Nass und Nackt

16.06.2012

Beobachtungen zum Strandverhalten im Sommer

Als Europäer, gerade aus dem deutschsprachigen Raum, nimmt man gerne an, dass die Wörter "nass" und "nackt" fraglos zusammengehören, vor allem im Kontext mit dem Wörtchen "Strand". Da tut allein schon der fast freudsche Gleichklang mit dem offenen "A" sein Übriges. Im Amerikanischen fehlt ein solcher Bezug. Wer "wet" ist, braucht deswegen noch lange nicht "naked" zu sein, auch nicht an einem "beach".

Das amerikanische Strandverhalten unterscheidet sich merklich vom europäischen. Wer auf einem indonesischen Insel-Paradies, beispielsweise auf Gili Trawangan, die Körper europäischer (was sag ich hier? - deutscher!) Sonnenanbeter sieht, die vor ihrem züchtigen muslimischen Hilfspersonal die sekundären und/oder primären Geschlechtsmerkmale unverhüllt zur Schau tragen, erlebt einen unmittelbar drastischen Anschauungsunterricht in Sachen kultureller Relativismus, transponiert in die Beziehung Erste vs. Dritte Welt. Öffentliche Nacktheit ist (einmal abgesehen von Kategorien wie Werbung, Pornografie, Prostitution, Internet) ein sehr europäisches Phänomen. Auch in Amerika gibt es die Welt des Pornos in jeder erdenklichen Ausformung. Doch an den Stränden von Hawaii erkennt man an der allzu dürftigen Kleidung sofort sehr deutlich die Europäer. Sorry: die Deutschen. Amerikaner halten sich, selbst im Bikini, eher bedeckt. "Blickdicht" wäre hier das operative Wort. Kein einziger Fetzen der Strandbekleidung läuft Gefahr (selbst beim größten Ansturm der Wellen) einen "Nippel-Alarm" auszulösen.

In Griechenland, auf Kreta, sieht man am Strand Nackedeis aus Deutschland, bis auf einmal die schwarz gekleideten einheimischen Frauen mit dem Stock dazwischen fahren und dem sündhaften Treiben ein Ende bereiten. An den Frauenstränden von Kuwait liegen deutsche Sonnenanbeterinnen brustfrei in der Landschaft, geschützt von ruppigen Strandbewachern, die selbst arglosen arabischen Familienvätern mit kleinen Kindern an der Hand den Zutritt verwehren. Einzig im heimischen Sylt, wo westdeutsche Fast-Nacktheit mit ostdeutscher Komplett-Nacktheit kollidiert, wird den Einen das Kleinbisschen, das den Andern fehlt, zuviel.

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Was man in der Öffentlichkeit an Nacktheit verkraftet, ist immer wieder kulturell verschieden. Feldarbeiter auf Bali sieht man nach der Arbeit nackt. Männer und Frauen waschen sich dann gemeinsam neben den Feldern - in aller Öffentlichkeit. Ohne Scham. Es gibt so etwas wie eine öffentliche Nacktheit, die sich von der privaten Nacktheit unterscheidet. Die Stammesvölker aus National Geographic, die allesamt nackt beieinanderstehen, sind zwar nackt, aber da sie sich in ihrer Welt befinden, betrachten sie sich gegenseitig quasi als "bekleidet". Ähnlich die FKK-Anhänger in heimischen Gefilden. Sie stehen im Kreis miteinander, und trinken Bier oder schwätzen, geradezu so, als trügen sie Shorts und Hemden.

Hier werden die Frauen verhaftet, weil sie in ihrer Schwimmkleidung zu viel Bein zeigen.

Den Schalter im Hirn umzulegen, der hier die Nacktheit gar nicht registriert, gelingt nicht jedem. Ich betrachte mir amerikanische Strandfotos aus circa dem Jahr 1912, also von vor 100 Jahren.

Zunächst mache ich die Beobachtung, dass ungefähr der gleiche Satz von rund 100 Bildern in verschiedenen Verpackungen im Internet kursiert. Es gibt arabische Versionen, deren Tenor in etwa darauf hinausläuft, "Seht, vor 100 Jahren waren auch die Amerikaner noch anständige Menschen, die sich am Strand züchtig bedeckt hielten." In Wahrheit sind natürlich selbst die Badenixen im Ganzkörperkostüm für arabische Verhältnisse geradezu aufreizend "nackt".

Dann gibt es die amerikanischen Versionen, wo die alten Strandfotos als Kuriosa dargeboten werden, während rund um sie herum ungezählte Porno-Angebote die alten Fotos umschwirren.

Die modernen Nackt-Bilder sind dabei von krasser Deutlichkeit, klickt man einmal drauf, sieht man auch sogleich mehrere Personen gemeinsam verschiedene Körperöffnungen penetrieren, usw. Der Kontrast zu den historischen Fotos könnte also kaum schlagender sein.

Auf einem der Bilder steht eine junge Frau am Rand einer eingefassten Strandpromenade. Sie hat beide Arme nach oben gestreckt, ihre Hände sind wie Dürers "Betende Hände" aneinandergelegt. Sie steht offenbar kurz davor, einen Kopfsprung ins Wasser zu wagen, Sprunghöhe etwa ein Meter. Ihre schwarzen Haare sind kurz geschnitten fast meint man, sie trüge eine Badekappe. Sie trägt ein Schwimmkostüm, das von ihren Schultern bis knapp über die Knie reicht. Darunter trägt sie, wie man durch einen seitlichen Schlitz erkennen kann, eine Schwimmhose, die knapp unter dem Rock abschließt, ihre Beine sind dann in lange Strümpfe gefasst und an den Füßen hat sie bis an die Waden reichende, möglicherweise aus Gummi gefertigte Schnürstiefel, die in der Art von Sandalen zahlreiche wasserdurchlässige Öffnungen aufweisen. Sie war noch nicht im Wasser (es gibt also keinen "Wet-T-Shirt"-Effekt), aber durch die gestreckte Körperhaltung zeichnet sich ihre rechte (dem Betrachter zugewandte) Brust deutlich unter dem Stoff des Kostüms ab. Ich vermute, DAS war in diesem Fall das hauptsächliche Anliegen des Fotografen, diese Brust auf züchtige Weise der Mitwelt vor Augen zu führen. Etliche andere Badende, eine davon bereits im Wasser, blicken freundlich (aber ohne allzu große Neugier) zum Fotografen hinüber.

Kopf hoch, Brust raus. Fertigmachen zum Sprung ins Wasser

Die meisten dieser Bilder zeigen im Hintergrund gigantische Strandaufbauten, allesamt aus Holz - hier handelte es sich um Strandcafés, Vergnügungsareale, alle möglichen Geschäfte ("The French Shop"), Umkleidekabinen und die Boardwalks, wie man sie aus dem Song Under the Boardwalk kennt, wo die Badegäste promenieren konnten, während darunter, im Schatten, die Liebenden, leichtbekleidet, schmusen konnten. Allerdings stammt der Song

aus dem Jahr 1964. Da waren mittlerweile volle 50 Jahre vergangen.

In Atlantic City, New Jersey, war im Jahr 1902 eine komplette Strandpromenade abgebrannt. Die Fotos, die ich gesehen habe, zeigen aber alle nur intakte Gebäude. Es muss einen raschen Wiederaufbau gegeben haben.

Und große Strandbegeisterung. Auf den Bildern kann man sehen, dass die Leute das Baden und das Strandleben genießen. Man sieht lächelnde Gesichter, man spürt Lebensfreude, die sich auch dem Betrachter mitteilt. Andererseits könnte man  wieder meinen, man hätte ganze Pinguin-Kolonien vor sich. Auf den Fotos, in Schwarz/Weiß gehalten, sieht man nur Menschen, die praktisch von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet sind. Auf einem Foto tummeln sich unzählige Jungen und Mädchen, alle in recht ähnlicher Strandkleidung. D.h. auch die Jungs haben ein Schwimmhemd an, das den Oberkörper verdeckt. Aber diese Kids hätten ebenso gut in Deutschland wie in New Jersey aufgenommen werden können. Es ist kein einziger Schwarzer unter ihnen, kein einziges Mitglied einer irgendwie gearteten nicht-weißen Rasse. Nicht mal ein schwarzes Kinderfrollein, das auf ihre weißen Mündel aufpasst.[1]

Kein Wunder, dass ein berühmtes amerikanisches Vorurteil lautet, Schwarze könnten gar nicht schwimmen.

Dafür stehen die fast schwarz gebräunten, weißen Strandwächter schon recht körperentblößt in der Landschaft herum. Amtlich, mit einer Art Polizistenkäppi am Kopf. Und die Damen steigen vollbekleidet in Umkleidekabinen, die ein paar Meter in die Fluten hineingerollt sind. Innen drin kleiden sie sich um, gehen dann in kompletter Schwimm-Montur auf der anderen Seite hinaus ins Wasser und anschließend auf dem gleichen Weg zurück. Nasse Kleidung ausziehen, trockene Kleidung anziehen, wieder an Land.

Der fotografische Nachweis zeigt also ein etwas zweideutiges Verhältnis zur Nacktheit in der Öffentlichkeit. Männer, vor allem mit offizieller Funktion, durften sehr viel mehr nackte Haut zeigen als Frauen. Das Badevergnügen am Strand war zugleich organisiert und reglementiert - wie in einem großen öffentlichen Schwimmbad. Ich vermute, schwarzes Personal kam am Abend, um den Strand mit großen Harken oder Rechen zu säubern, um liegen gebliebene Objekte einzusammeln, usw. Davon habe ich keine Fotos entdecken können. Wieweit es üblich, erlaubt oder verboten war, an wilden Stränden irgendwo sonst zu schwimmen, ob es in Amerika vor 100 Jahren bereits weibliche Schwimmkleidung gab, die etwas weniger nasses Textil am Körper kleben ließ, ob es separate Strände für schwarze Schwimmer gab - all das verlangt nach einer eigenen historischen Studie. Aber es darf angenommen werden, dass bei etwaigen Bikini-Trägerinnen sehr rasch die Polizei erschien und die unzureichend Bekleideten in einer "Schwarzen Maria" ("Grüne Minna") davon kutschierte.

Immerhin, eine Stimme zum Thema Nacktheit in der Öffentlichkeit dringt aus jener Zeit klar und deutlich herüber. Es ist die Stimme von Edgar Rice Burroughs. Des Verfassers der Tarzan-Romane. Außer der Tarzan-Serie schrieb Burroughs zahllose andere Sci-Fi-Fantasien - in denen beispielsweise eine halbnackte Mars-Königin sich mit verschiedenen Urwelt-Monstern herumbalgt. Nacktheit war also sehr wohl der dominante Grundakkord in allen diesen Romanen. Und was die vielen Tentakeln zu bedeuten hatten, die wie die Fangarme eines großen Oktopusses auf diese weibliche Nacktheit drangen, lässt sich selbst dem unaufgeklärtesten Leser heute leicht erschließen. Damals, in einem von freudschen Erkenntnissen weitgehend unbeleckten Amerika, mag diese sexuelle Komponente noch unerkannt geblieben sein.

Die Comiczeichner mussten bei der Umsetzung von Burroughs Romanen nicht viel erfinden. Die Nacktheit der Mars-Königin Dejah Thoris gehörte zur Grundausstattung dieser fiktiven Gestalt.

Burroughs gibt, stellvertretend für seine Leser und Leserinnen, dem Sexualbedürfnis bzw. den Sexualfantasien seiner Zeit Ausdruck, d.h., er bietet dem Druck ein Ventil: In einem imaginären Land "auf dem Mars" darf eine Frau sich, so gut wie "total nackt" mit "Neandertalern" ("Negern"?) balgen - also letztlich Gruppensex haben. Sie darf sich ganzen Batterien von phallischen Objekten ausgesetzt sehen. Und die Männer können ihrerseits im Kollektiv ihren eigenen Vergewaltigungsfantasien nachgehen und nachgeben.

Bei Tarzan ist die Sachlage noch ein wenig anders. Er, der völlig nackt unter Affen aufwächst, und höchstwahrscheinlich (wie jeder gewöhnliche Zoo-Besucher) hunderte Male seinen äffischen Clan-Kollegen bei Kopulation und Insemination zugesehen hat, ohne je das Bedürfnis zu empfinden, an solchen Liebesspielen teilzunehmen, sich bei deren Anblick selbst zu befriedigen (oder was dergleichen Optionen mehr gewesen wären), erwacht, ungefähr mit 10 Jahren, wie Adam, der biblische erste Mensch, urplötzlich zu einem Bewusstsein seiner Nacktheit.

Wohlgemerkt, seiner Unbekleidetheit, nicht etwa seiner Sexualität:

Im Grunde seines kleinen Herzens hegte er den lebhaften Wunsch, seine Nacktheit mit Kleidern zu bedecken, denn aus den Bilderbüchern hatte er ersehen, dass alle Menschen bekleidet waren, während die Affen und andere lebende Wesen nackt umhergingen.

Frage: Wie kommt Tarzan im Dschungel an Bilderbücher? Antwort: Es sind jene Bände, die er in der Blockhütte seiner verstorbenen Eltern entdeckt hat. Tarzan selbst ist bekanntlich von großen Menschenaffen aufgezogen worden. Beim Studium der Bücher stört es ihn übrigens nicht, dass die Skelette seiner Altvordern nicht nur von allem Fleisch, sondern auch von aller Kleidung befreit, in ihren Betten leise vor sich hin gammeln. Oder es fällt dem sonst so scharfen Naturbeobachter nicht weiter auf. Beim Anblick der Bilderbücher kommt er hingegen zu einem philosophischen Schluss:

Kleider mussten also ein Kennzeichen von Größe sein, der Ausdruck der Überlegenheit des Menschen über alle anderen Tiere, denn es gab doch sicher keinen anderen Grund, etwas so hässliches wie Kleider zu tragen.

Burroughs, der, wie gesagt, in anderen seiner Romane durchaus als Anhänger der FKK gelten könnte, schiebt hier seinen eigenen Zwiespalt auf seinen Helden:

"... jetzt war er stolz auf seine glatte Haut, denn sie war der Beweis seiner Abstammung von einer mächtigen Rasse, und so schwankte er zwischen dem Wunsche, nackt zu gehen, um seine Abstammung erkennen zu lassen, und dem Wunsche, nach Art der Menschen eine unschöne und unbequeme Kleidung zu tragen.

Endlich, mit 18 Jahren, begegnet Tarzan dem ersten Menschen im Dschungel. Es ist, da die Geschichte in Afrika spielt, ein Schwarzer. Ein "Neger".:

Tarzan schaute erstaunt auf das seltsame Geschöpf unter sich. In der Gestalt war es ihm so ähnlich, und doch im Gesicht und in der Farbe so verschieden. In seinen Büchern hatte er Bilder von Negern gesehen, aber wie verschieden waren diese unbeholfenen toten Abdrücke von diesem glatten, hässlichen schwarzen Wesen, das voll Leben war.

Das ist die deutsche Übersetzung. Im Original verwendet Burroughs statt "hässlich" das Wort "hideous" - der Schwarze wird also qua Schwarzer als "abstoßend", "widerwärtig" bezeichnet. Tarzan (der Name, versichert uns der Autor, bedeutet in der Affensprache "Weißhaut") lässt es sich den auch bald angelegen sein, wie nur je ein deutscher General in Namibia, diese schwarzen Menschen en gros auszurotten. Zunächst aber benötigt er einmal ihre Kleidung. Wer je ein Foto eines Film-Tarzans sah, Johnny Weissmuller, Lex Barker, etc., wird den charakteristischen Lendenschurz in Erinnerung haben. Auf dem Cover einer frühen deutschen Ausgabe des Buches sieht man Tarzan noch komplett nackt, wenn auch lediglich von der rückwärtigen Perspektive.

Tarzan, Hinteransicht, nur mit einem Messerschaft bekleidet

Die Frage, die sich Tarzan stellt, da er der Schneiderskunst nicht mächtig ist, lautet: Wie komme ich an menschliche Kleidung heran? Die Lösung: Mit einem Lasso:

Die zwei ersten ließ Tarzan ruhig durch, als aber der dritte kam, warf er leise seine Schlinge herunter, die den Schwarzen gerade um den Hals traf. Ein fester Ruck - und die Schlinge war zu. - Das Opfer stieß einen röchelnden Schrei aus, und als seine Genossen sich umsahen, erblickten sie ihn, wie er in der Luft baumelte und gleichsam durch Zauberkraft in das dichte Laubwerk der Bäume hinaufgezogen wurde. - Vor Entsetzen schreiend liefen sie weiter.

Wir sehen nun Tarzan in seiner Dschungel-Boutique, wie er sich zu jenem scheinbar so harmlosen Lendenschurz verhilft, den wir bislang, ohne mit der Wimper zu zucken, in den Tarzan-Filmen goutiert haben:

Tarzan erledigte seinen Gefangenen schnell und ruhig. Er nahm ihm seine Waffen und Zierrat ab und - was ihn am meisten freute - ein zierliches Schurzfell, aus einem Tuchlappen bestehend, das er sich nun selbst umband. - Jetzt war er wenigstens ordentlich wie ein Mensch angezogen. Nun konnte niemand mehr an seiner hohen Abstammung zweifeln. Wie gern wäre er jetzt zum Affenstamme zurückgekehrt, um sich ihren erstaunten Blicken in seinem ganzen würdevollen Staate zu zeigen.

Und wenn er eine neue Unterhose benötigt, holt Tarzan sie sich auf die gleiche Weise. Das kann man, ungelogen, genau so in diesem Buch nachlesen. Doch genug des grausamen Scherzes. Es bleibt zu konstatieren: Vor 100 Jahren, 1912, als Burroughs seinen Tarzan-Roman schrieb, und als, zeitgleich, viele dieser Strandfotos entstanden, scheint es in Amerika eine - vielleicht nie expressis verbis formulierte, eine in stummem Einverständnis akzeptierte - mythische Wahrheit gegeben zu haben, die in gewisser Weise bis heute fortdauert, wonach der Mensch, zu seinem Menschsein der Kleidung bedarf; dass er unbekleidet auf den Status des wilden Tieres zurücksinkt.

Und doch gab es diese Sehnsucht zurückzukehren zur kindlichen Unschuld, an diesen Strand, an dem man nass bis auf die Haut sein konnte, auch wenn man angezogen bleiben musste; und auch die Tarzan-Geschichte entwickelte sich zu einem großen Wunschtraum der Frauen: Einen Mann nackt in ihrer Welt zu haben, wenigstens in der Fantasie. [Auch meine Ausgabe, eine britische 18te Auflage des Buches aus dem Jahr 1928, gehörte einst einer "Nancy Hughes".] Und genau hier, an dieser Stelle, an dieser ungeschützten Achillessehne der amerikanischen Seele, musste man wohl ansetzen, wenn man das zu dieser Zeit weitgehend friedliebende Volk zu größerer Kriegsbereitschaft aufstacheln wollte:

Im Juli 1916, der Erste Weltkrieg war im vollen Gange, die amerikanische Bevölkerung erwies sich weiterhin renitent kriegsabstinent, da brach über die Sommerfrischler das Böse in seiner mythischsten Ausprägung herein: Ein Riesenhai vor New Jersey forderte innerhalb kürzester Zeit vier Todesopfer. Der Effekt war kalamitös. Die gesamte Infrastruktur der Strandaufbauten, die auf diesen Fotos so beeindruckend emporragt, kollabierte praktisch instanter und dauerhaft. Ein Jahr später, 1917, trat Amerika in den Weltkrieg ein, mit zwei Millionen Mann unter Waffen.

Und der große Hai tauchte ab in den mythischen Untergrund der amerikanischen Seele, bis er, zwei Generationen später, vom Autor Peter Benchley und dem Filmemacher Steven Spielberg wieder aufgegegriffen

wurde. Der Horror erwies sich weiterhin als virulent, auch wenn die Story nun (der Gnade der späten Geburt oder schlicht der kulturellen Amnesie geschuldet) nicht mehr mit irgendeiner Realität in Zusammenhang gebracht wurde, so als ob man die Pearl Harbour-Story ohne den Zweiten Weltkrieg oder 9/11 ohne den Irakkrieg erzählen würde. Haie vor New Jersey gelten weiterhin als Seltenheit, und so ein Großer Weißer, wie im Sommer 1916, hat sich seitdem auch nicht wieder, ohne fremde Hilfe, nach dorthin verirrt.

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