Wandelnde Bakterienbrüter

30.03.2012

Ein einzelner Mensch setzt bis zu 37 Millionen Bakterien stündlich in einem Raum frei

Menschen haben gemeinhin ein verwegen falsches Bild von sich selbst. Sind sie nicht infiziert von Bakterien, Viren oder anderen Schädlingen, die ihnen das Leben schwer machen, vergessen sie, dass sie in ihrem Körper keineswegs alleine wohnen, sondern dass dieser ein Lebensraum ist, der mehr fremde Bewohner beherbergt als die vermutlich weit mehr als 10 Billionen Körperzellen, die unsere eigenen Gene tragen.

Staphylococcus epidermidis. Bild: CDC

Der Lebensraum Körper ist nicht nur singularisiert, man könnte also Menschen anhand ihrer Mitbewohner identifizieren, je nach Ort, Befinden, Ernährung und anderen Lebensgewohnheiten verändern sich auch die Bakterienkolonien auf und unter der Haut. Und natürlich geschieht auch einiges an Kommunikation, wenn sich Menschen mit ihren zahlreichen Mitbewohnern begegnen.

Das macht nun eine Schätzung von Wissenschaftlern der Yale University plastisch deutlich. Allein durch die Anwesenheit eines Menschen in einem Raum können bis zu 37 Millionen Bakterien stündlich in die Luft gelangen, schreiben sie in ihrer Studie, die in der Zeitschrift Indoor Air erschienen ist. Dazu kommen noch jede Menge Pilze. Allerdings wird der Großteil nicht "frisch" ausgegeben, sondern stammt aus dem aufgewirbelten Staub mit den bakteriellen Hinterlassenschaften von Menschen, die sich zuvor im Zimmer aufgehalten haben.

"Wir leben in dieser Bakteriensuppe", sagt Umweltingenieur Jordan Peccia, der Leiter der Studiengruppe. "Und großer Teil besteht aus unseren eigenen Mikroorganismen." Die Wissenschaftler erheben den Anspruch, erstmals die bakteriellen Spuren erfasst zu haben, die ein einzelner Mensch in einem Raum hinterlässt. Dazu haben die Wissenschaftler die biologischen Partikel eines Universitätsraums im Laufe von 8 Tagen gemessen und analysiert. Am vier Tagen wurde er teilweise genutzt, an vier Tagen stand er leer. Türen und Fenster wurden geschlossen gehalten, die Klimaanlage lief wie üblich. Wenn sich Personen im Raum aufhielten, stieg nicht nur die Menge an Mikroorganismen, sondern auch die Größe der sich in der Raumluft befindlichen Partikel.

Natürlich sind Menschen nur eine Quelle. Sie sind für 18 Prozent der frischen und alten Bakterien in dem Raum verantwortlich. Von den 15 häufigsten Bakterienarten sind vier direkt auf den Menschen zurückzuführen, beispielsweise Propionibakterien, die auf der menschlichen Haut leben.

Tröstlich ist, dass der Anteil der infektiösen Mikroorganisme gerade einmal 0,1 Prozent beträgt. Allerdings sagen die Umweltingenieure, dass die Menschen in aller Regel nicht draußen angesteckt und dass wir 90 Prozent unserer Zeit in Häusern verbringen würden, womit sie auf technische Verbesserungen der Belüftung in Häusern aufmerksam machen wollen.

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