Schweden: VPNs immer beliebter

Peter Mühlbauer 11.05.2012

Vor allem jüngere Menschen nutzen die Möglichkeiten zur Umgehung von Kontrollen und Sperren deutlich stärker als früher

Einer Studie der Cybernormer-Forschungsgruppe an der Lunds Universitet nach reagieren die Schweden auf eine stärkere Kontrolle des Internets damit, dass sie Kunde bei VPN-Anbietern werden. Insgesamt nutzen von den neuneinhalb Millionen Schweden mittlerweile um die 700.000 VPN-Angebote. 200.000 davon sind zwischen 15 und 25 Jahre alt. Verglichen mit 2009 stieg der Anteil dieser Altersgruppe, der sich dieses technischen Instruments zum Datenschutz und zur Umgehung von Sperren bedient, um 40 Prozent.

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Der Soziologe Måns Svensson, unter dessen Leitung die Untersuchung durchgeführt wurde, sieht als Grund für diese Entwicklung Überwachungsgesetze, die von der EU und der schwedischen Regierung beschlossen oder angekündigt wurden. Eine besondere Rolle spiele dabei das Filesharing.

Eines der VPN-Angebote, die in Schweden gerne genutzt werden, ist der 2009 von The Pirate Bay als Reaktion auf die Richtlinie 2004/48/EG zum "Schutz der Rechte an geistigem Eigentum" (IPRED) ins Leben gerufene iPredator. Der Dienst kostet aktuell 15 Euro für ein Dreimonatsabo, die via PayPal oder Kreditkarte beglichen werden können. Er nutzt bislang allerdings nicht OpenVPN, sondern nur das das PPTP-Protokoll, weshalb auf Windows-Rechnern einige Dienste deaktiviert werden sollten, weil Dritte sonst die tatsächliche IP-Nummer des Nutzers herausfinden können.

Andere VPN-Anbieter sind beispielsweise Relakks, PRQ, Ivacy, Linkideo Perfect Privacy, Surfonym, SwissVPN, Cinipac, FlashVPN, TorrentPrivacy, TrilightZone, StrongVPN, VPNUK und der kostenlose Dienst HotSpotShield, der dem Nutzer eine amerikanische IP-Nummer liefert, die in Deutschland gerne genutzt wird, um US-Serien auf Hulu anzusehen.

Ein Nachteil bei allen VPN-Lösungen ist, dass der Anbieter die eigentliche IP-Nummer des Nutzers kennt. Das wurde im letzten Jahr einem Mitglied der Hackergruppe LulzSec zum Verhängnis. Die Firma UKVPN, die auch den Umsonst-Proxy Hide My Ass! betreibt, gab seine IP-Nummer auf einen Gerichtsbeschluss hin nämlich an die Strafverfolgungsbehörden weiter, was zur Verhaftung von "Recursion" durch das FBI führte.

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36911/1.html
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