Der Parasit, der auch das Verhalten von Menschen beeinflussen könnte

19.08.2012

Wieder haben Wissenschaftler festgestellt, dass der Toxoplasma gondii die Selbstmordneigung zu erhöhen scheint

Der unheimliche, aber in Menschen weit verbreitete Parasit Toxoplasma gondii beschäftigt weiterhin die Wissenschaft. Für Menschen ist der Katzenparasit normalerweise ungefährlich, was die rein körperlichen Folgen betrifft. In Zwischenwirten wie Ratten führt der Parasit, der sich auch in den Gehirnen einnistet, bekanntlich zu Verhaltensveränderungen, die es zu begünstigen scheinen, dass T. gondii zu seinem Katzenwirt zurückkehrt, weil er sich nur dort sexuell reproduzieren kann. Ratten sollen durch den Parasiten weniger Angst vor Katzen haben und sogar von deren Geruch angezogen werden, was man auch als eine Art Selbstmordtrieb verstehen könnte.

Toxoplasma gondii Zyste im Gehirn. Bild: CDC.gov

Es häufen sich allerdings die Studien, die auch bei infizierten Menschen Verhaltensveränderungen (Der Parasit, der das Verhalten seines Wirts verändert) feststellen, oder gar davon ausgehen, dass der Parasit ganze Kulturen prägen könnte (Neurotisch durch Parasiten?). Erst vor kurzem haben Wissenschaftler anhand einer dänischen Langzeitstudie einen Zusammenhang zwischen der Infektion durch den Parasiten und einem erhöhtem Selbstmordrisiko herausgefunden (Erhöht ein Parasit das Selbstmordrisiko bei Menschen?).

Dieses Risiko bestätigen nun auch Psychiater der Michigan State University in ihrer Studie, die im Journal of Clinical Psychiatry erschienen ist. Die Infektionsrate ist sehr unterschiedlich. In Europa sollen teils bis zu 95 Prozent der Menschen infiziert sein, in den USA "nur" 22,5 Prozent. Während die britischen Wissenschaftler davon ausgehen, dass der Parasit im Gehirn die Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin erhöht, was sie bei Mäusen feststellten, gehen die US-Wissenschaftler eher davon aus, dass der Parasit im Gehirn mit der Zeit Entzündungen verursacht, die letztlich Gehirnzellen schädigen. Und weil auch in Gehirnen von Selbstmördern und schwer Depressiven Entzündungen entdeckt wurden, könnte es sein, dass der Parasit, wenn er sich in Zysten über Jahre in Gehirnen einnistet, über die Verursachung von Entzündungen eben auch das Selbstmordrisiko der betroffenen Wirte erhöhen könnte. Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind nur bei der Hälfte der Depressiven wirksam. Die Psychiater glauben, dass das Absinken des Serotonin-Spiegels bei Depressiven nicht die Ursache, sondern nur ein Symptom sein könnte, das eben als Folge von Entzündungen durch Infektionen oder Parasiten verursacht sein könnte.

Auch wenn die US-Wissenschaftler nur einen Zusammenhang vermuten können, spreche doch viel für die Hypothese, da Menschen, die mit dem Parasiten infiziert sind, ein siebenmal höheres Risiko haben, einen Selbstmordversuch zu begehen, als die nicht infizierten. Für die Studie testeten die Wissenschaftler 54 erwachsene Schweden, die einen Selbstmordversuch begangen hatten und Patienten im Universitätsklinikum von Lund waren, und eine Kontrollgruppe von 30 zufällig aus dem Bevölkerungsregister von Lund ausgewählten Erwachsenen auf den Parasiten, was sich anhand von Antikörpern feststellen lässt. Geprüft wurde auch auf eine Infektion durch den Zytomegalievirus und Herpes simplex. Beide Gruppen wurden auf die vorhandene Neigung zu Selbstmord anhand eines Tests (Suicide Assessment Scale - SUAS-S) untersucht. Menschen mit einer Geschichte nichttödlicher Selbstmordversuche waren, so das Ergebnis, deutlich stärker von T. gondii infiziert. Das betrifft nicht nur die Patienten, sondern auch die Menschen aus der Kontrollgruppe, die nach dem Test ein erhöhtes Selbstmordrisiko haben, wenn sie infiziert waren. Bei den anderen Viren konnte kein Zusammenhang beobachtet werden.

Falls tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem Parasiten und einem erhöhten Risiko für Depression und Selbstmordneigung bestehen sollte, könnte man, so die Psychiater, nicht nur neue Medikamente entwickeln, um die Selbstmordneigung zu unterdrücken, sondern auch durch Tests präventiv herausfinden, ob Menschen ein höheres Risiko haben. Allerdings begeht die Mehrzahl der mit T. gondii infizierten Menschen keine Selbstmordversuche, was die Wissenschaftler auch einräumen müssen.

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