Sorge um Pakistans Atomwaffen
Ein Talibanangriff auf einen Luftwaffenstützpunkt, auf dem sich auch Atomwaffen befinden sollen, macht erneut auf die explosive Situation in Pakistan aufmerksam
Die Angst geht um, dass in Syrien das Assad-Regime chemische und biologische Waffen gegen Rebellen einsetzen oder durch den Zerfall des Regimes diese in die Hände von Terroristen fallen könnten. Das Assad-Regime hat schon einmal angekündigt, die Waffen gegen Angriff aus dem Ausland einzusetzen, während von anderer Seite, vor allem von Israel und den USA, auf die chemischen Waffen hingewiesen wird, um schon einmal Interventionen zu planen, um sie zu sichern. Gerade erst hat US-Verteidigungsminister Panetta noch einmal auf die biologischen und chemischen Waffenarsenale hingewiesen. Unbekannt ist freilich weithin, über welche Waffen das Assad-Regime tatsächlich verfügt und wie groß die Bestände sind.
Hinter Syrien ist die Lage in Pakistan zurückgetreten. Das Land verfügt über Atomwaffen, man geht von 90 bis 110 Sprengköpfen aus, es könnten aber auch mehr sein. Und es entwickelt sein Atomwaffenarsenal weiter. Während der Konflikt mit der Atommacht Indien sich etwas beruhigt hat, der in der Vergangenheit gelegentlich drohte, in einen nuklearen Schlagabtausch führen zu können, ließ die politische Instabilität seit Jahren die Sorge steigen, dass Islamisten ihren politischen Einfluss ausdehnen und sich Atomwaffen aneignen könnten (Wie sicher sind Pakistans Atomwaffen?).
Die USA übten erheblichen Druck aus, dass die Atomwaffen besser geschützt werden, vor allem nachdem 2004 bekannt wurde, dass A. Q. Khan, der Vater der islamischen Atombombe, ein Netz aufgebaut hatte, um die Atomtechnik an andere Staaten wie Nordkorea oder Iran zu verkaufen. Das pakistanische Militär hat angeblich die Sicherungsmaßnahmen verstärkt, was aber nichts nutzen würde, wenn radikale Kräfte die Regierung übernehmen oder Sympathisanten innerhalb des Militärs Informationen oder Techniken weiter geben würden.
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US-Präsident Obama hatte 2009 gesagt, er vertraue darauf, dass die Atomwaffen nicht in "militante Hände" geraten werden und weigerte sich, über "hypothetische" Gefahren zu sprechen. Ähnlich äußerten sich Vertreter der US-Geheimdienste, des Pentagon und des US-Außenministeriums auch im letzten Jahr. So erklärte Lieutenant General Burgess, Direktor der Defense Intelligence Agency, im März 2011 gegenüber dem Militärausschuss des Senats, dass Pakistan imstande sei, die Atomwaffen zu schützen, aber dass Unsicherheiten bestünden. Pentagon und US-Geheimdienste verfügen nicht über detaillierte Kenntnisse, wo die Waffen und nukleares Material gelagert werden.
Erst vor ein paar Tagen erklärte US-Verteidigungsminister Panetta, dass Pakistan verstärkt gegen die Extremisten vorgehen müsse, die weiterhin eine Gefahr darstellen. Das sei auch deswegen wichtig, weil Pakistan eine Atommacht ist: "Und die große Gefahr, die wir stets gefürchtet haben, ist, dass diese Atomwaffen in die falschen Hände geraten können, wenn der Terrorismus in dem Land nicht kontrolliert wird."
Dass die Sicherheit gefährdet ist, zeigt der Angriff von sieben oder acht islamistischen Militanten auf den pakistanischen Luftwaffenstützpunkt Minhas bei Kamra, etwa 70 km von Islamabad entfernt. Die teils in Uniformen des pakistanischen Militärs gekleideten Angreifer waren mit automatischen Gewehren, Granaten und Sprengwesten ausgerüstet. Sie drangen am Donnerstag um zwei Uhr in der Nacht (Ortszeit) in den Stützpunkt ein und lieferten sich mit den Soldaten einen stundenlangen Schusswechsel. Alle Angreifer sowie ein Soldat seien getötet worden. Andere Extremisten feuerten von außerhalb des Stützpunktes, auf dem sich Kampf- und Überwachungsflugzeuge befinden, Granaten ab.
Es war der dritte Angriff auf diesen Stützpunkt. Vermutlich stehen die Taliban dahinter, zumindest übernahm Tehreek-i-Taliban (TTP) die Verantwortung. Man habe den Angriff als Rache für die Tötung von Osama bin Laden und Talibanführer Baitullah Mehsud ausgeführt.
Die New York Times geht davon aus, dass auf dem Luftwaffenstützpunkt auch Atomwaffen gelagert sein könnten. Ein Journalist weist in einem Kommentar für die Zeitung Paktribune diese Vermutung zurück. Das sei lediglich ein Versuch einer "negativen Propaganda". Überdies wird hier vermutet, dass es sich um einen von der CIA gesteuerten Angriff handeln könnte, um das pakistanische Militär zu zwingen, gegen Extremist stärker vorzugehen. Schnell ist man also bei Verschwörungstheorien.
Vermutlich wollten die Angreifer Flugzeuge zerstören, die vielleicht bei einer auf Druck der USA geplanten Operation der Streitkräfte in Nord-Waziristan zum Einsatz kommen könnten. Ein Kampfflugzeug wurde angeblich bei dem Angriff zerstört. Der pakistanische Verteidigungsminister wies Vorwürfe zurück, dass das Eindringen der Extremisten auf ein Versagen der Sicherheitsmaßnahmen zurückzuführen sei, die Sicherheitskräfte hätten den Angriff abgewehrt.
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37451/1.html- Schon Möglichkeiten beim Zerfall der Sowjetunion vhd gewesen (17.8.2012 1:56)
- Sorge um Israels Atomwaffen (17.8.2012 1:45)
- Re: Weapons of Mass Distraction (16.8.2012 23:02)
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