Frische Rhythmen

Drei Rhythmus-Spiele: "Beat the Beat: Rhythm Paradise" für die Wii, "Theatrhythm: Final Fantasy" und "Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers" für den 3DS

Gleich drei Rhythmusspiele sind in den letzten Monaten für Nintendos Konsolen erschienen. Jedes hat ein eigenes Konzept: Nintendos "Beat the Beat: Rhythm Paradise" ist eine Sammlung von Minispielen, Segas "Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers" erzählt eine Geschichte mit Adventure-Elementen und "Theatrhythm: Final Fantasy" von Square Enix führt den Spieler durch die musikalische Vergangenheit der "Final-Fantasy"-Serie.

Rhythmischer Minimalist

Nintendos Rhythm Paradise für den DS war vor drei Jahren ein kleiner Geheimtipp. Die Minispielsammlung entpuppte sich als anspruchsvolles Rhythmus-Game. Die hauseigenen Entwickler verstecken die anspruchsvollen Aufgaben hinter teils niedlichen, teils skurrilen Settings. Der Nachfolger Beat the Beat: Rhythm Paradise für die Wii geht denselben Weg.

Federball statt Schlagzeug

Anders als bei typischen Genrevertretern wie Activisions Guitar Hero haben die Minispiele keinen direkten Bezug zur Musik. In Nintendos Spiel wird weder getanzt noch gesungen, auch dient der Controller nicht als Ersatz für eine Gitarre oder ein Schlagzeug. Stattdessen muss der Spieler beispielsweise Erbsen mit der Gabel einfangen oder in einem Flugzeug Federball spielen.

Gutes Rhythmusgefühl ist der Schlüssel zum Erfolg. Auch wenn die Musik nicht im Vordergrund steht, sind alle Minigames von Stücken untermalt, die im Wortsinne den Takt angeben. So muss der Spieler typischerweise zu Beginn einer Aufgabe im Rhythmus den A-Knopf drücken. Gelegentlich verdoppelt oder halbiert sich das Grundtempo, wenn beispielsweise ein Federball als hoher, langsamer Lob kommt. Häufig brechen im weiteren Verlauf zusätzliche Elemente wie Zwischenrufe den Rhythmus und laufen synkopisch, also neben der Betonung.

Der Takt spielt eine weit wichtigere Rolle als das Bild. Die Animationen sind meist zu schnell um darauf zu reagieren wie beispielsweise in den "Wario-Ware"-Minigames, die vom selben Entwicklerteam stammen. Der Spieler wird in "Beat the Beat" quasi zur Dame beim Tanzen: Er lässt sich von den Animationen führen und hält dabei die eingeübten Schritte passend zum Takt ein.

Der Wrestler darf im Takt posen

Nintendos Spiel verzichtet auf sämtliche Bewegungsmöglichkeiten des Wii-Controllers und beschränkt sich auf die beiden Haupt-Buttons. Die meisten Aktionen löst der A-Knopf aus. Gelegentlich kommt zusätzlich der B-Button zum Einsatz - beispielsweise für eine Greifbewegung der Spielfigur auf dem Bildschirm.

Von der Schwierigkeit her ist "Beat the Beat" das, was im Englischen gerne als "easy to learn, hard to master" bezeichnet wird - gutes Rhythmusgefühl vorausgesetzt: Wer auf Rockkonzerten stets neben dem Takt klatscht, wird keine Freude an den "Rhythm-Paradise"-Titeln haben. Am Ende jedes Minispiels bewertet die Konsole die Leistung. Eine "OK"-Wertung öffnet das nächste Game. Eine "Superb"-Wertung belohnt "Beat the Beat" mit einer virtuellen Medaille, die als Währung für diverse Extras dient.

Zwei Spieler dürfen mit- oder gegeneinander antreten

Nach jeweils vier Minigames folgt ein Remix, der alle vier kombiniert und mit teils schnellen Wechseln gutes Reaktionsvermögen verlangt. Da die Mischung bei jedem Versuch dieselbe bleibt, hilft ein wenig Übung, wenn es in den ersten Anläufen "Try Again" heißt.

Neben dem eigentlichen Hauptspiel gibt es Variatonen der einzelnen Minigames , mit Medaillen erkaufte Spielzeuge und sonstige Boni. Gelegentlich fordert "Beat the Beat" den Gamer heraus, einen Level, für den er eine Medaille errungen hat, perfekt zu absolvieren und so einen zusätzlichen Bonus zu erhalten.

"Beat the Beat: Rhythm Paradise" ist wie bereits der Vorgänger ein spaßiges und gleichzeitig anspruchsvolles Rhythmusspiel, das sich trotz des grafischen Eindrucks deutlich von den typischen Party-Games unterscheidet. Es ist zudem deutlich origineller als viele Genrevertreter, weil es den Bezug zur Musik hinter Cartoon-Elementen versteckt. Die Jagd nach Medaillen und den damit verbundenen weiteren Spielzeugen sorgt für eine gute Dauermotivation. Wer allerdings kein Gespür für den Beat hat, sollte lieber einen Bogen um Nintendos Spiel machen.

Tanz mit Napoleon

Segas Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers ist in Deutschland bereits im April erschienen. Die Rahmenhandlung ist ein Adventure mit einer typisch japanischen Geschichte um Diebe, Macht und Musik in Paris. Inhaltlich und auch vom grundsätzlichen Aufbau ist das Spiel mit Nintendos "Professor Layton"-Titeln vergleichbar.

Der tanzende Dieb Phantom R

Statt der Rätsel stehen bei Segas Game allerdings Rhythmus-Minispiele im Fokus. Echte Adventure-Aufgaben wie in Point-And-Clicks gibt es keine. Gelegentlich muss der Protagonist etwas - typischerweise die Aufnahme eines Geräuschs - besorgen, bevor die Story weitergeht. Darauf, wie er das zu tun hat, wird er allerdings schon zu deutlich hingewiesen, als dass es irgendwie rätselhaft bliebe.

Die rhythmischen Aufgaben sind dafür abwechslungsreich. Die Geschichte startet mit einer Tanzsequenz, die spielerisch wie musikalisch an Segas Spielhallen- und Konsolen-Klassiker Space Channel 5 erinnert, deren Protagonistin Ulala einen kleinen Gastauftritt hat. Auch Segas zweites bekanntes Musikspiel Samba de Amigo schimmert in einigen Minispielen durch, wobei der Touch-Screen freilich ein schwacher Ersatz für die fehlenden Maracas-Controller des Originals in der Spielhalle beziehungsweise an der Dreamcast ist.

Auf der Flucht muss Phantom R im Takt bleiben

Auch Fluchtsequenzen und Kämpfe sind Rhythmusspiele. Einige Games verwenden den Touchscreen, andere die Buttons. Auf die Vermischung der beiden verzichten die Entwickler glücklicherweise. Das Gyroskop des 3DS kommt ebenfalls zum Einsatz, wenn der Spieler beispielsweise einen Flugdrachen durch Kippen der Konsole steuert.

Der Schwierigkeitsgrad steigt angenehm. Die letzten Aufgaben erfordern häufig mehr als einen Anlauf, wobei ein "Game Over" lediglich das Wiederholen der verlorenen Herausforderung zur Folge hat.

Die Geschichte ist Anime-typisch und für Freunde des Genres interessant. Häufig stört die Rahmenhandlung jedoch auf dem Weg zum nächsten Rhythmusgame. Zwar ist das Erzählte nett, aber der Spieler verbringt zu viel Zeit damit herumzurennen und häufig belanglose Dialoge durchzuklicken. Auch die Nebenaufgaben in Form von Sammlungen können bei weitem nicht so überzeugen wie die in "Professor Layton" .

Der Dieb als Beschützer der Violinisten Marie

Das Hauptspiel mit der Erzählung ist deutlich kürzer als bei Nintendos Rätselspielserie. Der Wiederspielwert ist dafür höher: Ein Bewertungssystem lädt zum erneuten Anlauf auf die einzelnen Herausforderungen ein. "Rhythm Thief & der Schatz des Kaisers" ist genau das Richtige für diejenigen, die auf eine Fortsetzung der "Space-Channel-5"-Serie warten: Die Rhythmen sind eingängig, die Spiele anfangs einfach, später richtig knackig. Allerdings wäre beim Drumherum weniger mehr gewesen.

Rollenspiel-Sounds für Nostalgiker

Theatrhythm: Final Fantasy von Square Enix ist, wie der Name vermuten lässt, ein Rhythmusspiel auf Basis der Soundtracks von "Final Fantasy I" bis Final Fantasy XIII. Zunächst stellt sich der Spieler rollenspieltypisch eine Gruppe aus vier Helden der Serie zusammen und zieht mit ihnen in ein beliebiges Abenteuer. Jedes bietet zunächst fünf Musikstücke des entsprechenden "Final Fantasy", wobei die Intro und der Abspann keine wirklichen Spiele sind, sondern lediglich Boni bringen und den erzählerischen wie musikalischen Rahmen bilden.

Die Battle Music Stage erinnert an die Kämpfe in den frühen "Final-Fantasy"-Games

Jede Welt enthält die drei unterschiedliche Spielarten Battle-, Field- und Event-Music-Stage. Bei der Battle Music Stage stehen die vier Helden verschiedenen Monstern des jeweiligen Titels gegenüber. Visuell entspricht das den Rollenspielkämpfen der älteren "Final-Fantasy"-Titeln, aber über Sieg oder Niederlage entscheiden keine Angriffe und Zauber, sondern das Rhythmusgefühl. Eine Reihe von "Noten", die eigentlich nur Symbole sind, läuft vom Monster zu den Helden und der Spieler muss beispielsweise für einen Pfeil nach rechts im passenden Moment den Stylus von links nach rechts über den Touchscreen ziehen. Je besser das Timing, umso stärker ist der Angriff. Verpasste Noten führen dagegen dem entsprechenden Charakter Schaden zu. Gegen Ende des Kampfes warten Bossgegner, die spielerisch keine Änderung mit sich bringen, aber länger durchhalten.

Die Field Music Stage ist die Reisephase, in der ein Charakter durch die Landschaft zieht. Genaugenommen scrollt die Landschaft im Hintergrund. Mit ihr laufen wie bei der Battle Music Stage Noten von links nach rechts, die dem Spieler anzeigen, was er im passenden Moment zu tun hat. Als Besonderheit gegenüber den Kämpfen gibt es längere Linien, deren Berg- und Talverlauf der Stylus auf dem Touchscreen nachzeichnen muss. Ziel der Reise ist ein weiterer Charakter, der als Belohnung üblicherweise einen nützlichen Gegenstand bereithält.

Die Event Music Stage zeigt Szenen aus dem jeweiligen Spiel als Videoclips. Die Noten erscheinen dabei nicht geradlinig, sondern werden quasi auf den Bildschirm gemalt. Die Formen passen zur Szene und folgen beispielsweise grob den Handbewegungen der Figur im Hintergrund oder skizzieren Tanzschritte. Spielerisch ist jedoch nur der Rhythmus entscheidend: Der Stylus muss nicht die Linienbewegung nachzeichnen, sondern nur im passenden Moment die auf den Noten angezeigten Bewegung ausführen.

Eine Schlüsselszene aus "Final Fantasy X" in der Event Music Stage

Unabhängig von der Variante, verlieren die Charaktere Lebensenergie, wenn der Spieler eine Note verpasst. Ist die Energie aufgebraucht, heißt es "Game Over". Alle drei Varianten haben eine sogenannte Feature Zone, in der die Noten blau eingefärbt sind. Meistert der Spieler diese Sequenz, erreicht er eine Bonusphase. In Kämpfen erscheint eine "Final-Fantasy"-typische Beschwörung wie Ifrit oder Shiva, die einen starken Angriff ausführt. Auf der Reise darf der Charakter ein Chocobo reiten, mit dem er schneller vorankommt, und die "Event Music Stage" geht in eine Verlängerung.

Darf in keinem "Final Fantasy" fehlen: Der Ritt auf dem Chocobo

Die Belohnungen bringen neben dem visuellen Anreiz höhere Punktzahlen. Am Ende jeder Phase bewertet "Theatrhythm" das Rhythmusgefühl. Die vier gewählten Charaktere erhalten wie in den Rollenspielen Erfahrungspunkte. So steigern sie auf Dauer ihre Attribute und richten beispielsweise mehr Schaden in den Kampfsequenzen an oder erhöhen ihre Lebensenergie. Mit der Zeit erlernen die Charaktere Fähigkeiten, die das Meistern der einzelnen Phasen erleichtern.

Die Rollenspielelemente bleiben jedoch genügend im Hintergrund und wirken sich weit weniger aus als gutes Timing. Auf den höheren der insgesamt drei Schwierigkeitsstufen ist mehr Lebensenergie aber durchaus hilfreich. Neben dem normalen Modus gibt es weitere Herausforderungen und Sammlungen. Spielerisch bleibt es jedoch immer bei den drei Varianten Battle-, Field- und Event-Stage. Auch gibt die Hintergrundgeschichte - der Kampf zwischen Cosmos und Chaos - bleibt dezent im Hintergrund. Der Chaos-Shrine-Modus ist eine zusätzliche Herausforderungen mit zahlreichen Kombinationen der Field und Battle Music Stages sowie diversen Bossen, die seltene Gegenstände abwerfen. Wie in vielen Musikspielen inzwischen üblich, verkauft Square Enix zusätzliche Songs mit entsprechenden Feld- oder Kampfsequenzen als Downloadable Content. Die aufwändiger gestalteten Event Music Stages gibt es zumindest derzeit nicht zu kaufen.

"Theatrhythm: Final Fantasy" ist ein äußerst gelungenes Musikspiel auf Basis der inzwischen 25 Jahre alten Rollenspielserie. Der Spieler muss zwar kein "Final Fantasy" gespielt haben, um es zu meistern, aber ohne Bezug zur Reihe zündet der Funke vermutlich nicht richtig. Fans der Serie dürfen- besonders in den Event Music Stages - zahlreiche nostalgische Momente erleben.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Anzeige
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Anzeige
Cover

Krisenideologie

Wahn und Wirklichkeit spätkapitalistischer Krisenverarbeitung

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Anzeige

TELEPOLIS