Frauen machen weniger Fehler...

05.03.2012

...weswegen Unternehmen mehr Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat holen sollten - Viviane Reding erwägt eine Frauenquote in der EU

Vor einem Jahr kündigte die EU-Kommissarin Viviane Reding an, dass sie ein "EU-Rechtsinstrument zur Einführung von Frauenquoten in Aufsichtsräten auf den Weg bringen" werde, falls die Unternehmen in der Frage bis Ende 2011 keine selbstregulierenden Initiativen entwickeln würden. Als Ziele hatte sie ausgegeben, dass "bis 2015 30% und bis 2020 40% der Aufsichtsräte der börsennotierten Unternehmen auf Europas Binnenmarkt weiblich sind". Ein Jahr später zeigen die aktuellen EU-Zahlen, dass die Unternehmen weit von solchen Zielen entfernt sind. Nun erwägt Reding deutlich vernehmbar in Pressemitteilungen und in zahlreichen Interviews die Einführung einer Frauenquote: "Ich bin persönlich kein großer Befürworter von Quoten. Aber ich schätze ihre Ergebnisse."

Gemeint sind die Ergebnisse der Länder, in denen eine Frauenquote in Führungspositionen gesetzlich eingeführt wurde. Zum Beispiel Frankreich, wo der Anteil der Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten von 12,3 Prozent im Oktober 2010 innerhalb eines Jahres auf 21,6 Prtozent gestiegen ist. Oder die Niederlande, wo der Anteil von 14,9 im Oktober 2010 auf 18, 5 im Januar 2012 gestiegen ist[1].

Dem stellt die EU-Kommission die gesamteuropäische Entwicklung gegenüber:

Von sieben Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitgliedern führender europäischer Unternehmen ist nur eins weiblich (13,7 %). Das bedeutet eine leichte Verbesserung gegenüber 2010 (11,8 %). Bei dieser Geschwindigkeit würde es allerdings noch immer 40 Jahre dauern, bis ein signifikantes, ausgewogenes Geschlechterverhältnis (Mindestanteil von 40 % Frauen bzw. Männern) herrscht.

In Interviews mit mehreren deutschen Medien macht Reding keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung über die Zurückhaltung der deutschen Unternehmer. Unter den 24 Unterzeichnern ihres Aufrufs zur freiwilligen Selbstverpflichtung - Women on the Board Pledge for Europe -, den sie vor einem Jahr gestartet hat, sei kein einziges deutsches Unternehmen. Sie habe aus Deutschland nur vage Zusagen bekommen, so Reding.

Deutschland liegt mit einem Frauenanteil von 15,6 Prozent (Januar 2012) an Aufsichtsrats-oder Vorstandsmitgliedern in den größten börsennotierten Unternehmen im Mittelfeld. Spitzenwerte haben Finnland (27,1 %), Lettland (25,9 %) und Schweden (25,2%)[2].

"Wir können es uns nicht mehr erlauben, auf das weibliche Talent zu verzichten", so Reding. Zitiert werden Untersuchungen etwa von McKinsey, die darauf verweisen würden, dass ein "ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Spitzenpositionen nachweislich zu besserer Unternehmensleistung und wirtschaftlichem Gewinn betragen" würde.

Frauen stellen mehr Fragen und sind weniger bereit zu unkontrollierten Risiken. Und deshalb machen eben diese Unternehmen weniger Fehler

Laut einem McKinsey-Bericht, den Reding zitiert, erzielen Unternehmen mit einer ausgewogenen Beteiligung von Männern und Frauen einen 56 % höheren Betriebsgewinn als rein männlich besetzte Unternehmen. Auch eine Studie von Ernst & Young, die von der EU-Kommission herausgehoben wird, der 290 größten börsennotierten Unternehmen fand heraus, dass Unternehmen mit mindestens einer Frau im Führungsgremium einen bedeutend höheren Gewinn verzeichneten als Unternehmen ohne Frauen in der Chefetage.

Reding erklärt die positiven Studienergebnisse damit, dass Frauen weniger Fehler machen:

Frauen stellen mehr Fragen und sind weniger bereit zu unkontrollierten Risiken. Und deshalb machen eben diese Unternehmen weniger Fehler, verlieren also weniger Geld. Frauen treffen auch in der Gesellschaft allgemein, 80 Prozent der Kaufentscheidungen werden von Frauen getroffen. Es ist also normal, dass Frauen im Betrieb auch diese Sensibilität haben, wie man das Produkt besser an den Markt heranbringt. Also, es gibt schon sehr viele objektive Argumente, weshalb Frauen zusammen mit den Männern - wir sagen ja jetzt nicht, dass Frauen Männer ersetzen sollen in globo, nein! -, aber dieses Gleichgewicht zwischen der weiblichen Sensibilität und der männlichen Sensibilität, das schafft eben die positiven Ergebnisse.

Reding will nun den Druck auf die Unternehmen erhöhen. Ab heute bis Ende Mai gibt es eine öffentliche Konsultation. Man wolle Stellungnahmen einholen, mit welchen Maßnahmen ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis in den Führungsetagen herzustellen sei. Danach werde die EU-Kommission Maßnahmen beschließen. Die "gläserne Decke" müsse gebrochen werden, gibt Reding vor.

You can count on my regulatory creativity.

Eine EU-Richtline wäre auch für Deutschland bindend. Bislang hält Familienministerin Kristina Schröder (CDU) an ihrem Kurs fest, der ohne Quote auskommt.

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