Die EM im Belastungstest

Rüdiger Suchsland 08.06.2012

Wünsche und Befürchtungen, vor allem aber Überlegungen vor der Fußball-Europameisterschaft: inklusive der Antwort auf die Frage "Wer wird Europameister?" und fünf Goldene Regeln

Das Schönste an großen internationalen Fußball-Turnieren sind nicht die Endspiele, sondern die Anfänge. Die ersten Tage, wenn jede jungfräulich ins Geschehen eingreifende Mannschaft erwartungsvoll begrüßt wird, und sich der Charakter des Turniers erst vage zu formen beginnt. Wenn alles flüssig ist und voller Erwartung. Dies ist die Stunde der Prognosen. Bald dann wird es ernst, die ersten werden nach Hause fahren, die anderen werden taktieren. Und die Prognosen werden über den Haufen geworfen. Manche allerdings auch nicht.

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Also das mit den Menschenrechten in der Ukraine, ja das muss unbedingt mal angesprochen werden, und weil wir das jetzt getan haben, Fußball soll schließlich Spaß machen, kommen wir, äh, für die nächsten vier Wochen zu den schöneren Dingen. Puh!

Das System Löw

Nehmen wir einmal Philipp Lahm. Erinnern wir uns: 2006 schoss er nach nur 6 Minuten im Eröffnungsspiel das 1-0 und damit das erste WM-Tor. Ein kometenhafter Aufstieg und Verdienst des damaligen Bayern-Trainers Felix Magath, der dem nach Stuttgart ausgeliehenen Dauerverletzten erst 8 Monate vor der WM den ersten Einsatz im Bayern-Trikot ermöglichte und ihn zur Bestform führte.

Seitdem spielt Lahm, der einzige deutsche Nationalspieler, der sämtliche 90 Minuten aller deutschen Partien während des "Sommermärchens" 2006 mitspielte, eine Schlüsselrolle in der Nationalelf: Prototyp des flachen, schnellen, kurzpässigen Offensivspiels aus der Abwehr heraus, das Bundestrainer Löw in der deutschen Nationalmannschaft ständig perfektioniert, und das jetzt, beim vierten Turnier mit Lahm, und beim dritten unter Löw endgültig vor seiner Bewährungsprobe steht.

Es wird sich jetzt zeigen müssen, wie überzeugend das System Löw wirklich ist. Die positive Lesart seiner bisherigen Amtszeit lautet: Unter Löw spielt die Mannschaft so schön wie selten, sie ist konstant erfolgreich, sie ist aktuell zweitbeste europäische Mannschaft und Dritter der FIFA-Weltrangliste, sie war bei den letzten drei Turnieren jeweils unter den besten vier Mannschaften. Zudem ist sie das jüngste Team des Turniers, wie auch schon bei der WM 2010. Deutsche Spieler sind international attraktiv wie lange nicht. Die Mannschaft ist ein sehr effektiver Botschafter der Nation, sie zeigt ein positives, neues, junges, multikulturelles, lockeres, kurz: sympathisches Bild Deutschlands. Was will man mehr?

Die negative Lesart lautet: Schön gespielt hat das deutsche Team vor allem phasenweise bei der letzten WM. Davor und danach war viel Sand im Getriebe und längst nicht alles Gold. Man kann auch Dinge schönreden, zumal wenn man sie mit dem Holperfußball und Ribbeck und Völler vergleicht, von Berti Vogts einmal ganz zu schweigen. Dass deutsche Spieler international wieder attraktiv sind, ist nicht Löws Verdienst, sondern das von innovativen Vereinstrainern wie Klopp, Labbadia, Tuchel, aber auch von älteren, erfahreneren wie Heynckes und Magath.

Wenn das Team jünger, lockerer und moderner wirkt, dann spiegelt das vor allem die veränderten Zeiten. Und multikulturell, das waren die Franzosen schon 1998 - da ist Deutschland immer noch dabei, etwas nachzuholen, was in anderen Ländern, man könnte auch Holland oder England nennen, längst eine Selbstverständlichkeit ist. Es ist ein schöner Nebeneffekt, wenn eine Nationalelf für ihr Land wirbt, aber nicht ihr eigentlicher Sinn. Und das jüngste Team eines Turniers muss eine deutsche Mannschaft auch nicht sein, sondern das beste. Nachhaltigkeit ist im Fußball eine sekundäre Tugend. Löw muss nicht die WM im Jahr 2030 planen, er sollte jetzt endlich auch einmal einen Titel holen. Das hat sogar Berti Vogts geschafft.

Generation der Titellosen

Denn bei einem EM- oder WM-Turnier unter den besten vier Teams zu sein, das ist für ein deutsches Nationalteam in den letzten 50 Jahren fast schon eine Selbstverständlichkeit. Jedenfalls genau die Minimalerwartung. Alles andere würde als Misserfolg gewertet. Solche Erwartungen mögen überzogen sein, und natürlich kann man viel an ihnen aussetzen. Aber es ändert nichts daran, dass sie existieren. Man muss mehr wollen als immer nur das Halbfinale.

Und hier sind wir wieder bei Philipp Lahm. Denn die Karriere von Lahm, einem der besten, und nicht nur in ihrer Konstanz beeindruckendsten deutschen Nationalspieler ist vor allem durch eines gekennzeichnet, das frühere deutsche Fußballergenerationen nicht kannten: Es fehlen die internationalen Erfolge.

Lahm der immer noch jung wirkt, den Charme des bubenhaften Anfängers ausstrahlt, ist seit acht Jahren Nationalspieler. Seit sechs Jahren Stammspieler. Wie Podolski, wie Schweinsteiger, wie Mertesacker. Sie alle gehören wie der ältere Klose, der etwas jüngere Gomez, wie auch Müller, Khedira, Özil, wie einst Ballack zu jenen Spielern auf Top-Niveau, denen der entscheidende internationale Erfolg versagt geblieben ist. Auch mit ihren jeweiligen Vereinen. Sie standen schon in Finals und Halbfinals. Aber die entscheidenden Spiele haben sie seit Jahren sämtlich verloren. Eine Generation der Titellosen.

Wie sich diese Finaltraumata mental auswirken, darüber darf und wird man spekulieren. Unabhängig von allen anderen, objektiveren Gründen ist auch diese Erfahrung ein Argument dafür, die deutsche Nationalmannschaft weniger Bayern-lastig zu besetzen. Auch die Nationalspieler von Borussia Dortmund haben noch keine internationalen Titel gewinnen. Aber sie haben auch keine verloren. Sie sind auf andere Weise siegesgewohnt.

Bayern-Block gegen Polonia Dortmund

Man darf gespannt sein, wie sich der "Lauf" der Dortmunder - die Tatsache, dass deren Spieler nach den Siegesserien in der Liga und im Pokal und den dazugehörigen Erfahrungen des schieren Spiel-Glücks, vergessen zu haben, "wie sich das Verlieren anfühlt" - bei der kommenden EM auf das Spiel der polnischen Nationalmannschaft auswirken wird. Objektiv gesehen ist Polen einer der Außenseiter des kommenden Turniers. Aber manches - auch jenseits des Heimvorteils - spricht dafür, dass die Polen in diesem Jahr die neuen Griechen sind, dass sie sich von der Euphorie des Augenblicks zu beachtlichen, unerwarteten Erfolgen hinreißen lassen.

Bisher bewegt sich die deutsche Nationalmannschaft vor allem im Hochbegabtenmodus: Man erwartet viel von ihnen, aber die Zukunft, in der das glückliche Ereignis endlich eintritt, wird immer wieder vertagt. Man hat noch nichts gewonnen, aber schön gespielt. Zur Zeit tut man noch nicht einmal das. Die deutsche Nationalmannschaft, das ist nun der FC Bayern minus Kreativität (Robben und Ribery), plus Real-Madrid-Motor (Özil, Khedira), plus Klose. Die Tatsache, dass mit Klose und Schweinsteiger zwei zentrale Spieler angeschlagen sind, ist ein zusätzliches Problem.

Gerade dadurch, dass Löw offenbar auch in den nächsten Wochen auf den Bayern-Block setzt - sieben Spieler, neben Herzens-Schalker Neuer noch Lahm, Boateng, Badstuber, Schweinsteiger, Müller, Gomez - bringt er sich selbst in die Schusslinie. Er wird, unabhängig von der wie üblich schon vorab verkündeten Job-Garantie - selbst im Fall eines Vorrunden-Ausscheidens werde er DFB-Trainer bleiben - falls er nicht das Halbfinale erreicht, erklären müssen, wieso kein einziger Spieler des sieggewohnten deutschen Meisters im Team steht, wieso er dafür auf Spieler setzt, die mit dem FC Bayern in den letzten vier Wochen alle dreifachen Titelchancen vergeigt haben, die körperlich und psychisch sichtbar angeschlagen und jedenfalls nicht in Bestform sind. Man kann über jeden Einzelfall debattieren. Aber 7-0 ist ein Missverhältnis.

Wenige Teams setzen ähnlich derartig auf die Dominanz einer Vereinsmannschaft. Aber immerhin Spanien tut es.

Wer spricht von Siegen?

Die merkwürdige Stille vor dem Turnier lässt auch nichts Gutes für das deutsche Team erwarten. Kein Reizklima, keine Rivalen, keine echten Alternativen, kein produktiver Streit, um den besten Weg zum Sieg. Eher eine grundsätzliche Müdigkeit: Überstehen ist alles.

Löw baut vor: Das schwierigste Trainingslager seiner Amtszeit sei es gewesen. Zu viel der Problemfälle: Was tun, falls Klose nicht gut spielt oder ganz ausfällt? Gomez kultiviert zur Zeit seinen Ruf als Chancentod. Müller ist völlig außer Form und wirkt ausgebrannt. Aber immerhin willig. Ein echter "eiserner" Wille ist vor allem bei Lahm zu erkennen und in Ansätzen noch bei Schweinsteiger. Podolski wirkt unkonzentriert, ist mit seinen Gedanken eher in London und könnte während des Turniers durch Schürrle ersetzt werden. Bleibt die Frage nach dem Madrider Duo Özil und Khedira.

"Wo ist der Wille zum Tor? fragte Mehmed Scholl als ARD-Kommentator und bemängelte, zu viele Angriffe kämen über Außen. Auch für die Abwehr hat Scholl die Probleme großartig zusammengefasst: "Da fehlt die Spannung, der Körperkontakt, das ist mir alles ein bisschen zu schlumpfig." Die deutsche Abwehrreihe steht nicht gut genug: Durch kluges Gemeinschaftswerk ist sie auszuhebeln. Vor allem rechts. Nur eine Frage der Zeit, wann Mertesacker patzt, wann Boateng der erste grobe Schnitzer unterläuft.

Andererseits ist auch klar: Die Deutschen müssen zum Turnier fit sein, nicht zu den Freundschaftsspielen vorher.

Rein statistisch gesehen

Deutschland ist eine Supermacht, jedenfalls im Fußball. Warum, das erklärte detailliert gerade die französische Zeitung "Le Monde". Auch hier ein deutscher Sonderweg: "Im Fußball, wie in anderen Bereichen, unterscheidet sich Deutschland von seinen europäischen Partnern". Gemeint ist die extrem feinmaschige Vereinsorganisation, als deren Folge Deutschland 6.3 Millionen in Vereinen organisierten Fußball-Spielern viel mehr aktive Fußballer hat, als die meisten europäischen Länder zusammen. Der nächstbeste Vereinsstruktur hat überraschenderweise Frankreich, wo 1,78 Millionen Fußballer aktiv sind.

Diese Fakten machen zugleich klar, dass die gern gelobte Nachwuchsarbeit in Deutschland längst nicht so gut ist, wie hierzulande behauptet: Die 6.3 Millionen Vereins-Spieler führten zwar zu drei EM-Titeln (und drei WM-Titeln), Spanien gelangen aber mit nur einem guten Zehntel davon (653.000 Vereinsspieler) immerhin zwei EM-Titel, darunter der letzte, und amtierender Weltmeister sind sie auch noch. Nach diesen Zahlen sind auch die zwei französischen EM-Titel 1984 und 2000 und der WM-Sieg 1998 weniger überraschend, als sie es sein müssten, schaut man nur auf die vergleichsweise schwache Rolle, die französische Vereinsmannschaften in den europäischen Wettbewerben spielen.

Die schwächste Rolle in dieser Statistik, die "Le Monde" aus Angaben der FIFA und der europäischen Union zusammenstellte, kommt ausgerechnet dem "Mutterland des Fußballs" zu. Mit knapp 1,5 Millionen Fußballern (1,486) steht England zwar an vierter Stelle, nach Italien (1,514 Millionen) und vor den Niederlanden (1,139), zudem stellt man mit Manchester United, Arsenal London und dem FC Chelsea London drei der sechs umsatzstärksten Clubs Europas, doch zugleich sind die Engländer die einzige unter den Top-Nationen, die noch nie Europameister wurde, sich noch nicht einmal für ein Finale qualifizierte, was, um nicht immer die ottokratisch beseelten Griechen des Jahres 2004 zu nennen, sogar Belgien, Dänemark, Portugal und den Tschechen gelang, letzteren gleich mehrfach:

Als sie noch mit den Slowaken zusammenspielten wurden sie dank Uli Hoeneß' Wolkenelfmeter 1976 sogar Europameister, ohne sie schafften sie es 1996 noch ins Finale und 2004 ins Halbfinale. Und die wahre Turniermannschaft sind nach den nackten Fakten die Italiener: 4 WM- und ein EM-Titel, trotzdem man selten als Favorit ins Turnier ging.

Nach diesen Statistiken gab es in der Qualifikationsrunde gar keine Überraschungen; nach ihnen ist auch bereits jetzt klar, wer ins Viertelfinale kommt: Tschechen und Polen in Gruppe A, Deutschland und die Niederlande in Gruppe B, in Gruppe C Spanien und Italien, und in Gruppe D Frankreich und England.

Rein statistisch gesehen müsste es den Tschechen diesmal wieder gelingen, sich fürs Halbfinale zu qualifizieren. Allerdings droht statistisch gesehen den Briten diesmal wieder ein Vorrunden-Aus. Ebenso wie den Italienern.

Rein statistisch gesehen, gewinnen die kommende Europameisterschaft jene Teams, deren Spieler die schnellsten Sprints absolvieren. So jedenfalls eine gemeinsame Studie der Universitäten Basel und Saarbrücken. "Wer bei der Euro siegen will, muss über Spieler verfügen, die bei kurzen Sprints die Gegner stehenlassen", behauptet Oliver Faude vom Basler Institut für Sport und Sportwissenschaften, deren Ergebnisse jetzt im "Journal of Sports Sciences" (Bd. 30) veröffentlicht wurden. "Wer gerade läuft, wählt die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten", erklärt Faude die simple Strategie. In der Praxis bedeutet dies, dass gemäß der Studie Portugal, Holland und England die besten Chancen haben müssten, da sie über die besten Sprinter verfügen.

Aber Statistiken sind nicht alles. "Entscheidend is aufm Platz."

Ästhetik des Zufalls

Eine Veranstaltung in der Berliner Akademie der Künste beschäftigte sich an diesem Dienstag mit dem Thema "Choreographie der Massen". Da ging es primär um den Zusammenhang von Architektur und anderen Künsten und Fußball, vor allem aber um Fußball. Kurz und bündig brachte da der Sportsphilosoph Gunter Gebauer den Reiz des Fußballs auf den Punkt: Er sei ein "Spiel, das einerseits ein sehr böses Spiel ist, und ein Spiel, das auch Heilige produziert. ... Glücksspiel gepaart mit unendlichem Können. ... Fußball ist auch deswegen faszinierend, weil enorm viel Zufälliges passiert."

Den Zufall brachte auch der Autor Moritz Rinke mit ins Spiel, der als Mitglied der "Autoren-Nationalmannschaft" mitreden durfte:

Alles ist geplant, aber im Fußball kommt dieser Ball dazu. Der Ball wird dem Spiel eine andere Wendung geben. Dann kommt im Fußballstadion plötzlich doch Godot. Fragen Sie mal Chelsea. Vor drei Wochen kam da Godot.

Wer wird Europameister?

Doch selbst dies lässt sich berechnen. Theoretisch jedenfalls. Wer diesmal Europameister wird, haben Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) und der International School of Management (ISM) in Frankfurt/Main ausgerechnet . Eine Neuauflage des Endspiels von 2008 und des WM-Halbfinales werde es geben: Spanien-Deutschland. Und am Ende werde sich Deutschland mit Hilfe des Glücks durchsetzen - aber das Spiel stehe auf Messers Schneide.

In einem zweistufigen Modell, das diverse objektive Messgrößen - Marktwert der Mannschaften, Wettquoten. Gastgeberbonus - ebenso berücksichtigt, wie Zufallseinflüsse, ergeben sich unter den insgesamt 24 Partien der EM-Vorrunde 7 mit klaren Favoriten. Unter den restlichen 17 Partien entscheiden nach Ansicht der Wissenschaftler in immerhin sieben Fällen "Tagesform und Glück" das Spiel für das nicht-favorisierte Team. Die beiden Gruppenersten der jeweiligen Gruppen sind laut der Simulation Polen und Russland, Deutschland und Portugal, Spanien und Italien sowie Frankreich und England.

Zudem können die Zuschauer mit einer Steigerung des Toredurchschnitts auf ca. 2,7 Tore pro Spiel freuen (EM 2008: 2,48). "Die durchschnittliche Trefferanzahl bei Europa- oder Weltmeisterschaftsspielen korrespondiert nämlich auffallend mit dem Toredurchschnitt der vorangegangenen Champions League-Saison. Dort wurden im jüngst abgelaufenen Wettbewerb 347 Tore in 125 Spielen geschossen (ohne Elfmeterschießen), das macht einen Schnitt von knapp 2,8 pro Spiel."

Wir hier glauben eher an Spanien. Holland hätte es verdient, und hat Chancen, weit zu kommen. Polen wird das Überraschungsteam. Der Geheimfavorit heißt Frankreich, wegen Hollande-Schwung, und weil mit denen keiner rechnet. Und Deutschland? Wird nicht Europameister. Irgendwann frisst sich die Maschine fest. Trotz 2010 ist in Deutschland wieder nüchterne Chancenverwertung, kühle Effizienz und kluges Management angesagt. Man wird schon sehen. Merkel-Fußball.

Was man sich rein dramatisch und volkserzieherisch wünschen muss: Dass die Deutschen gegen ein Traumfußballteam rausfliegen. Dass die merkwürdige Skepsis dem schönen Spiel der Spanier gegenüber, dem Tiki-Taka - wie das schon klingt -, die Antipathien gegenüber dem FC Barcelona und überhaupt all diese levantinische Lässigkeit, Lügen gestraft wird. Vielleicht gegen Holland. Oder gegen eine Mannschaft, die die "deutschen Tugenden" noch besser verkörpert, als die Deutschen. Die Griechen. Oder gegen Polen. Im Viertelfinale könnte es soweit sein.

Zumindest sollte die merkwürdig breite Sympathie, die Vereinen wie Real Madrid und dem FC Bayern München in Deutschland zufließt, nicht auch noch belohnt werden. Die Selbstbestätigung der Nation, ihre Selbstwahrnehmung, ihre Mythologie als "hart arbeitend und ehrlich", und wie gut wir sind im Verhältnis zu den Griechen, die nur unser hart verdientes Geld verplempern, die in der Staatsschuldenkrise derzeit ungemein peinlich herausgestellt wird, und im Fußball verstärkt, dies alles sollte erschüttert werden. Denn wie schon Ror Wolf wusste:

Das Fußballspiel ist nicht die Fortsetzung des Lebens, sondern das Leben ist die Fortsetzung des Fußballspiels.

Zum Abschluss fünf Goldene Regeln

Noch hat Polen nicht verloren.

Fußball ist keine Mathematik.

Offense wins game, defense wins Championship.

Im Fußball gibt's keinen Schönheitspreis.

Die Deutsche Mannschaft ist eine Turniermannschaft.

http://www.heise.de/tp/artikel/37/37062/1.html
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