Taliban brechen Gespräche mit den Amerikanern ab

15.03.2012

Der afghanische Präsident Karsai fordert sofortigen Abzug der US-Truppen aus den afghanischen Dörfern

In einer Erklärung, veröffentlicht auf der Propaganda-Website "Islamisches Emirat von Afghanistan, kündigen die Taliban die vorläufige Einstellung von Gesprächen mit den Amerikanern an. Auch das Büro, das im Januar in Katar eröffnet wurde, soll schon wieder geschlossen werden. Zudem streiten die Taliban ab, überhaupt jemals mit der afghanischen Regierung unter Präsident Karsai verhandelt zu haben. Da dieser nichts ohne Anweisung aus Washington mache könne, mache dies auch keinen Sinn. Mit den Amerikanern habe man sowieso nur über die Vertretung in Katar und die Freilassung von Gefangenen gesprochen. Weil schließlich ein US-Vertreter eine Liste mit Bedingungen für weitere Gespräche übergeben habe, die nicht nur inakzeptabel seien, sondern auch vorhergehenden Vereinbarungen widersprochen hätten, habe man beschlossen, die Gespräche sofort zu unterbrechen, bis die Amerikaner neue Angebote unterbreiten.

Präsident Karsai reagierte auf diese Veröffentlichung und nach einem Gespräch mit US-Verteidigungsminister Panetta mit der Forderung nach einem sofortigen Rückzug der US-Truppen aus den afghanischen Dörfern. Von der großen Partnerschaft, von der Panetta zuvor noch geschwärmt hat, will Karsai sich offenbar distanzieren und die Zusammenarbeit möglichst auf wirtschaftliche Hilfe und Wiederaufbau beschränken. Allerdings versucht Karsai immer wieder, sich vor allem von den Amerikanern zu distanzieren und starke Forderungen zu erheben, die wohl niemand mehr wirklich ernst nimmt. Unter erneuten Druck ist Karsai geraten, nachdem angeblich nur ein einzelner US-Soldat am Sonntag 16 Zivilisten in einem Dorf erschossen hat (Hat wirklich nur ein einzelner US-Soldat das Blutbad angerichtet?). Allerdings blieben die erwarteten Proteste bislang weitgehend aus.

Die Taliban hatten daraufhin mit verstärkten Angriffen gedroht und die USA eines Kriegsverbrechens beschuldigt. Unterstellt wird, dass es sich um einen geplanten Angriff gehandelt habe. Es seien auch mehr Menschen als die 16 Dorfbewohner, von denen die Rede ist, getötet worden, behaupten die Taliban, die bei ihren Angriffen und Anschlägen keineswegs Zivilisten verschonen, auch wenn sie meist auf Sicherheitskräfte ausgerichtet sind. Die Amerikaner hätten mit dem Massaker bewiesen, dass sie keine Friedensbringer seien, die die Menschenrechte der Afghanen achten, sondern dass sie Nazis gleichen. Die neben solchen Erklärungen veröffentlichten "Meldungen" auf der Taliban-Website sollen die angeblich erfolgreichen Aktionen der Kämpfer belegen, sind aber meist weit übertrieben oder auch erfunden. Die Rede ist stets von Terroristen, Invasoren, Feiglingen oder Puppen der Statthalterregierung, die täglich zu Dutzenden getötet werden.

Die Taliban können natürlich auch deswegen das Massaker für ihre Zwecke ausbeuten, weil die Unterstützung der Isaf-Truppen dadurch sinken dürfte. Weil die Taliban zudem wissen, dass die westlichen Staaten möglichst schnell abziehen wollen, ziehen sie nun das Angebot auf Verhandlungen zurück, mit denen die Isaf-Staaten zumindest die weniger extremen islamistischen Aufständischen einbinden wollten, um nicht beim Abzug eine machtlose afghanische Regierung und damit einen failed state zu hinterlassen. Die Taliban können nun auf Zeit spielen. Der für 2014 vorgesehene Abzug der Kampftruppen, an dem nun angeblich auch US-Präsident Obama und der britische Regierungschef weiter festhalten wollen, ist nicht mehr weit entfernt. Man habe anhaltende Geduld, teilen die Taliban mit.

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