Kinderbetreuung: Rekrutierungspool Hartz-IV-Empfänger
Laut BA-Vorstand Alt wären rund 5.000 Arbeitslose für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers zu gewinnen
Not macht erfinderisch, sagt eine Volksweisheit. Ob aus Nöten immer gute Ideen entstehen, ist nicht verbürgt. Die Politik hat nicht ausreichend dafür gesorgt, um einzulösen, was das Ende 2008 in Kraft getretene Kinderförderungsgesetz (KiföG) als Rechtsanspruch formuliert: "Ab dem 01. August 2013 soll nach Abschluss der Ausbauphase ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder vom vollendeten ersten bis zum vollendeten dritten Lebensjahr eingeführt werden."
Die Regierungspolitik hat ihr eigenes Vorhaben verschlafen, ist von vielen Eltern zu hören, die von dem von-der-Leyen-Rettungsvorschlag, Hartz-IV-Empfänger zu Erziehern umzuschulen, wenig angetan sind. Der Einwand, der am häufigsten zu hören ist: "Wenn jemand Erzieherin oder Erzieher werden will, dann muss ihr/ihm das doch schon früher klar geworden sein und nicht erst über die Arbeitsagentur."
Der Anspruch ist unverkennbar, Eltern hätten gerne berufene Erzieher, die tagsüber ihre Kinder betreuen. Jemand, der viel Geduld und Nerven hat, einen besonderen Zugang zu Kindern mitbringt, der sich allmorgendlich - aber natürlich nicht nur in dieser Situation - schon unter Beweis stellen muss, wenn die Kleinen beim Abschied von Mama oder Papa sehr laut, sehr lange, herzzerreißend , mit manchmal großem Durchhaltevermögen heulen, weinen, schluchzen, klammern und sämtliche Beistehenden sich von der Erzieherin (oder den selteneren Erziehern) eine Lösung der Situation versprechen.
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Die Eltern erhoffen sich, dass die Kita-Betreuer durch eine möglichst gute pädagogische Ausbildung qualifiziert sind. Für staatlich anerkannte Erzieher dauert die Ausbildung fünf Jahre, zwei Jahre Vorpraktikum, zwei Jahre Berufsschule und ein Jahr Berufspraktikum - wo ihre Arbeit, die dann schon mit der von anerkannten Kollegen gleichzusetzen ist, dann mit 75 % des Lohns entgolten wird; Sparmöglichkeiten im Bereich der frühkindlichen Betreuung werden genutzt, das ist bekannt.
Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, vertritt angesichts der Personalnot (laut Städte- und Gemeindebundes fehlen "bundesweit noch 16.000 Tagesmütter und 14.000 Erzieherinnen") einen pragmatischen Standpunkt, der die Umschulungs-Idee von der Leyens aufgreift. Gegenüber der Rheinischen Post beschwichtigt er die Lage zunächst mit dem Verweis auf eine viel größere Zahl im Rekrutierungspool - "Unter den Langzeitarbeitslosen haben wir etwa 800.000 Menschen, die zumindest die schulischen Voraussetzungen dafür erfüllen" - und erwähnt, dass durch die öffentliche Debatte über den Mangel an Kita-Personal in der Agentur schon "erhöhte Nachfrage und erhöhten Beratungsbedarf" beobachtet wurde.
Den hellen Möglichkeitsrahmen einmal um das dunklere Bild aufgezogen, konkretisiert Alt etwas:
Durch intensive Beratung können wir vielleicht rund 5000 Arbeitslose für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers gewinnen.
Die Zeitung liefert dazu noch eine weitere konkrete Angabe, die die großen Zahlen zuvor weiter relativiert: "Derzeit werden 1.100 Erzieherinnen in einer von der Bundesagentur geförderten Ausbildung für den Beruf qualifiziert."
Im Gespräch mit der Zeitung gibt auch Alt zu bedenken, dass man nur jene Hartz-IV-Empfänger für den Erzieher-Job ausbilden könne, die das ausdrücklich selbst wünschen. "Für einen solchen Beruf sollte man sich nicht nach Aktenlage entscheiden", weswegen es sinnvoll sei, "wenn die Interessenten erst einmal in einer Kita ein Praktikum machten, um herauszufinden, ob das der richtige Beruf für sie sei".
Was daraus folgt? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Interessenten abspringen werden. Die Umschulung wird die Personalnot kaum spürbar beheben. Wahrscheinlich werden ab nächsten August eine Reihe Klagen von Eltern aufgrund des KiföG eingehen. Aber für manche Arbeitslose könnte schon zutreffen, was die Grüne Brigitte Pothmer zwar übertrieben feierlich, aber angesichts der Situation von Langzeitarbeitslosen nicht grundlos, zum Lotterie-Vergleich greifen lässt: "Es ist ein Hauptgewinn auf einen sicheren Arbeitsplatz."
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37244/1.html- Re: Ja genau! Am besten die Leute ohne jede Ausbildung und Niveau in die Kitas. (22.7.2012 13:10)
- Re: jawoll- neue sklaven braucht das Land (18.7.2012 14:19)
- Re: Wie geil (15.7.2012 14:48)
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