"Der 7. Sinn" soll wieder zu Grundversorgung gehören

28.03.2012

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will den WDR überreden, den Klassiker neu aufzulegen

2011 stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamts erstmals nach 20 Jahren die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland – und zwar um 343 auf 3.991. Auch die Zahl der Verletzten nahm um 5,5 Prozent auf 391.500 zu. Im Januar 2012 setzte sich dieser Anstieg fort: Mit 266 Toten verbuchte der Monat 7,7 Prozent mehr Verkehrstote als der Vorjahresjanuar. Verletzte gab es 27.100 Personen beziehungsweise 23,3 Prozent mehr. Die Zahl der Unfälle allgemein stieg um 6,3 Prozent auf 189.300.

Im Bundesverkehrsministerium überlegt man deshalb, an den Westdeutschen Rundfunk heranzutreten und ihn dazu zu überreden, die Sendung Der 7. Sinn wieder ins Programm zu nehmen. Dieser von 1966 bis 2005 produzierte Klassiker klärte Autofahrer über Verkehrsregeln und –risiken auf. Dabei erfand man eine ganz eigene Schnitt- und Bildsprache, um Gefahren eindringlich darzustellen.

Einen besonderen ästhetischen Reiz brachte der Gegensatz zwischen der ausgesprochen schmissigen Musik und dem Aktenzeichen-XY-Tonfall des Sprechers Egon Hoegen, der auch die Off-Kommentare in Staplerfahrer Klaus, die Nachrichten in Starship-Troopers und viele Einspieler in der Harald-Schmidt-Show sprach. Teilweise wurden die Tipps auch mit Hintergrundwissen anreichert, wobei beim Wiedersehen auf YouTube deutlich sichtbar wird, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse offenbar länger haltbar sind als gesellschaftswissenschaftliche.

Als der WDR vor sieben Jahren die bislang letzte Episode der Sendereihe ausstrahlte, kündigte er an, lediglich das Konzept überarbeiten zu wollen. Seitdem hat sich allerdings nichts getan – und Presseanfragen dazu bleiben unbeantwortet. Dem Willen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer nach soll die Sendung nun nicht nur endlich fortgesetzt werden, sondern auch einen Sendeplatz bekommen, mit dem sie viele Zuschauer erreicht.

Möglich wäre hier zum Beispiel das Vorabendprogramm, in dem Thomas Gottschalk derzeit so unglücklich agiert, dass es hinter vorgehaltener Hand sogar heißt, er ziehe mit seinem Misserfolg die Quoten der Tagesschau nach unten. Sollte eine Neuauflage der Verkehrsschulungssendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ähnlich gut funktionieren wie Fahrradmeldungen auf Telepolis, dann könnte sich solche ein Austausch für die ARD nicht nur deshalb als gutes Geschäft erweisen, weil die Produktion einer Neuauflage deutlich weniger kosten würde als die Show des sehr üppig bezahlten ehemaligen Wetten-Dass-Moderators. Und falls Monika Piel nicht will: Wir stünden gern bereit, Herr Verkehrsminister!

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