlen, dass die vorgesehene zweite Nothilfe von 130 Milliarden Euro bei weitem nicht ausreichen dürfte. Mindestens weitere 15 Milliarden für das Land würden nötig, um 2020 auf die immer noch enorme Verschuldung von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu kommen. Zur Erinnerung: Erst Ende 2009 ist, auch durch enorm steigende Zinsen, die Schuldenlast des Landes auf 129% angewachsen. Ein Jahr zuvor lag er mit 113% noch deutlich unter dem Niveau, das man mit den neuen "Rettungsmaßnahmen" nun 2020 erreichen will.

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Genau der Wert von 129% würde nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) aber 2020 herauskommen, wenn an den bisherigen Maßnahmen festgehalten wird. Längst zweifelt sogar der IWF, daran dass die eingeschlagenen Rettungsstrategie sinnvoll ist. Nachdem die Euro-Finanzminister eine Sondersitzung am Donnerstag abgesagt hatten, soll nun am kommenden Montag über das Gesamtpaket in Brüssel verhandelt werden. Wie man auf den vereinbarten Schuldenwert von 120% im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt (BIP) kommen will, ist dabei bisher noch immer fraglich.

Man muss sich nur vor Augen halten, dass die Verschuldung im Verhältnis zum BIP in Griechenland derzeit sogar weiter steigt, wenn das Land keine neuen Schulden machen würde. Da die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2011 um 7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum und damit sogar noch stärker als schon im Vorjahr abgestürzt ist, ist die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP allein dadurch enorm weiter angewachsen. Und auch die Prognosen sehen für 2012 erneut eine deutlich schrumpfende Wirtschaftsleistung vor.

Da sich die EZB und die nationalen Notenbanken nicht am Schuldenschnitt beteiligen wollen, müsste ein höherer Schuldenschnitt für Privatinvestoren her, Zinsen für bisherige Kredite müssten sinken und zudem müsste die Summe für das neue Nothilfepaket deutlich steigen, um bis 2020 auch nur auf eine Staatsverschuldung von 120 Prozent des BIP zu kommen. Doch dabei sollte allen klar sein, dass damit nichts gewonnen ist. Es wird erneut nur teuer Zeit erkauft. Ob man dieses Ziel allerdings erreichen kann, muss zudem stark bezweifelt werden.

Profitable Wetten auf die Griechenland-Pleite

Es ist schlicht absurd, auf diesem Weg angeblich zu versuchen, Griechenland zu retten. Doch weiter wird in Berlin die Rettung der eigenen Rettungspläne betrieben. So schält sich nun in den Verhandlungen heraus, dass Athen einen deutlich höheren Abschlag beim Schuldenschnitt erzwingen will. Der Bankenverband (IIF) hat wohl längst einen höheren Schuldenschnitt akzeptiert (EU-Gipfel stolpert erneut über Griechenland). Doch die Ausgangslage in den Gesprächen ist sehr unterschiedlich. Einige Hedgefonds wollen keinen höheren Schuldenschnitt , andere wollen gar keinen Schuldenschnitt akzeptieren.

Sie wetten vielmehr auf die Pleite des Landes und haben sich mit Staatsanleihen Griechenlands eingedeckt, die oft nur noch zu 40 Prozent des Nennwerts gehandelt werden. Dazu halten sie oft auch noch sogenannte Kreditausfallversicherungen - "Credit Default Swaps" (CDS). Die werden dann fällig, wenn die zugrunde liegenden Anleihen ausfallen. Doch es gibt diese CDS sogar als reines Spekulationsobjekt. Man kann damit bekanntlich auf eine Pleite wetten, ohne entsprechende Anleihen zu besitzen, die man angeblich über CDS absichern will. So wirft zum Beispiel der Luxemburger Parlamentarier Robert Goebbels den Hedgefonds vor, "sich gegen ein Abkommen zu wehren, um damit Kasse zu machen".

Goebbels hält es deshalb für eine "gerechte Strafe für die Spekulanten", wenn es keine Staatspleite gäbe. Tatsächlich gilt es als eine zentrale Schwierigkeit in den Verhandlungen, dass es eben nicht zum Auslösen dieser CDS kommt. Damit könnten wiederum Banken in Bedrängnis kommen, die dann die versicherten Summen auszahlen müssten. Doch viele Fonds haben sich gleich mehrfach abgesichert. Denn ein gutes Geschäft machen sie auch dann noch, wenn der Schuldenschnitt nur 50% ausmacht. Hat man die Papiere für 40% oder weniger des Nennwerts gekauft, bleibt noch immer ein guter Gewinn übrig.

Kommt es nun aber zu einer zwanghaften Umschuldung, weil nicht genug Anleger beim privaten Schuldenschnitt mitziehen, dann dürfte der Schuldenschnitt deutlich höher ausfallen, um die angestrebten Verschuldungsziele zu erreichen. Möglich ist das zum Beispiel, indem nachträgliche Umschuldungsregeln in die Anleihen eingebaut werden. Eine Minderheit von Anlegern könnte dann durch eine Mehrheit zum Forderungsverzicht gezwungen werden. Diese Collective Action Clauses (CAC) könnten nachträglich einfügt werden, um einen größeren Schuldenschnitt zu erhalten.

Beuteln könnte das vor allem Kleinanleger, die sich offensichtlich in immer größerer Zahl an den Wetten auf die Griechenland-Pleite beteiligen. So hatte die Financial Times Deutschland (FTD) in dieser Woche berichtet, dass an der Stuttgarter Börse, "wo sich Kleinanleger besonders gern tummeln", derzeit besonders auf Griechenland gewettet wird. Das riskante Spiel, bei dem Anleger im Fall eines Staatsbankrotts ihren gesamten Einsatz verlieren können, stößt offenbar auf viele Zocker. Im Ranking der "fünf am häufigsten gehandelten Staatsanleihen aus dem Euro-Raum" tauchen "drei Athen-Bonds" auf , auch beim Umsatz seien es drei von fünf gewesen.

Eine andere Form der Wette für Kleinanleger bietet zum Beispiel auch die Schweizer Großbank UBS an. Über sogenannte "Credit Default Warrants" (CDW), ebenfalls eine Art Versicherung für Staatsanleihen von Problemländern wie Griechenland, Portugal und Irland, kann mit den möglichen Länderpleiten spekuliert werden. Bei CDW handelt es sich um Derivate, mit denen wiederum gehandelt wird. Sie steigen sofort an, wenn sich die Gefahren einer Staatspleite wie im Fall Griechenlands erhöhen. Mit einer entsprechenden Hebelwirkung seien enorme Gewinne über die hoch spekulativen Papiere zu machen.

Der schweizerische Tages Anzeiger schon im Januar vom "aktuell wohl heißesten Produkt" gesprochen, das auch für Kleinanleger zugänglich ist. Berichtet wurde, dass zum Beispiel die CDW auf fünfjährige italienische Staatsanleihen in nur drei Monaten um fast 100% gestiegen seien. Zuvor waren die Zweifel stärker geworden, dass auch das hoch verschuldete Euroland in den Abgrund gerissen wird. Die Zinsen für italienische Staatsanleihen waren über die Absturzmarke von 7% gestiegen und UBS-Kunden konnten damit kräftig Kasse machen.

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