Mit allen Wassern ungewaschen

Kabarettist Joachim Gauck kandidiert als Bundespräsident

Der politische Kabarettist Joachim Gauck bewirbt sich derzeit für das höchste Staatsamt. Nachdem der talentierte Satiriker, der für sein Programm "Freiheit" euphorische Kritiken bekam, bereits Stasi-Chef Erich Mielke beerbte hatte, will er nun auch Erich Honecker nachfolgen, dessen Foto einst die ostdeutschen Amtsstuben zierte. Die neue Figur des vielseitigen Künstlers als "oberster Dienstherr" beweist einen feinsinnigen Humor, hatte doch Gauck früher ausgerechnet die Obrigkeit prinzipiell abgelehnt. In den zwei Jahrzehnten der deutschen Einheit glänzte der wandlungsfähige Gauck in kontrastreichen Rollen, die nun in einem Feuerwerk der guten Laune Revue passieren möchten.

"Der einsitzende Fastenprediger"

Joachim Gauck startete seine Bühnenkarriere in der DDR zunächst nicht als politischer Kabarettist, sondern als Comedian. In Rostock debütierte der Künstler, der sich heute insbesondere die "Freiheit" auf die Buchfahne schreibt, in der satirischen Rolle eines protestantischen Pfarrers. Mit dieser Figur bewies Gauck großen Sinn für Ironie, denn Freiheit hat im Christentum nun einmal keine nennenswerte Tradition. Im Gegenteil stützte das Christentum jahrhundertelang Leibeigenschaft, Sklavenwesen, Monarchie, Unterdrückung der Frau, Zensur, Wissenschaftsfeindlichkeit, religiöse und weltanschauliche Intoleranz und jegliche Unterordnung des Individuums gegenüber Mächtigen. Wer Gerechtigkeit im Diesseits suchte, wurde von gut betuchten Pfaffen auf das Jenseits vertröstet. Kleriker allerdings genossen stets gewisse Freiheiten, insbesondere ökonomische - auch in der DDR, als deren "Insasse" sich der nie inhaftierte Gauck stilisiert.

Für Scharade bewies Gauck durchaus Begabung: Seinen Glauben bezeichnete der Theologe nicht ohne Chuzpe als "Wahrheit", obwohl die Nachrichtenlage über Begebenheiten, die mehr als 2.000 Jahre zurückliegen, vergleichsweise schwach ausfällt. Das vor Glauben schützende Wissen wurde bis vor wenigen Jahrhunderten nahezu vollständig von den Kirchen kontrolliert - dem Monopol an Herrschaftswissen einer Stasi-Unterlagenbehörde insoweit nicht unähnlich.

Gaucks Rolle als einfacher Pfarrer reichte dem unterforderten Komödianten jedoch nicht, vielmehr stieg er in der Hierarchie auf und brachte es zum Leiter des evangelischen DDR-Kirchentags. Während böse Zungen Gauck eine Stasi-Kooperation andichteten, hatte der Gottesmann, soweit bekannt, insoweit im Großen und Ganzen die Hygiene gewahrt, lediglich für den Kirchentag hatte er sich eher diplomatisch mit dem MfS koordiniert. Gegen Geheimdienste, die den politischen Gegner bespitzeln, hat Gauck grundsätzlich jedoch nichts einzuwenden und findet nichts dabei, wenn der Verfassungsschutz demokratisch gewählten Bundestagsabgeordneten hinterher spioniert.

"Der Bürgerrechtler"

Eine neue Rolle Gaucks war die eines "Freiheitskämpfers" - die allerdings erst zur Aufführung gelangte, als die Messe schon gelesen war. Zwar hatte der Pfarrer durchaus ab und an ein deftiges Wort zur Staatsführung fallen lassen, was unter dem Schutzmantel der Kirche nur begrenzt als Heldentat durchgeht. In den wirklich Regime-kritischen Gruppierungen etwa der 80er Jahre jedenfalls war der Freiheitskämpfer" nie gesehen worden. Und das war wohl auch ganz gut so, denn diese Leute mussten konspirativ kommunizieren, was Gauck bekanntlich ein Gräuel ist. Auch das MfS, das den DDR-Kirchenapparat durchsetzt hatte, ging 1989 nicht von ernsthaften Karriereambitionen des Kabarettisten aus. Die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, die für ihre Überzeugung zweimal den Stasi-Knast Hohenschönhausen absolvierte und das Neue Forum gründete, hielt von den Kirchenleuten in der DDR rückblickend nicht allzu viel, fühlte sich vom damaligen evangelischen Kirchenfürsten Stolpe und ihrem damaligen Anwalt Gysi, Sohn des Staatssekretärs für Kirchenfragen, sogar verraten. Wenn es drauf ankam, so war mit der Kirche wohl kein Staat (kaputt) zu machen.

Prediger Gauck bewies einen so großen Humor, dass er im Oktober 1989 diejenigen, welche aus der DDR geflüchtet waren, als "Hoffnungslose" bezeichnete, und plädierte staatstragend für ein Bleiben im Arbeiter- und Bauernstaat. Wenn Gauck demnächst als Präsident den Mauertoten gedenkt, werden ihm die Redenschreiber vermutlich andere Worte empfehlen. Während die "Hoffnungslosen" den Mut bewiesen, ihre Heimat und Existenz aufzugeben und Strafe riskierten, legte der Pfarrer brav die Hände in den Schoß, in den ihm so manches fallen sollte. Stattdessen predigte der Mann mit Sinn für beißende Ironie während des Mauerfalles ausgerechnet vom Propheten Amos, der das Verhalten von Großgrundbesitzern gegen abhängig arbeitende Arme, Verschwendung, Betrug, Heuchelei, Bestechung, Ungerechtigkeit und Unterdrückung gegenüber den Armen kritisierte. Ähnliches hatte man von den Kommunisten gehört, die Gauck so sehr hasste. Die Vorstellung, Gauck hätte später seinen reichen amerikanischen Freunden auch vom Propheten Amos gepredigt, strapaziert die Fantasie selbst hartgesottener Kenner grotesken Kabaretts.

Karrieredurchbruch

Im Oktober 1989 also hatte Kirchenfürst Gauck gerade noch rechtzeitig zum schließlich 200.000 Mitglieder zählenden "Neuen Forum" gefunden, bevor im November die Mauer fiel. Der Kabarettist hat die friedliche Revolution weder initiiert, noch getragen - sondern im Gegenteil sogar beendet. Bevor Pfarrer Gauck wieder in der Bedeutungslosigkeit eines regionalen Kabarettisten verschwand, setzte er sich im rechten Zeitpunkt auf den Saum des Mantels der Geschichte und schleifte über einen Listenplatz des Neuen Forums in die Volkskammer. Schon früh interessierte sich der Opportunist für den wohl wertvollsten Schatz, den Ost-Berlin zu bieten hatte: das Stasi-Archiv, das neben Spitzelberichten über die DDR-Bürger und deren Bereitschaft zur Denunziation vor allem ein gigantisches Wissen über westliche Politiker, Wirtschaft und Geheimdienste bot. Allenfalls im Geheimarchiv des Vatikans dürften brisantere Geheimnisse schlummern. Ehrensache, dass der protestantische Kirchenmann zur Konkurrenz aufschloss und sich zum Gatekeeper und Man-In-The-Middle der mächtigen Datenbank des laizistischen Ex-Staats bestellen ließ. Für diese neue Aufgabe legte Gauck nicht nur die Rolle als Volkskammer- bzw. Bundestagsabgeordneter ad acta, er nahm sich auch die Freiheit, seine überflüssig gewordene Figur des "Herrn Pfarrer" aus dem Programm zu streichen, denn die Kirche hatte als Sprungbrett ihre Schuldigkeit getan.

"Gauck-Behörde"

Wegen Gaucks neuer hauptberuflicher Tätigkeit als weltlicher Beamter ließ er seine künstlerische Karriere vorerst ruhen. In den Vereinigungsjahren saß der Mielke-Erbe auf dem gigantischen Schatz des Ministeriums für Staatssicherheit. Der einzigartige Zugang zu Kompromat für Ost und West bot dem Kabarettisten einen breiten Fundus für künftige Programme. Während in der Öffentlichkeit sich die Politiker beider Staaten mehr oder weniger diplomatisch annäherten, liefen hinter den Kulissen auf dem Parkett der Geheimdienste lange vor der Vereinigung die erstaunlichsten Kuhhändel. Was die Stasi über die DDR-Bürger wusste, war nur mehr insoweit von Belang, als dass DDR-Bürger durch Kompromat an politischer Karriere gehindert waren - wie es der Verfassungsschutz es schon immer im Westen praktizierte, wenn er jemanden kommunistischer Gesinnung verdächtigte. Nur wenigen ostdeutschen Politikern gelang mehr als ein Gastspiel. Am heutigen Kabinettstisch begrüßt Kanzlerin Merkel, deren Stasi-Akte nicht zugänglich ist, ausschließlich westliche Bundesminister. Gerade einmal drei ostdeutsche Staatssekretäre dürfen noch dort Platz nehmen, von denen auch nur einer beim Mauerfall mehr als 19 Lenze zählte.

Politisch ungleich wertvoller jedoch waren die Erkenntnisse der Ostspione über die westlichen Politiker und Strippenzieher, deren Telefone sie rund um die Uhr abhörten. Die westliche Elite hatte nach der Wende ein existenzielles Interesse an der Vertuschung ihrer Leichen im Keller; Ost-Spione mit entsprechend wertvollem Insiderwissen, die ihr Schweigen anboten, erfreuten sich eines unangetasteten Lebensabends. Insbesondere waren in den 80er Jahren erstaunliche Geschäfte zwischen ost- und westdeutschen Spitzenpolitikern und ihren Spezis gelaufen, die etwa ausgerechnet Franz-Joseph Strauß betrafen und aus Gründen der Staatsräson nicht zu interessieren hatten. Als weiterer Name wäre Uwe Barschel zu nennen, der mindestens 19 ominöse Reisen mit MfS-Abdeckung in den Osten unternahm und sich im Stasi-Hotel Neptun zu vergnügen pflegte. Die Anfrage von Staatsanwalt Heinrich Wille, der den Barschel-Mord aufklären wollte, wurde von Gauck abschlägig beschieden. Auch die Akte des obersten Staatslenkers Helmuth Kohl, die Gaucks Nachfolgerin vergeblich freigeben wollte, wird Kohls Historiker-Kollegen wohl weitgehend verschlossen bleiben. Ebenso wie die "Akte Erika", die von einer Pfarrerstochter aus der Uckermark künden soll.

Zwar hatte Gauck die Beschaffung der Stasi-Geheimnisse weder beauftragt, noch hatte er sich am unappetitlichen Beschnüffeln selbst die Hände schmutzig gemacht, doch steht der wendige Entertainer den Methoden der Schlapphüte nicht wirklich fern. So befürwortet Gauck die anlasslose Vorratsdatenspeicherung, die gravierender in die Kommunikationsfreiheit eingreift, als dies die Stasi es sich mit ihren Tonbändern und Papierkarteien auch nur hätte erträumen können. Gegen politische Geheimdienste hat er nichts Grundsätzliches einzuwenden - wenn es die seinen sind.

"Mein Name ist Gauck, ich weiß von nichts"

In den Stasi-Unterlagen hatten sich die amerikanischen Freunde von der CIA üppig bedient, während Bürgerrechtler die Zentrale in der Normannenstraße gestürmt und die Vernichtung von Beweismitteln verhindert hatten. Doch der größte Teil dunkler Geheimnisse, deren Kontrolle die USA vehement begehrte, blieb erhalten. Am meisten fuchsten CIA und NSA die Erkenntnisse, die sie selbst durch die Abhörstation auf dem Berliner Teufelsberg gewonnen hatte, jedoch durch einen Agenten eine Zweitverwertung des MfS erfuhren. Dies war umso peinlicher, weil die USA nicht nur die DDR, sondern auch noch gleich ganz Westberlin abschnorchelten, ohne jede Scham sogar Wohnungen von Westpolitikern verwanzten. Dies geschah übrigens völlig legal, da die USA in Westberlin das Besatzungsstatut hatten und von Rechts wegen jeden Zentimeter abhören durften. (In Westdeutschland tat man es halt illegal.) Die USA machten Druck, der Besitz der (selbst gestohlenen) Informationen sei völkerrechtswidrig, alles ist nun einmal relativ. Im Sommer 1992 eskortierten Bundesgrenzschützer eine Lieferung in Stahlcontainern verfrachteter Stasi-Akten nach Washington, der Schatz war weg. Wer für diesen filmreifen Abtransport verantwortlich zeichnete, ist unbekannt. Gauck bestreitet jegliche Verantwortung. Seine rechte Hand, ein gewisser Hansjörg Geiger, vermochte sich "nicht zu erinnern". Der Hausmeister wird es dann wohl angeordnet haben, dass man am Stasiunterlagengesetz vorbei den Amerikanern gefällig war.

Die Gedächtnislücke schadete Geiger nicht. Im Gegenteil wechselte er nach seinem Ausscheiden aus Gaucks Stasi-Friedhof zur lebenden, informationsbeschaffenden Konkurrenz: Zunächst wurde Geiger Präsident des politischen Inlandsgeheimdienstes Verfassungsschutz, der ähnlich der Stasi seine Bürger mit Spitzeln und Abhörtechnik auf ihre Gesinnung beschnüffelt, um etwa Kriegsdienstverweigerern den Zugang zum Lehramt zu sabotieren oder Atomkraftgegner zu Staatsfeinden zu stigmatisieren. Anschließend brachte es Geiger zum Präsidenten von Deutschlands unheimlichster Behörde BND, wo seine Schlapphüte während Geigers Amtszeit im Inland Journalisten bis in die Sauna beschatteten. Auf Geiger konnte man zählen.

Was in Gaucks Behörde in diesen Jahren unter der Hand lief und wem er gefällig war, wird man wohl nie erfahren. Man kann sich jedoch einen Reim auf Gaucks Freigiebigkeit oder Verschwiegenheit machen, blickt man auf seine Freunde, die ihn später feierten und nun das höchste Staatsamt andienen.

"Krawallrentner Gaucksky"

Nachdem Gaucks innerdeutschem Gastspiel als Verwaltungsbeamter knüpfte er wieder an seine Entertainer-Karriere an. Der WDR gab ihm 2001 eine Talkshow "Joachim Gauck", in der er seine Freunde interviewen durfte, die jedoch im selben Jahr wieder eingestellt wurde. Danach heuerte er es als Alleinunterhalter auf einem deutsch-amerikanischen Kreuzfahrtschiff an, wo er einen Logenplatz auf der Brücke bekam: Die "Atlantik Brücke" ist ein vom streitbaren US-Militär John McCloy gegründeter konservativer Lobby-Dampfer für Wirtschaftsbosse, Hochfinanz, Politiker und Edelfedern, um Einfluss auf ausländische Eliten zu nehmen. Im Kreise derjenigen, die etwa Menschenfreunde wie Henry Kissinger, George W. Bush und Condoleeza Rice Ehrenpreise zuerkannten, fühlte Gauck sich wohl. Wer auf der Atlantikbrücke als Passagier akzeptiert wird, braucht sich um seine Karriere in der Deutschland AG keine Sorgen zu machen. Die Regel bestätigen lediglich zwei Ausnahmen: Kanzler in spe Uwe Barschel (Badewanne) - und Bundespräsident a.D. Christian Wulff (Bobbycar).

Den Stasi-Grabpfleger, der das Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen als Mahnmal gegen Unmenschlichkeit ehrt, scheinen CIA-Folterknästen wie Abu Ghuraib nicht zu irritieren. Auch mit dem grotesken Ausmaß der US-Geheimdienste, deren Personalstärke an MfS-Zeiten erinnert, scheint Geheimdienstkenner Gauck kein Problem zu haben. Während den Mauerschützen der Prozess gemacht wurde, ist eine juristische Aufarbeitung von CIA-Verbrechen wie etwa der Operation Phönix bislang nicht beobachtet worden. Es ist natürlich infam, patriotische US-Amerikaner mit DDR-Mauerschützen zu vergleichen, denn diese würden niemals eine Grenze mit der Schusswaffe durchsetzen - sieht man einmal von der amerikanisch-mexikanischen Grenze ab, an der jährlich mehr Menschen sterben, als die DDR-Grenztruppen in ihrer gesamten Existenz niederstreckten. Aber die USA schießen ja für die "Freiheit", das ist natürlich etwas ganz anderes.

Während Kabarettisten sonst eher als "links" gelten, gefiel es Gauck bei seinen konservativen Freunden so sehr, dass er sich zu Vorträgen u.a. im Studienzentrum Weikersheim einladen ließ, dessen Gastgeber bekanntlich als Marinerichter in den letzten Kriegstagen noch Todesurteile an Deserteuren vollstrecken ließ. Wer einmal mit Dr. Kissinger gekuschelt hat, kann schwerlich Berührungsängste haben.

Außer vielleicht, wenn Menschen die falsche Religion haben. Hatten Gaucks Vorgänger präsidential das Volk zu einen versucht und die Religionsfreiheit geehrt, wird der kirchliche Kabarettist nicht müde, den Islam als "fremd" zu bezeichnen, spricht sogar bewusst von "Überfremden". Gaucks Kollege Friedrich II., König von Preußen, hatte im 18. Jahrhundert den Türken sogar angeboten, für sie Moscheen in Berlin zu bauen. Auch Gaucks glückloser Amtsvorgänger Wulff hatte den Islam als zu Deutschland gehörend bezeichnet - und musste ein gutes Jahr später das Schloss räumen, nachdem seine konservativen Freunde ihn hatten fallen lassen.

Erfrischend ist Gaucks vehementes Bekenntnis zum Kapitalismus, der als einziger funktionierende Sozialsysteme hervorgebracht habe, die der ganzen Bevölkerung zugutekämen. Vergleicht man den Lebensstandard der DDR-Bürger mit dem von US-Amerikanern, die bis heute nicht einmal ein Gesundheitssystem, dafür aber eine grotesk hohe Kriminalitätsrate haben, bedarf es schon einer Extraportion schwarzen Humors, um mit Gauck zu lachen.

"Soldatenpfarrer Gauckleben"

Wie Zivilist Gauck zu seiner Paraderolle eines Bellizisten fand, ist unklar. Die DDR, in der Gauck sozialisiert wurde, hatte ihre Söhne nie ins Feld geschickt, sondern permanent das Grauen des Zweiten Weltkriegs angeprangert, sowie dessen Täter konsequenter verfolgt, als dies in der "freien Welt" üblich war. Die NVA-Generäle verweigerten sich sogar Honeckers Befehl eines Einsatzes im Inneren - eine Forderung, die in Gaucks Freundeskreis für etwas Normales gehalten wird.

Die mosaischen Gebote "Du sollst nicht töten!" und "Du sollst kein falsches Zeugnis geben!" irritierten den Gottesmann nicht, als er den Afghanistankrieg segnete, der inzwischen länger dauert als der gesamte Zweite Weltkrieg. Allein Bundeswehr-Oberst Klein löschte 142 zivile Menschenleben auf einen Streich aus - und tötete damit mehr Menschen als die Grenztruppen der DDR in vier Jahrzehnten, was nur ein Disziplinarverfahren zur Folge hatte - eingestellt, versteht sich. 59 Bundeswehrsoldaten "opferten" in Afghanistan ihr Leben für - ja, für was eigentlich genau? Die Freiheit? Wie viele Menschen in Afghanistan durch deutsche Hände starben, ist unbekannt.

Soldatenpfarrer Gauckleben verurteilt auch WikiLeaks als elementaren Verlust von Recht, denn dort hantiere man ja mit gestohlenen Informationen - wie man es Gauck-Behörde tat. Freiheit scheint wohl eher eine subjektive Angelegenheit zu sein.

"Präsident Gauck"

Zu den Figuren, die sich in den Satire-Sendungen die Klinke in die Hand geben, reiht sich nun auch ein waschechter, wenn auch gelegentlich ungewaschener "Präsident" ein. Von Redner Gauck, der sich ungern in Diplomatie übt, ist eine unterhaltsame Amtszeit zu erwarten. Wie es der Künstler in der DDR gewohnt war, darf er auf einen eindeutigen Wahlsieg hoffen und wird seiner Mitbewerberin Beate Klarsfeld gönnerhaft die Hand reichen. Sie hätte dann die letzte Chance zu einer weiteren historischen Ohrfeige, bevor der Kabarettist vereidigt und damit vor "Verunglimpfung des Bundespräsidenten" besonders gefeit ist.

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