USA schlechter als Griechenland

15.08.2012

Nur Slowenien und Türkei könnten in einer Generation tilgen

Diese Zahlen findet man nicht in Mainstream-Medien: Anstatt mit dem Bruttosozialprodukt werden die Schulden hier mit den Steuereinnahmen verglichen. So lässt sich errechnen, wie viele Jahre ein Land bräuchte, um über Sparmaßnahmen oder Steuern und Vermögensabgaben seine Schulden zu tilgen. Das unerwartete Ergebnis: Zwei von den Ratingagenturen nicht eben positiv bewertete Staaten, die Türkei und Slowenien, haben das günstigste Verhältnis von Steuereinnahmen und Staatsschulden.

Tabelle 1: Verschuldung von Staaten in Prozent ihrer Steuereinnahmen
StaatSteuern in % des BIPSchulden in % des BIPDifferenz in %
Japan28,30229,77711,90
Vereinigte Staaten26,90102,93382,64
Griechenland33,50160,80380,00
Italien42,60120,10181,92
Deutschland40,6081,51100,76
Frankreich44,6086,2693,40
Spanien37,3068,4783,56
Niederlande39,8066,2366,40
Schweiz29,4048,6465,44
Türkei32,5039,4321,32
Slowenien39,3047,3120,38
Quellen: Basel Institute of Commons and Economics International Monetary Fund, April 2012, Heritage Foundation 2012, Berechnungen der OECD und von Eurostat weichen in der Steuerquote ab.

Da der Großteil der Staatsanleihen eine Laufzeit von zehn Jahren hat, ist die Spekulation auf eine mehrfache Verlängerung der Anleihen mit einer Prognose für 30 und mehr Jahre verbunden. Staatsanleihen werden damit zu einer völlig ungewissen Wette auf die Zukunft. So viele Jahre müsste getilgt werden, um die Schulden abzubauen:

Tabelle 2: So viele Jahre brauchen die Staaten, wenn sie durch Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen und Sonderabgaben tilgen möchten:
StaatKürzung / Erhöhung 5%
Kürzung / Erhöhung 10%
Japan162,3881,19
Vereinigte Staaten76,5238,26
Griechenland9648
Italien56,3828,19
Deutschland40,1520,07
Frankreich38,6819,34
Spanien36,7118,35
Niederlande33,2816,64
Schweiz33,0816,45
Türkei24,2612,13
Slowenien24,0712,03
Quelle: Basel Institute of Commons and Economics

Wir sehen: Nur in der Türkei und in Slowenien sind die Schulden innerhalb einer Generation abbaubar. Allerdings reichen solche Vergleiche nicht aus, um die Bonität von Staatsanleihen zu beurteilen. So werden die Schweizer Schulden etwa durch mindestens drei weitere Umstände unproblematischer. Der Schweizer Staat besitzt nämlich wertvolle Unternehmen wie die SBB, die Swisscom und die Post. Die Kredite für große Infrastrukturmaßnahmen wie etwa Tunnel werden über Gebühren zurückgeführt. Zuletzt sorgt die Abschaffung des Beamtentums seit dem Jahre 2000 dafür, dass immer weniger Pensionen den Staatssäckel belasten.

In Japan, wo inzwischen keine Zinsen mehr für Staatsanleihen bezahlt werden, sind die alten Menschen bereit, drastische Wohlstandsverluste zu akzeptieren. Selbst ein Totalausfall für die inländischen Anleger könnte in Japan wohl ohne soziale Verwerfungen verkraftet werden. Beide Beispiele zeigen, dass innergesellschaftliche Faktoren, die man als Sozialkapital messen und bewerten kann, die Staatsschulden weitaus stärker beeinflussen, als die Zahlen zu Bruttosozialprodukt, Wachstum und Bevölkerung.

Wenn die Bevölkerung solidarisch ist - wie in Japan - oder ihr gemeinsames Eigentum pflegt, anstatt es zu verschleudern - wie in der Schweiz -, sind Staatsschulden völlig anders zu beurteilen als in Staaten, die nach dem Motto "Gewinne privatisieren - Verluste sozialisieren" leben. Dieser Unterschied ist nur durch aufwändige Einzelanalysen sichtbar. Den veröffentlichten Zahlen und Ratings ist er nicht zu entnehmen.

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