Kanada schafft Ein-Cent-Münze ab

01.04.2012

Andere Länder sind schon vorausgegangen, die Zeit tickt auch für die Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen in der Eurozone

Kanada wird keine 1-Cent-Münzen mehr herstellen. Das ist in Zeiten, in denen es um Milliarden und Billionen geht, eigentlich ein längst fälliger Vorgang. Der kanadische Finanzminister Jim Flaherty meinte letzten Donnerstag, die Cent-Münzen würden auf den Anrichten einfach zu viel Platz wegnehmen. Und was dysfunktional und lästig geworden ist, wird auf die Müllhalde der Geschichte geworfen und zieht bestenfalls in die Museen und Privatsammlungen von Liebhabern ein.

Kanada ist keineswegs das erste Land, das solch einen Schritt vollzieht. Auch Australien, Schweden, Brasilien oder Finnland haben einen solchen Schritt vollzogen. Die Schweiz etwa hat bereits 1974 keine Zweirappenmünzen mehr geprägt, seit 2007 werden auch keine Einrappenmünzen mehr hergestellt. Zu einem bemerkenswerten Aufschrei kam es nicht, allerdings scheut man davor zurück, die Fünfrappenmünze abzuschaffen. Vielleicht würde dann der Zahn der Zeit doch zu deutlich nagen?

Schon länger wurde die Abschaffung in Kanada gefordert. So hieß es in einem Bericht aus dem Jahr 2007, eine Münze mit einer derart geringen Kaufkraft, dass die Konsumenten sie nicht annehmen wollen, sie wegwerfen oder anhäufen, ohne sie wieder in den Geldkreislauf zu bringen, nicht mehr hergestellt werden sollte. Da wurde auch schon gesagt, dass man sich auch der 5-Cent-Münzen entledigen solle. Gerne wurde von Abschaffern geäußert, der Cent sei ein Geld, das kein Geld ist. Allerdings haben Geldscheine oder elektronisches Geld auch keinen materiellen Wert, sondern stellen nur einen Wert dar, eine Münze hingegen ist nicht nur ein materieller Gegenstand, sondern auch ein Objekt der Geschichte mit einem "Gesicht".

Natürlich wollen nicht alle lange eingeübte Traditionen einfach wegwerfen, das lässt sich auch hierzulande an der nostalgischen Wertschätzung der D-Mark sehen. Die Menschen in Staaten, in denen öfter einmal wie in Italien durch Inflation Münzen wegfielen oder durch Geldscheine ersetzt wurden, dürfte der Fetisch der Münze weniger ausgeprägt sein. Die Wertschätzung der Cent-Münze mag auch den Abstand zwischen Arm und Reich markieren. Während die einen das Verschwinden der unteren Einheit gar nicht bemerken und sowieso in der Regel unbar bezahlen, könnte das Rechnen mit dem Penny oder dem Cent für die anderen nicht ganz unbedeutend sein, zumindest psychologisch, wenn man nur 0,99 Dollar anstatt einem Dollar zahlt.

In Wirklichkeit dürfte niemand das allmähliche Verschwinden der 1-Penny-Münze wirklich wehtun, es wird auf- oder abgerundet, noch gibt es ja die 5- und 10-Penny-Münzen, denen aber irgendwann dasselbe Schicksal drohen könnte. Die Entscheidung der kanadischen Regierung, ab April die Produktion einzustellen, basiert vorwiegend auf Effizienzgesichtspunkten. Die Herstellung kostet inzwischen mehr, als die Münze wert ist, nämlich 1,6 Cent, obgleich sie schon seit Jahren nicht mehr aus Kupfer, sondern hauptsächlich aus Zink hergestellt. Die Geldbeutel schwellen unnötig an und eigentlich ist er eben unbedeutend geworden, nur noch eine psychologische Größe, die aber teuer kommt. Schließlich müssen immer neue Münzen hergestellt werden, um diese im Umlauf zu halten, was nach Angaben der kanadischen Regierung jährlich 11 Millionen kanadische Dollar kosten soll.

Kurios erscheint freilich, dass die materielle Cent-Münze allmählich verschwinden wird, auch wenn sie weiterhin als Zahlungsmittel gültig bleibt, aber dass im elektronischen Zahlungsverkehr der Cent natürlich erhalten bleibt, es ist schließlich einfach der hundertste Teil eines Dollar. Ob es da dann Möglichkeiten für irgendwelche Geschäftemachereien zwischen der wirklichen und der virtuellen Welt?

In der Eurozone steht der Schritt eigentlich auch an. Das Hantieren mit den Tonnen an Kleinmünzen ist auch hier nicht effizient und produziert Kosten. Die Niederlande haben schon seit 2004 eingeführt, dass Läden jeweils auf 5-Cent-Summen auf- oder abrunden können, damit keine Ein-Cent-Münzen mehr über den Tresen wandern. Ähnlich ist dies in Finnland. 2004 hatte auch der deutsche Bankenverbund gefordert, mit den Ein- und Zwei-Cent-Münzen Schluss zu machen. Aber da war die Mehrheit der Deutschen dagegen - und auch der Hauptverband des deutschen Einzelhandels. Pure Nostalgie oder Pfennigfuchserei, weil man Angst hat, dass derjenige, dem der Pfennig nichts wert ist, des Talers nicht wert ist. Aber Pfennige und Taler haben wir schon lange hinter uns gelassen.

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