Untertitel als Urheberrechtsverletzung
In Norwegen wurde ein Student verurteilt, weil er eine Fansub-Seite für Filme und Fernsehserien betrieb
Filesharing hat vielen Menschen Filme und Serien aus Ländern erschlossen, die von der Verwerterindustrie ignoriert werden. Weil die Sprachen, in denen diese audiovisuellen Werke gedreht werden, häufig nur lokale Bedeutung haben, stellen fleißige Fans in unbezahlter Arbeit Untertitel her, die die Dialoge in Englisch und in anderen Sprachen verständlich machen. Der Anreiz ist meist alleine der, dass sie an ihren kulturellen Entdeckungen Freude haben und diese mit anderen Menschen teilen wollen. Aber auch für englische Filme können Untertitel durchaus sinnvoll sein – etwa dann, wenn der Zuschauer hörbehindert ist oder die Sprache noch lernt - oder wenn im Film Sozio- beziehungsweise Dialekte gesprochen werden, mit denen selbst Muttersprachler Schwierigkeiten haben.
Solche Untertitel werden meist nicht fest in das Filmbild eingebaut, sondern in Textdateien mit Zeitangaben (die Endungen wie .sub oder .srt haben) oder in Containerformaten wie Matroska (.mkv) geliefert. Programme wie VLC und SMPlayer (aber auch immer mehr Standalone-Geräte) beherrschen solche Containerformate oder ordnen die Untertitel automatisch zu.
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| Die ersten Fansub-Gruppen entstanden in den 1980er Jahren für japanische Anime-Serien. Foto: Public Domain. |
Untertiteldateien sind häufig nur kilobytegroß und können nicht nur in P2P-Netzen und bei Sharehostern heruntergeladen werden, sondern auch auf Fan-Websites. Eine dieser Fan-Websites - Norsub.com - betrieb ein norwegischer Student, der nun vom Bezirksgericht Süd-Trøndelag wegen Immaterialgüterrechtsverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 15.000 Kronen (umgerechnet etwa 2.000 Euro) verurteilt wurde. Die Staatsanwaltschaft wollte den 25-Jährigen sogar im Gefängnis sehen, obwohl sie eingestehen musste, dass er mit seinem Projekt niemals Geld verdiente.
Als Begründung dafür führte die Anklage unter anderem an, dass die drei Jahre lang zugängliche Site nicht nur Untertitel von Fans beherbergte, sondern auch solche, die aus DVDs übernommen wurden. Aber selbst die von Fans gefertigten Übersetzungen sind streng genommen Urheberrechtsverletzungen – auch wenn sie niemandem Schaden zufügen, sondern stattdessen neue Fans erschließen, die sich die Werke ohne Untertitel nie zu Gemüte geführt hätten. Lediglich bei ganz neuen amerikanischen Filmen, die noch nicht auf DVD erschienen sind, können Medienkonzerne argumentieren, dass die selbstgemachten Untertitel Filme von Release Groups im Ausland vor dem dortigen Kinostart massenkonsumierbar machen und damit potenziell Profite schmälern.
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Der Student an der Norges Teknisk-Naturvitenskapelige Universitet (NTNU) in Trondheim hatte den Angaben auf seiner Website nach gar nicht gewusst, dass er etwas Urheberrechtswidriges macht, bis sich im April die Behörden bei ihm meldeten. Bis dahin wurden angeblich mehr als eine Million Untertiteldateien zu über 6.000 Produktionen heruntergeladen. 400 davon soll der Verurteilte selbst eingestellt haben.
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37078/1.html- Wo steht denn, dass es nicht nur Fansubs sondern auch von DVDs waren? (27.6.2012 22:13)
- Re: Die kranke Gier der Urheber... (13.6.2012 21:20)
- Re: Netter Doppelstandard (13.6.2012 20:49)
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