Ließe sich wie im Film Armageddon die Erde retten?

14.08.2012

Physikstudenten haben einmal berechnet, ob und wie die Erde durch das Sprengen eines Asteroiden mittels einer Atombombe gerettet werden könnte

Ein Asteroid rast auf die Erde zu und könnte sie zerstören. Was können die Menschen machen, um die Apokalypse zu verhindern? 1998 wurde in dem Katastrophenfilm Armageddon erzählt, dass ein Asteroid mit einem Durchmesser von 1000 km Richtung Erde fliegt und es einem tapferen Team in letzter Minute gelingt, durch eine Sprengung mittels einer in den Asteroiden eingebohrten Atombombe die Erde zu retten. Der Asteroid wird in zwei Teile gespalten, die an der Erde vorbeifliegen.

Asteroid 433 Eros. Bild: NEAR Project, NLR, JHUAPL, Goddard SVS, NASA

Blödsinn sagen Physikstudenten der University of Leicester im Journal of Physics Special Topics und haben sich einmal die Mühe gemacht, das im Film gezeigt Szenario auf seinen Wirklichkeitsgehalt abzuklopfen. Sie kommen zum Schluss, dass es keine Atombombe gäbe, zumindest jetzt nicht, die das zustande bringen könnte. Sie müsste schon eine Milliarde Mal stärker als die größte Atombombe sein, die jemals gezündet worden ist. Das war die russische 50-Megatonnen Wasserstoffbombe AN602 im Jahr 1961.

Die Studenten haben berechnet, wie groß die Sprengkraft eine Bombe sein müsste, die einen solchen im Film angenommen Asteroiden mit einer Geschwindigkeit von mehr als 35.000 km/h in der Entfernung von 100.000 km von der Erde so in zwei Teile zerreißen würde, dass diese jeweils mit einem Abstand von mindestens 640 km an der Erde vorbeifliegen würden. Im Film wird von einem Asteroiden vorwiegend aus Eisenferrit gesprochen, die Studenten gingen daher von einer Dicht von 7.000 kgA-3 aus.

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Notwendig wären nach den Berechnungen dafür 800 Billionen Terajoules an Energie, die AN602 hatte gerade einmal etwas mehr als 400.000. Überdies hätte der Asteroid deutlich früher als im Film entdeckt werden müssen, um eine Chance zu haben, was aber der Dramaturgie und überhaupt dem Narrativ geschadet hätte. Man hätte den Asteroiden in einer Entfernung von etwa 12,9 Milliarden km entdecken und ihn gleich darauf in Stücke sprengen müssen. Das entspräche der Entfernung bis zum Kuipergürtel, wo es tatsächlich viele Eis-Asteroiden gibt, aber keine aus Eisen. Es wäre jedenfalls keine Zeit dafür vorhanden, dass ein Mensch rechtzeitig dorthin fliegen könnte. Später würde es nicht mehr gelingen, die Teile so weit zu sprengen, dass sie im sicheren Abstand an der Erde vorbeifliegen.

Das Fazit: Derzeit gibt es die technischen Mittel nicht, um die Erde mit dieser Methode vor einem Asteroiden zu schützen. Man muss also an andere Möglichkeiten denken. Ben Hall, einer der Studenten, schlägt vor, man könne doch den Asteroiden mit irgendwelchen Antrieben aus der Bahn drücken. Aber das dürfte ebenfalls keine realistische Chance sein, weil auch dann der Asteroid frühzeitig gesichtet werden müsste und es zu lange dauern würde, die Technik dorthin zu bringen, einmal ganz abgesehen von der Größe.

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