Venture Capital 2.0

27.03.2012

Business Crowdfunding bei Startups boomt

Die Crowdfunding-Plattform seedmatch hat kürzlich binnen weniger Stunden zwei Projekte im "Live Crowdfunding" erfolgreich finanziert. Die easyCARD Insurance GmbH hat in nur 87 Minuten 100.000 Euro eingesammelt. Auch die amerikanische Plattform kickstarter passierte jüngst gleich dreimal die Millionenmarke. Welche Chancen stecken hinter dem neuen Trend, um gerade kleine oder mittelständische Unternehmen zu finanzieren?

In weniger als vier Stunden sammelte das junge Unternehmen SugarShape 100.000 Euro auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch ein. Der Online-Shop hat sich auf elegante Dessous für Frauen mit großer Oberweite und schmalem Körper spezialisiert.

In der Idee wittern offenbar nicht nur die Gründer ein großes Potential. Das Besondere: Die Kundinnen reden bei Kollektionsauswahl und Messsystem mit, um die richtige BH-Größe herauszufinden. Vom Erfolg überzeugt waren offenbar auch insgesamt 179 private Investoren, die per Mausklick den virtuellen Scheck kurzerhand überwiesen.

Nach einer zunächst längeren Anlaufphase hat die Plattform seedmatch inzwischen eine weitere Hürde übersprungen: Mehr als 500.000 Euro sind seit dem Start von Seedmatch im August 2011 von Privatpersonen für sechs Startups zusammengetragen worden. Was bislang dem künstlerischen und kreativen Sektor vorbehalten war, scheint nun auch die Welt der Unternehmensfinanzierung zu erobern.

Fest steht, bringt ein Startup eine Idee plus der entsprechenden Community gleich mit ein, die möglichst viele in ihren Bann zieht, dann lässt sich binnen weniger Stunden eine erkleckliche Summe einsammeln. So konnte seedmatch binnen fünfeinhalb Stunden im Februar noch ein weiteres Startup mit 100.000 Euro finanzieren, und zwar lingoking, ein Unternehmen, das sich auf die Vermittlung von telefonischen Live-Konferenzdolmetschern spezialisiert hat.

Dynamischer, aber wenig durchlässiger Markt

Nicht schön reden sollte man allerdings, dass nicht jedes x-beliebige Unternehmen in den Genuss einer derartigen "Sofort-Finanzierung 2.0" kommen kann. Denn auch dieser neue Markt arbeitet ähnlich wie die klassische Finanzbranche hoch selektiv. Nur jene Ideen mit dem größten Sex Appeal, sprich Anziehungskraft für eine breitere Masse, begutachtet die Community in der Regel mit einer dynamischen Wachstumsspritze.

Für die übrigen Startups, oftmals auch jene mit durchaus größerem Potential und einer bodenständigen Geschäftsidee, bleibt nur die Losung: Klinken putzen, nicht selten über mehrere Jahre hinweg. Deshalb gilt es, die selektive Struktur des Business-Crowdfundings genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gerade kleinere und risikoreiche Investitionen versprechen oftmals nur geringe Margen. In der Regel ist bei dem Kunstbegriff Crowdfunding eine Aktion durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Masse fremdfinanziert sein muss, bevor die Aktion startet.

Im Verhältnis zur Mindestkapitalmenge leistet jedes Mitglied der Masse (Crowdfunder) nur einen geringen finanziellen Anteil. Das Modell weist einige Gemeinsamkeiten aber auch Besonderheiten im Vergleich zum Social Lending und Sponsoring sowie Fundraising auf.

Manuell aufwändiger Prozess erhöht Vermittlerprovision

In der kommerziellen Variante fungiert eine professionelle Online-Plattform bzw. ein IT-Dienstleister beim Crowdfunding als Mittelsmann gegen eine Vermittlungsprovision, die in der Regel bis zu 10 Prozent der Gesamtsumme beträgt. In der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Crowdfunding durch medienwirksame Großprojekte mit populären Künstlern, wie der Musikgruppe Public Enemy, die ihr neues Album direkt durch die Fangemeinde mitfinanzieren ließ.

Mit Crowdfunding wird zum einen die Marktmacht der institutionellen Investoren umgangen, zum anderen können einzelne Investoren ihr Kapital auf verschiedene Firmen streuen, um ihr eigenes Risiko zu minimieren, aber auch die Preisbildung zu verbessern. Nachdem sich zunächst erste Plattformen aus dem kulturellen oder philanthropischen Bereich wie startnext.de oder betterplace.org bereits erfolgreich etabliert haben, rücken derzeit Plattformen für geschäftliche Kredite wie seedmatch.de und innovestment.de zur Finanzierung eines Start-Ups in den Fokus.

Professionelle Kapitalgeber sind hellhörig

Ins Visier der professionellen Szene geriet Business Crowdfunding vor zwei Jahren, etwa durch solch werbewirksame Projekte wie Diaspora. Vier Studenten benötigten für die Entwicklung einer neuen Internetplattform rund 10.000 US-Dollar. Die Plattform präsentiert sich dabei als anwenderfreundliche Alternative zum sozialen Netzwerk Facebook. Sie warb gegenüber dem weithin bekannten Original mit dem Argument von mehr Datenschutz und einer dezentralen Speicherung der Nutzerdaten direkt auf dem Rechner des Anwenders.

Immerhin mehr als 200.000 US-Dollar kamen so bei der Aktion rasch zusammen. Unter den Spendern für Diaspora befand sich auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Ein weiteres Praxisbeispiel verdeutlicht das Grundprinzip. Eine New Yorker Futuristin warb bei der weltweit führenden Plattform Kickstarter.com um Unterstützung für ein ähnlich gelagertes Vorhaben, das die Initiatorin über ein professionelles Video-Testimonial ihren potentiellen Unterstützern als "The Future of Facebook Project" präsentierte.

Laut Projektbeschreibung sollen darin Spezialisten und andere Interessierte die nicht nur geschäftlichen Zukunftsperspektiven des weltweit größten sozialen Netzwerks Facebook ausloten. Das Spendenziel bei diesem Vorhaben lag bei 5.000 US-Dollar, eine durchaus adäquate Summe bei derartigen Finanzierungen. Binnen weniger Wochen kam bei dem "The Future of Facebook Project" deutlich mehr Geld als die anvisierte Summe zusammen.

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