Häufiges Röntgen der Zähne erhöht das Krebsrisiko

11.04.2012

Nach einer groß angelegten US-Studie steigt vor allem bei Panorama-Aufnahmen die Wahrscheinlichkeit, an Hirnhauttumor zu erkranken

Die häufigsten Gehirntumore sind die Meningeome (Hirnhauttumor). Sie treten meist ab dem 50. Lebensjahr auf, sind in aller Regel gutartig, Beschwerden entstehen meist nur durch den Druck, den das langsame Wachstum des Tumors auf seine Umgebung ausübt. Die Ursachen für die Entstehung von Meningeomen sind noch weitgehend unbekannt. Man geht von genetischen Faktoren aus, weibliche Geschlechtshormone können eine Rolle spielen, weil Frauen häufiger als Männer erkranken, auch eine Strahlentherapie im frühen Alter dürfte die Entstehung begünstigen.

CT eines Gehirns mit einem Meningiom. Bild: Hovev/gemeinfrei

Wissenschaftler von der Yale University School of Medicine und dem Women's Hospital in Boston haben nun Belege gefunden, dass auch das häufige Röntgen der Zähne ein Risikofaktor für den Hirnhauttumor zu sein scheint. Wie sie in der Studie schreiben, die in der von der American Cancer Society herausgegebenen Zeitschrift Cancer vorab online veröffentlicht wurde, ist der primäre umweltbedingte Risikofaktor für Meningiome ionisierende Strahlung. In den USA werde die höchste Strahlenbelastung durch eine künstliche Quelle von Röntgenaufnahmen der Zähne verursacht.

Für die Studie haben die Wissenschaftler bei 1.433 Patienten mit der Diagnose Hirnhauttumor im Alter zwischen 20 und 79 Jahren Informationen gesammelt und mit den Daten einer Kontrollgruppe aus 1.350 Menschen mit ähnlichen Eigenschaften, aber ohne Tumordiagnose verglichen. Gefragt wurden die Teilnehmer beider Gruppen, ob und wie oft ihre Zähne mit geröntgt wurden: Mundfilm, Panoramaaufnahme und seitliche Aufnahme des Kiefers. Unterschieden wurde zwischen jährlich einmal oder mehr bzw. weniger als einmal jährlich.

Bei Menschen, die jährlich oder öfter beim Zahnarzt eine Bissflügelaufnahme oder einen Mundfilm (Bitewing) durchführen ließen, ist das Risiko, an Meningiom zu erkranken, 1,4 bis 1,9 Mal so hoch als bei denjenigen in der Kontrollgruppe. Bei einer Bissflügelaufnahme beißt der Patient für kurze Zeit auf einen Röntgenfilm. Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer an beiden Gruppen gaben an, dass bei ihnen mindestens eine Aufnahme durchgeführt wurde. Gemacht werden sie, um frühzeitig Karies zu erkennen. Auch wer nur einmal eine Bissflügelaufnahme machen ließ, hat bereits ein doppelt so großes Risiko, den Tumor zu erhalten, als die Menschen in der Kontrollgruppe.

Noch riskanter sind Panorex-Aufnahmen, bei denen das Röntengerät um den Kopf wandert, um eine Aufnahme des gesamten Gebisses zu erstellen. Bei 47 Prozent aller Teilnehmer der Studie wurde mindestens einmal eine solche Panoramaaufnahme gemacht. Wer solche Aufnahmen regelmäßig einmal oder mehrmals jährlich machen lässt, hat ein 2,7 bis 3,0 höheres Krebsrisiko. Bei Kindern unter 10 Jahren ist das Risiko sogar 4,9 Mal so groß, später an Meningiom zu erkranken. Bei der seitlichen Röntgenaufnahme des Kiefers habe sich eine ähnliche Tendenz ergeben, aber es konnten keine signifikanten Werte ermittelt werden.

Eine Computertomografie des Kopfes scheint dabei keinen Einfluss zu haben, in beiden Gruppen hatte in etwa derselbe Anteil einen CT-Scan. Möglicherweise spielt aber eine Rolle, ob die Menschen bereits einer Strahlentherapie zur Behandlung eines gut- oder bösartigen Krebses am Kopf, am Nacken, an der Brust oder im Gesicht unterzogen worden. Das war bei 114 Meningiom-Patienten und bei 60 Personen aus der Kontrollgruppe der Fall, weswegen die Tumorpatienten eher eine Strahlentherapie hinter sich haben. Ob dies das Risiko steigert, lässt sich daraus nicht ableiten. Interessant ist auch, dass eine geringfügig größere Zahl von Tumorpatienten berichtet, weniger als einmal jährlich zum Zahnarzt zu gehen, die Mitglieder der Kontrollgruppe sind hingegen schon ab einem jüngeren Alter beim Zahnarzt gewesen.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Zahnarztpatienten heute einer geringeren Röntgenstrahlung als früher ausgesetzt sind. Allerdings steigt die Belastung durch andere bildgebende Verfahren in der Medizin. Seit den 1980er Jahren sei die Dosis pro Kopf nach dem National Council on Radiation Protection and Measurements um den Faktor 6 gestiegen. Meist ist bei anderen bildgebenden Verfahren die Strahlenbelastung höher als bei Mundfilmen oder seitlichen Kieferaufnahmen, aber Röntgenaufnahmen der Zähne sind weiterhin die größte Strahlungsbelastung von einer künstlichen Quelle, denen die Menschen in den USA ausgesetzt sind. Die Wissenschaftler empfehlen aufgrund der Ergebnisse der Studie, dass Zahnärzte die Zahl der Röntgenaufnahmen zum Vorteil ihrer Patienten möglichst auf das Mindestmaß beschränken sollen. Für die Gefährdung spreche der statistisch signifikante Zusammenhang und der große Umfang der Studie.

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