Depressive Filesharer...

18.05.2012

...und "positive Wissenschaft": Eine US-Studie weist auf Korrelationen zwischen depressiven Usern und der Nutzung von P2P-Seiten hin, mit Empfehlungen, wie man verdächtige Verhaltensmuster besser überwachen könnte

Diese Korrelationen....Ein Forscher-Team, bestehend aus einem Softwareentwickler bei Microsoft, mehreren Computerwissenschaftlern, einer Psychologieprofessorin und Informatikern der Missouri University of Science and Technology (Missouri S&T), ist in seiner Untersuchung der Frage nachgegangen, inwiefern sich Depressionen auf die Nutzung des Internet auswirken.

Zwar, so schreiben die Wissenschaftler, hätten vorhergehende Studien bereits auf Zusammenhänge hingewiesen. Zum Beispiel, dass die intensivere Internetnutzung für Einkäufe ("Shopping") depressive Symptome bei Studenten verstärkt hätte, oder dass es Relationen zwischen "exzessivem Schauen von Online-Videos", der Nutzung sozialer Netzwerke, Online-Gaming oder der "exzessiven Nutzung des Internet spätnachts" und Depressionen von Jüngeren gebe. Nur: Diese Bezüge seien allesamt lediglich auf Befragungen mit deren Fehlerquellen zurückzuführen. Daher habe man sich für ein Verfahren entschieden, dass die tatsächlich praktizierte Internetnutzung und nicht die Angaben der Probanden berücksichtigt.

So ganz ohne Angaben der Studenten kam das Team von Raghavendra Kotikalapudi, Sriram Chellappan, Frances Montgomery et al. allerdings nicht aus: die 216 Studenten der Missouri S&T hatten einen CES-D-Fragebogen, der depressive Symptome skaliert, auszufüllen. Etwa 30 Prozent erfüllten die die minimalen Kriterien für eine Depression.

Dann wurde die Internetnutzung aller Teilnehmer beobachtet, mittels der Netflow-Technik (von Cisco). Einen Monat lang.

Beim Vergleich der dadurch ermittelten Datenströme, ihrer Formate, der Art der Übermittlung und der Dauer - "average packets per flow, peer-to-peer (octets, packets and duration), chat octets, mail (packets and duration), ftp duration.." -, mit der CES-D-Auswertung beobachteten die Wissenschaftler "signifikante" Unterschiede zwischen den depressiv eingestuften Studenten und den anderen, die sie zu folgenden Schlüssen[1] führten: eine Korrelation zwischen starker P2P-Nutzung und depressiven Symptomen, eine Korrelation zwischen der intensiveren Nutzung von Chatrooms und depressiven Symptomen, ebenso bei Online-Gaming und Videoschauen und "exzessivem" E-Mailen.

Angesichts der eingangs genannten nicht unähnlichen Korrelationen, über die vorhergehende Studien bereits berichtet haben, wäre dies nicht weiter bemerkenswert, wenn da nicht ein paar Empfehlungen in der Studie stünden.

Offensichtlich begeistert von ihrer Methodik weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass man damit auch Verbindungen zwischen Internetnutzung und anderen "mentalen Störungen" (mental health disorders) wie Anorexie, Bulimie, ADHS, Schizophrenie genauer untersucuhen könne - und dies auch "proaktiv".

Using the correlating Internet usage features derived in our study, we are currently attempting to build a classifier to proactively discover depressive symptoms among students by passive, unobtrusive and run-timemonitoring of their Internet usage.

Die Technik sei sei kostengünstig und so leicht zuhause zu installieren, so dass User dadurch aufmerksam gemacht werden könnten, besser medizinische Hilfe zu suchen, wenn ihr Muster der Internetnutzung auf mögliche Depressionen hinweist. Man könnte ja, so wird der mitwirkende Computer-Science-Professor Sriram Chellappan wiedergegeben, ein Spezialist für Netzwerk-Sicherheit, die Software in Universitäts-Netzwerken installieren, damit Studentenbetreuer davon in Kenntnis gesetzt werden, wenn die Internetnutzung von Studenten depressives Verhalten indiziert.

Das findet wohl nicht nur Torrentfreak.com etwas "scary".

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