Neandertaler: Ausgesext oder genetisch von selbst eingegangen?

29.02.2012

Warum die Neandertaler ausgestorben sind, beschäftigt die Forschung weiterhin, die zu sehr unterschiedlichen Antworten kommt

Viele Geschichten werden darüber erzählt, warum die engsten Verwandten des Menschen, die Neandertaler, ausgestorben sind. Zwar haben sich Menschen und Neandertaler vielleicht schon vor einer halben Million Jahren unabhängig voneinander entwickelt, aber sie haben vor 50.000 zumindest für eine kurze Zeit nebeneinander in Europa gelebt.

Es ist die übliche Geschichte. Die Neandertaler als Ureinwohner, die seit langer Zeit im kalten Europa lebten, wurden mit den Migranten konfrontiert, die aus Afrika einwanderten. Zunächst wurde angenommen, dass die Neandertaler dem Homo sapiens sapiens weit unterlegen waren. Inzwischen geht man davon aus, dass dies keineswegs der Fall ist, sondern er vermutlich auch sprechen konnte, im Werkzeuggebrauch erst einmal den Menschen nicht nachstand, er seine Toten beerdigte und kultische Feiern praktizierte, sich schmückte und schminkte etc. (Großes Gehirn und intelligenter als gedacht).

Nachdem Gene des Neandertalers im Genom der Menschen gefunden wurden, besteht die Vermutung, dass sich beide sexuell vergnügt haben könnten (Liebesgrüße vom Neandertaler). Spektakulär waren immer die Vermutungen, dass die Menschen den ersten Genozid vor 50.000 oder 40.000 Jahren begangen und die Neandertaler systematisch ausgerottet haben. Meist ging man davon aus, dass sie halt doch dem Menschen unterlegen waren und beiseite gedrängt wurden. So wird etwa die These vertreten, dass die Menschen schlicht fortpflanzungsfreudiger waren, daher in größeren Gruppen lebten, die knappen Ressourcen stärker ausbeuteten und so die Neandertaler immer mehr an den Rand drängten (Haben die Menschen allein durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit die Neandertaler verdrängt?). Die Argumentation kennt man auch von Ausländerfeinden, die gerne meinen, dass die geburtenfreudigen Migranten die Einheimischen zur Minderheit machen.

Den vielen mehr oder weniger exotischen und spekulativen Hypothesen haben nun Michael Barton von der Arizona State University und Julien Riel-Salvatore von der University of Colorado Denver eine weitere Version hinzugefügt. Sie gehen, wie sie in Advances in Complex Systems schreiben wie andere Forscher davon aus, dass sich Menschen und Neandertaler schon viele Jahrtausende vor dem Aussterben der letzteren vermischt haben. Nach ihren Computermodellen, denen sie archäologische und genetische Daten zugrundelegten, um die genetischen und kulturellen Veränderungen zu erfassen, die vor 120.000 Jahren begannen, würden sich die Populationen vermischt haben. Die Neandertaler wären durch Hybridisierung ausgestorben, wie man dies auch von anderen Arten kennt. Normalerweise stirbt die kleinere Population aus, die überlebende führt aber die Erbschaft in Form von Genen mit sich.

Selbst wenn es starke Barrieren für die sexuelle Vermischung der Populationen gegeben haben sollte, würde nach den Computersimulationen dasselbe Ergebnis zustande kommen, sofern das Tabu nicht fast hundertprozentig eingehalten wird. Ansonsten seien beide Populationen kulturell ähnlich gewesen. Die Menschen seien als Jäger und Sammler nicht besser gewesen

Spanische und schwedische Wissenschaftler sind hingegen aufgrund von Genanalysen der Meinung, dass sich zwischen Menschen und Neandertalern keine große Romanze oder Katastrophe abgespielt hat. Die meisten Neandertaler, so schreiben sie in ihrer Studie, die in Molecular Biology and Evolution veröffentlicht wurde, seien schon vor der Begegnung mit den Menschen vor 50.000 Jahren ausgestorben. Dann sei es zu einer kurzfristigen Neukolonisierung von Zentral- und Westeuropa gekommen, wo sie noch einmal 10.000 Jahre lebten, aber wieder verschwanden, bevor die Menschen einwanderten.

Vermutlich seien die Neandertaler gegenüber klimatischen Veränderungen empfindlicher gewesen, vermuten sie, da die Genvariationen der europäischen Neandertaler in den letzten 10.000 Jahren der Existenz extrem gering gewesen sei, während die der älteren Neandertaler und die derjenigen, die in Asien gelebt haben, deutlich größer war.

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