Plagiatsfördernder Juniorprofessor?
Der Fall einer Medienpsychologin an der TU Dresden wirft die Frage auf, ob die umstrittene Neuerung im deutschen Universitätswesen das unwissenschaftliche Arbeiten begünstigt
Vor zehn Jahren führte die Bundesregierung über eine Änderung des Hochschulrahmengesetzes die so genannte "Juniorprofessur" in des deutsche Universitätswesen ein. Dabei handelt es sich um eine auf höchstens sechs Jahre begrenzte Stelle, für die die Habilitation nicht Voraussetzung ist. Eine offizielle Altersgrenze gibt es nicht, allerdings hat sich für solche Stellen informell ein Promotionshöchstalter von 28 Jahren etabliert.
Recht bald nach der Einführung kam man darauf, dass die Idee nicht wirklich durchdacht war: Heute gilt die Juniorprofessur in weiten Teilen der akademischen Welt als Sackgasse. Absolventen müssen fürchten, dass ihre Betreuer plötzlich nicht mehr prüfungsberechtigt sind - und dadurch, dass es sich nicht um eine Lebenszeitstelle handelt, klagen viele Juniorprofessoren darüber, dass sie nicht vernünftig arbeiten können, sondern nur damit beschäftigt sind, sich bei anderen Wissenschaftlern beliebt zu machen, um nach dem Ablauf der sechs Jahre wieder eine vernünftige Beschäftigung zu finden.
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| Hörsaalzentrum TU Dresden. Foto: TUD/Eckold |
Das Problem mit der Juniorprofessur könnte aber schon viel früher anfangen – nämlich bei der "herausragende Promotion", die die Jungwissenschaftler möglichst schnell hinter sich bringen müssen, um die informelle Altersgrenze nicht zu überschreiten. Darauf deutet aktuell der Fall der 1982 geborenen Medienpsychologin Nina Haferkamp hin, in deren 2010 erschienener Doktorarbeit über sozialpsychologische Aspekte im Web 2.0 der Medienwissenschaftler Stefan Weber auf den ersten hundert Seiten zehn längere Stellen fand, die ohne ausreichende Kennzeichnung wörtlich beziehungsweise nur mit verhältnismäßig kleinen Änderungen aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia und anderen im Internet zugänglichen Texten übernommen zu sein scheinen.
In der Vergangenheit waren solche Stellen ein Indiz dafür, dass das nähere Abklopfen der Doktorarbeit auf Plagiatsstellen hin zu weiteren Funden führt. Auch beim berühmten Fall Guttenberg standen am Anfang sehr viel weniger kopierte Teile als heute bekannt sind. Ob dies auch bei Haferkamp der Fall ist, könnte eine Crowd-Korrektur ans Licht bringen. Haferkamp selbst war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht erreichbar. Die Seite, die das Institut für Kommunikationswissenschaft an der im Juni mit einem "Exzellenzstatus" ausgezeichneten Technischen Universität Dresden für sie eingerichtet hatte, führt mittlerweile ins Leere. Selbst ihre Telefonnummer und Ihre Email-Adresse lassen sich nur noch über Umwege ermitteln.
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Es muss deshalb offen bleiben, ob die Medienpsychologin eventuell durch den Zeitdruck, den das Juniorprofessor-Modell künstlich aufbaut, zu einem Arbeitsstil verleitet wurde, der bisherigen wissenschaftlichen Standards nicht entspricht. Wäre das der Fall, dann könnte es sich vielleicht lohnen, auch andere Arbeiten von Juniorprofessoren im Crowd-Korrektur-Verfahren durchzusehen, das für das Finden von Plagiatsstellen wesentlich effektiver zu sein scheint als die traditionelle Korrektur der Gutachter, die akademische Arbeiten schon aus Zeitgründen eher inhaltlich als auf ungekennzeichnete Übernahmen hin prüfen müssen.
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37240/1.html- Re: Verwirrte Altersgrenze: 28 Jahre (12.7.2012 0:35)
- Verwirrte Altersgrenze: 28 Jahre (11.7.2012 9:46)
- Re: Ein typischer Mühlbauer (11.7.2012 9:13)
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