Stonehenge: Monument der britischen Einheit?

25.06.2012

Nach dem bislang größten Forschungsprojekt scheint das sagenumwobene Steinzeitmonument entzaubert zu sein

Stonehenge lockt die Menschen an und hat schon viele Fantasien angeregt, welchen Zwecken die Megalith-Anlage aus konzentrischen Kreisen gedient haben könnte. Das Bauwerk, das zum Weltkulturerbe erklärt wurde, galt als großes Observatorium oder als Kalender, als Tempel von Druiden oder als Feststätte. Ein britisches Wissenschaftlerteam weist nun alle bislang aufgestellten Theorien zurück. In dem bislang größten Forschungsprojekt über Stonehenge, dem Stonehenge Riverside Project, wurden Häuser und ein Dorf in der Nähe und ein weiterer Steinkreis - Bluestonehenge - entdeckt, zudem wurde die Entstehungszeit neu bestimmt.

Stonehenge beim Sonnenuntergang. Bild: Jeffrey Pfau/CC-BY-SA-3.0

Und die Wissenschaftler glauben nun auch herausgefunden zu haben, welchem Zweck die gigantische und auch heute noch beeindruckende Anlage, die hauptsächlich zwischen 3000 und 2500 v. Chr. Errichtet wurde, gedient hat. Danach hat es einen relativ profanen Sinn gehabt, es sollte nämlich die Menschen nach einer langen Konfliktperiode und Auseinandersetzungen zwischen Ost- und Westbritannien vereinen. Die Steine sollen die Ahnen der verschiedenen Gruppen darstellen, was auch durch die Herkunft der Steine selbst symbolisiert wird, da einige aus Südengland und andere aus dem westlichen Wales stammen.

Gebaut wurde es bereits an einem Ort, der vermutlich an sich schon eine Bedeutung gehabt hatte. Die Ausrichtung auf den Sonnenaufgang am Morgen der Sommersonnenwende würde der natürlichen Landschaft folgen, die zufällig eine Achse zwischen der Richtung des Mittsommersonnenaufgangs und des Sonnenuntergangs an der Wintersonnenwende formte. Das von Google finanzierte Projekt "Google Under-the-Earth: Seeing Beneath Stonehenge" hat wesentlich dazu beigetragen. Deswegen hätten die Menschen hier, wo der Weg der Sonne in die Landschaft eingeprägt ist, die Anlage errichtet, sagt Mike Parker Pearson von der University of Sheffield. Weil gleich acht Steine auf die Sonnenwende ausgerichtet seien, so viele wie anderswo noch nie gefunden wurden, könnte dies bedeuten, dass sie diesen Platz als Zentrum der Welt betrachtet haben.

Wie Pearson erklärt, habe es zur Zeit der Erbauung im Unterschied zum vorhergehenden Regionalismus eine wachsende Kultur mit einem gemeinsamen Stil von Häusern, Töpfereien und anderen Gegenständen auf der Insel gegeben. Zudem sei Stonehenge selbst ein gewaltiges Bauprojekt gewesen. Steine mussten über große Entfernungen transportiert, bearbeitet und errichtet werden: "Schon die Arbeit selbst, die es erforderlich machte, dass jeder buchstäblich zusammenrückte, war ein Akt der Vereinigung gewesen." Die britischen Menschen der Steinzeit waren seit Jahrhunderten isoliert vom Festland. Daher habe es auch keine von außen kommenden Einflüsse gegeben, sondern die Architektur baue auf der früherer Monumente und Gebäude auf.: "Stonehenge scheint der letzte Atemzug dieser Steinzeitkultur gewesen zu sein, die von Europa und von den neuen Techniken der Metallwerkzeuge und des Rads isoliert war."

Die Feier der Wintersonnenwende scheint den Menschen früher wichtiger gewesen zu sein. Zumindest wurden, wie man bei Ausgrabungen anhand von Schweinezähnen herausgefunde hat, in der nahe gelegenen Siedlung Durrington Walls zur Wintersonnenwende mehr Schweine verzehrt. Die meisten Steine, so Pearson, seien überdies auf den Sonnenauf- und -untergang bei der Wintersonnenwende ausgerichtet, während die von den Trilithen markierte Hauptachse in entgegengesetzter Richtung zum Sonnenaufgang der Sommersonnenwende ausgerichtet zu sein scheint.

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