Crowdfunding funktioniert
Die ehemalige Dresden-Dolls-Sängerin Amanda Palmer sammelte innerhalb eines Monats fast 1,2 Millionen Dollar für die Aufnahme eines neuen Albums, ein Buch und eine Tour
In der aktuellen Verwerterkampagne für umfassende Monopolrechte, ist häufig zu hören, dass Rechteverwerterkonzerne (ähnlich wie Banken) notwendig seien, um Musikern einen Vorschuss zu gewähren, durch den sie sich Zeit zum Komponieren nehmen und Stücke aufwendiger aufnehmen könnten. Dass das auch mit Crowdfunding geht, bewies letzte Woche Amanda Palmer.
Die Sängerin, die seit 2011 mit dem Science-Fiction-Autor Neil Gaiman verheiratet ist, wurde im letzten Jahrzehnt als Sängerin der Dresden Dolls bekannt. Die Musik, die sie macht, beschrieb Tom Appleton in Telepolis recht treffend wie folgt:
Auf ihrem Keyboard stehen die Worte "Kurt Weill", quasi programmatisch, wie einst auf Woody Guthries Gitarre stand: "This Machine Kills Fascists." Okay - und Coin-Operated Boy ist ihr kurzweiligster Kurt Weill-Song, Mackie Messer, Moon Of Alabama und Seeräuber Jenny in einem, und ein prima Video noch dazu. Dies ist das beste - aber es gibt noch ein Dutzend weitere. […] Sing ist anders, mit einem schönen Tableau vivante. Missed Me ist wieder mehr wie If I Were A Rich Man, geteilt durch Jacques Brel, aber ohne die daherwalzernden Streicher.
Die Dresden Dolls waren beim Label Roadrunner Records unter Vertrag, das zum Warner-Konzern gehört. Und zumindest Amanda Palmer war auf lange Sicht ganz und gar nicht zufrieden damit. 2008 machte sie öffentlich, dass die Firma bauchfreie Aufnahmen von ihr aus dem Video zum Stück Leeds United entfernt haben wollte, weil sie fanden, dass die Sängerin zu fett sei. Das führte dazu, dass ihre Fans im Internet massenhaft Fotos posteten, auf denen sie ihre nackten Bäuche mit Protestbotschaften wie "Here's your fat belly - Now fuck off Roadrunner" verzierten.
![]() |
|
| Dresden Dolls 2002. Foto: Kyle Cassidy. Lizenz: CC BY-SA 3.0. |
Weil die Trennung mit Roadrunner nicht so einfach vonstattenging, wie Palmer das gerne gehabt hätte, schrieb sie den Song Please Drop Me, in dem sie das Label öffentlich dazu drängte, sie endlich aus dem Vertrag zu entlassen. Nach einem teuren Rechtsstreit konnte sie schließlich 2010 verkünden, dass sie nun "endlich frei" sei. Um das zu feiern, stellte sie das Stück Do You Swear to Tell the Truth the Whole Truth and Nothing but the Truth So Help Your Black Ass zum Download auf ihre Website, was ihr die Anwälte ihres Labels vorher jahrelang streng verboten hatten. Im Jahr darauf veröffentlichte sie die EPs Nighty Night und Ukulele Anthem unter einer Creative Commons-Lizenz.
|
|
Die Fans dankten es ihr, wie sich jetzt herausstellte: Am 30. April stellte Palmer nämlich bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ihre Pläne für ein Album mit dem Grand Theft Orchestra, ein Buch und eine Tour vor – und gut einen Monat später hatte sie dafür von insgesamt 24.883 Fans Finanzierungszusagen in Höhe von 1.192.793 Millionen Dollar gesammelt - fast zwölf Mal so viel wie ihr angepeiltes Spendenziel.
Für Palmer ist das kein Einzelfall, sondern "die Zukunft der Musik", wie sie auf einem Video verkündet. In ihrem Blog führt sie weiter aus, dass sie ihre Fans seit Jahren ermutigt habe, ihre Musik herunterzuladen, zu brennen und zu teilen – und zwar nicht nur mit Freunden, sondern auch mit Fremden, was sich jetzt positiv auf ihr Einkommen auswirke. Ein Verbot von Filesharing hält sie deshalb für "reinen Wahnsinn".
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37049/1.html- Meine Fresse (11.6.2012 15:43)
- Re: Nicht wie bei anderen Geschäftsmodellen ... (6.6.2012 16:29)
- Re: Quatsch (6.6.2012 15:32)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.


Terroranschlag in London?
Unruhen in Stockholms Vorstädten
530 Millionen für U-Boot mit Übergewicht
Das "Monster Cohn-Bendit" und die Kinder: Alles ein großes Missverständnis?
"Viele junge Araber haben sich völlig von der Religion abgewandt"