Sparmaßnahmen und Brandrodung

Ralf Streck 15.08.2012

Auf La Gomera sind schon 25% eines Naturparks abgebrannt, auch im übrigen Spanien brennt es

In ganz Spanien lodern weiter Waldbrände und auf den Kanarischen Inseln mussten in den letzten Tagen tausende Menschen vor den Flammen fliehen. Besonders trifft der Brandsommer La Gomera. 11% der Insel sind schon den Flammen zum Opfer gefallen. Nachdem bereits am Sonntag 3000 Menschen aus "Valle Gran Rey" in Sicherheit gebracht wurden, darunter auch viele Touristen, wurde am Montag auch Vallehermoso evakuiert. Das Dorf hat etwa 3000 Einwohner und liegt, wie sein Name sagt, in einem "herrlichen Tal" im Norden der Insel am Rand des Nationalparks Garajonay.

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Die gute Nachricht ist, dass die große Mehrheit der Menschen wieder in ihre Häuser zurückkehren konnte. Doch mit der Herrlichkeit ist es im Umfeld von Vallehermoso vorbei, denn ein Viertel dieses Unesco-Weltnaturerbes mit seinen einzigartigen Lorbeerwäldern ist in den vergangen zehn Tagen schon abgebrannt. Diese elf Millionen Jahre alten Wälder seien ernsthaft in Gefahr, erklärt die Regionalregierung. Erwartet worden war eigentlich, dass die Lorbeerwälder, die meist in einem feuchten Nebel liegen, davon geschützt würden. Doch Hitzewellen machen auch der Inselgruppe zu schaffen. "Es brennt auch in Gegenden, in denen es seit 150 Jahren keine Waldbrände mehr gegeben hat", sagt Humberto Gutiérrez, Sicherheitschef der Regierung.

Zunächst schien es am vergangenen Freitag, dass die Brände auf La Gomera nach einer Woche (Spanien im Brandsommer auf Rekordkurs) endlich unter Kontrolle gebracht worden seien, die über 4200 Hektar abgebrannt haben. Doch, so beklagen viele Menschen, seien die Löscheinheiten verfrüht abgezogen worden, nachdem Löschflugzeuge nur zaghaft vom Festland auf die Insel verlegt worden waren. Starker Wind und hohe Temperaturen, die über 40 Grad stiegen, führten am Samstag zum Wiederaufflammen und seither breiten sie sich die Feuer wieder aus. Bessere Witterungsbedingungen haben aber am Dienstag die Löscharbeiten begünstigt.

Es ist wie erwartet ein extremer Brandsommer in Spanien. Neben der Dürre wird er auch davon begünstigt, dass präventiver Brandschutz den Sparmaßnahmen zum Opfer fiel. Das musste nun sogar der Umweltminister Miguel Arias Cañete einräumen. Er erklärte, "vermutlich wurde weniger Unterholz in einigen Regionen beseitigt". Weil es sich um kostenintensive Arbeiten handelt, könnten hier in einigen Regionen aus haushaltspolitischen Erwägungen gekürzt worden sein, sagte er, ohne konkreter zu werden. Hat das damit zu tun, weil das in der Pleiteregion Valencia der Fall ist, die von seiner konservativen Volkspartei seit vielen Jahren in den Ruin gestürzt wird? In der Region wurde der Brandschutz deutlich zurückgefahren, kritisierte die Opposition unlängst, nachdem ein Großbrand im Juli sogar 50.000 Hektar Wald vernichtete (Der Brandsommer in Spanien hat begonnen).

Am Torre de les Maçanes (Alicante) werden die Einwohner etwas genauer. Auch dieses Naturschutzgebiet gehört zu Valencia. Seit einem Jahr herrsche Dürre, doch in den Bergen werde nichts mehr getan, erklärte eine Bewohnerin aus Torremanzanas am Rand des Parks. Hier haben am Wochenende zwei Feuerwehrleute ihr Leben beim Versuch verloren, dem Flammen Einhalt zu gebieten. Pilar Fernández erklärte gegenüber der Tageszeitung El País mit großer "Wut" weiter: "Seit fünf Jahren werden die Berge nicht mehr gesäubert." Damit hat sich viel Unterholz angehäuft, das sich schnell entzünden kann und zudem als Brandbeschleuniger dient. Kürzlich reichten weiter nördlich in Katalonien zwei achtlos weggeworfene Kippen, um zwei riesige Feuer zu entfachen. In nur kurzer Zeit brannten 13.000 Hektar ab und vier französische Touristen verloren ihr Leben.

Verstärkte präventiver Brandschutz wäre notwendig

Für die Iberische Halbinsel, die wegen der Klimaveränderungen ohnehin stark von Desertifikation betroffen ist, sind diese Brände fatal. Sie zerstören zum Teil bedeutsame Naturschutzgebiete. Von Feuerwalzen sind aber nicht nur Nationalparks auf den Kanaren betroffen. In den letzten Tagen loderten Flammen in "Doñana", "Cabañeros", "Uceda", "Ger" oder "O Barco de Valdeorras". Die Opposition kritisiert die Tatenlosigkeit der Regierung. Während "Spanien in Flammen steht" und es am Samstag gleichzeitig in Nationalparks brannte, habe der Umweltminister einen blutigen Stierkampf besucht. Während die Regierung bei "Koordination und Prävention" abwesend sei, "riskieren andere ihr Leben", werfen die oppositionellen Sozialisten (PSOE) den Konservativen vor.

Die Umweltschutzorganisationen haben längst darauf hingewiesen, dass angesichts der Klimaveränderungen ein verstärkter präventiver Brandschutz notwendig wäre. Die dabei gewonnene Biomasse könne zudem zu einer nachhaltigen Energieversorgung beitragen, schlägt zum Beispiel Greenpeace vor. Die Organisation hatte Spanien in einer Studie 2009 eine "Zukunft in Flammen" vorhergesagt, sollte den Entwicklungen nicht begegnet werden.

Großbrände in Spanien in diesem Jahr. Bild: WWF/Google/Nasa

Hauptursache Brandstiftung

Zwar ist bisweilen Unachtsamkeit, fehlende Sensibilität oder Verantwortungslosigkeit im Spiel, wenn Brände ausbrechen, doch die Mehrheit geht auf Brandstiftung zurück. Darauf wiesen zum Beispiel drei Brandherde in La Gomera zu einem Zeitpunkt hin, wo die Witterungsbedingungen besonders günstig waren, damit sich gelegte Feuer schnell ausbreiten können. So war es auch im Frühjahr, als die Brandrodung nahe einem Naturpark im Galizien begann und einen der bedeutendsten Wälder Europas schwer geschädigt hat (Brandrodung in spanischen Naturparks).

Auf den Webseiten des spanischen WWF, der mittlerweile den schießwütigen König die Ehrenpräsidentschaft aberkannt hat, findet sich eine Karte, auf der die Großfeuer in diesem Jahr eingezeichnet sind. Von den 24 Großbränden im Land, die bis zum 5. August verzeichnet wurden, hätten 65% bedeutsame Naturschutzgebiete in Mitleidenschaft gezogen. Ein Zufall ist das nicht.

Insgesamt weist auch der WWF darauf hin, dass bisher schon 135.000 Hektar Wald abgebrannt sind. Im vergangenen Jahr waren es knapp 40.000. Nur im Brandsommer 2005 war die Zahl mit 170.000 Hektar noch größer (Brandrodung in spanischen Naturparks). Der Hintergrund für die Brandrodung war damals, dass die Sozialisten, die 2004 wieder an die Macht gelangt waren, an einem neuen Berggesetz arbeiteten. Seit 2006 ist es nun für 30 Jahre unmöglich, abgebrannte Flächen in Bauland oder landwirtschaftliche Nutzfläche umzuwidmen. Nun wird erwartet, dass die Konservativen die Wirtschaftskrise als Ausrede nutzen, um das Gesetz zu schleifen oder abzuschwächen. Sie hatten zwischen 1996 bis 2004 nichts ernsthaft gegen die massive Zerstörung des Landes getan.

http://www.heise.de/tp/artikel/37/37445/1.html
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