Wissenschaftler sprechen von der epidemischen Ausbreitung eines Speiseröhrenkrebses
Nach der Analyse von Krebsregistern könnte ein in den 1950er Jahren in Großbritannien zuerst eingeführter, aber noch unbekannter Faktor die Ursache für das sich global weiter schnell verbreitende Adenokarzinom sein
Schon in den 1980er Jahren wurde beobachtet, dass die Zahl der am Adenokarzinom, einem Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom), Erkrankten deutlich ansteigt. Bemerkt wurde dies zunächst in Großbritannien und dann in den USA, zuvor galt der Adenokarzinom als sehr selten. In vielen Studien wurde seitdem auch in anderen Ländern eine Zunahme der Erkrankungen festgestellt, in manchen Ländern übertrifft die Zahl der Fälle sogar die der an dem meist noch öfter vorkommenden Plattenepithelkarzinom. Unklar ist bislang, warum mehr Menschen an diesem Krebs erkranken, von dem vor allem Männer betroffen sind.
Wissenschaftler unter der Leitung des Epidemiologen Gustaf Edgren vom Karolinska Institutet haben in einer breit angelegten Studie, die im British Medical Journal erschienen ist, versucht, anhand von bis mehr als 50 Jahren zurückreichenden, populationsbasierten 16 Krebsregistern in 8 Ländern herauszufinden, ob die beobachtete Inzidenz zutrifft, ob der Krebs sich in verschiedenen Ländern ähnlich verbreitet und ob sich eruieren lässt, in welchem Land dieser Prozess zu welcher Zeit begonnen hat. Ausgewertet wurden Daten von Australien, Dänemark, Finnland, England, Schottland, Schweden und den USA. Einbezogen wurden auch kleinere Krebsregister aus anderen Ländern wie Kanada, Frankreich, Israel, Japan oder Indien.
Auch wenn es unterschiedliche Diagnosekriterien gibt und die Zunahme an Erkrankungen bereits vor dem Beginn von manchen Krebsregistern lag, stellten die Wissenschaftler in allen Krebsregistern anhand der fast 120.000 an diesem Krebs in aller Regel ab einem Alter von 40 Jahren aufwärts Erkrankten eine kontinuierliche und schnelle Zunahme fest. Nach einem zuvor konstanten, aber höchst seltenen Vorkommen - weniger als eine Erkrankung pro 100.000 Personenjahre -, tritt in der Hälfte der Krebsregister eine abrupte Zunahme von 1-3 mehr Erkrankungen in einem Jahrzehnt pro 100.000 Personenjahre. In den übrigen lag die Inzidenz schon zu Beginn des Registers höher als die natürliche, vermutlich gab es hier schon zuvor den abrupten Anstieg. Die Wissenschaftler sehen keine Anzeichen dafür, dass der Trend sich verändern oder ein Maximum erreichen könnte. Ähnliche Ergebnisse ergaben sich bei den weiteren Krebsregistern, auch wenn die Inzidenz hier zu niedrig für zuverlässige Ergebnisse liegt. Da die Analyse auf die Länder beschränkt war, in denen es verlässliche und relativ langfristige Daten gab, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Fehler bei der Erkennung höchstens eine geringfügige Rolle spielen können.
|
|
Männer sind in der Tat in allen Ländern weiterhin stärker betroffen. Es erkranken konstant drei- bis neunmal mehr Männer als Frauen am Adenokarzinom. Interessant ist, dass der sprunghafte Anstieg der Krebserkrankungen nicht in allen Ländern gleichzeitig stattgefunden hat, sondern es mitunter einen Abstand bis zu 30 Jahren zu den Ländern gab, in denen der Anstieg zuerst aufgefallen war. Große Unterschiede gibt es auch zwischen Nachbarländern. Die Wissenschaftler sprechen von einer virtuellen epidemischen Ausbreitung, die irgendwann zwischen 1960 und 1990 begonnen hat. Da der erste Anstieg ab 1960 in England und Schottland stattfand, in den USA ab Mitte der 1970er Jahre oder zuletzt in Schweden seit 1991, vermuten die Wissenschaftler, dass der Ursprung der Epidemie in Großbritannien zu finden ist, und zwar in den 1950er Jahren. Von dort aus dürfte sie sich zunächst in die USA und dann weiter nach Australien ausgebreitet haben. In Europa seit den 1970er Jahren, zuletzt in den 1980er Jahren in Schweden und Norwegen.
Was die Epidemie ausgelöst haben könnte, wissen die Wissenschaftler nicht. Es sei aber "alarmierend", dass offenbar eine Aussetzung an eine neue Umweltbedingung innerhalb einer kurzen Zeit zu dem Anstieg in der Bevölkerung geführt hat. Bekannt ist, dass Refluxösophagitis und Barrett-Ösophagus Risikofaktoren für das Adenokarzinom sind. Beide Krankheiten sollen angestiegen sein, aber nur wenig, so dass die erhöhte Inzidenz damit nicht erklärt werden könnte. Auch Fettleibigkeit erhöht das Risiko, aber hier würden die Zeitmuster nicht passen, auch die deutlich erhöhte Erkrankungsrate der Männer ließe sich damit nicht erklären. Eine Rolle könnten auch Rauchen, eine Zunahme von Sodbrennen oder ein Rückgang von Helicobacter-Infektionen. Doch auch damit könne man nicht die abrupte Veränderung oder die schnelle Zunahme erklären: "Daher scheint die Hypothese vernünftig zu sein, dass die Folgen eines starken, weit verbreiteten und noch nicht identifizierten kausalen Faktors, der Mitte des letzten Jahrhunderts in Großbritannien eingeführt wurde, sich über die Folgen der bekannten Risikofaktoren gelegt hat."
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37490/1.html- Re: dass es an der Radoaktivität liegt (28.8.2012 19:11)
- nur etwas Fachkomptenz... (26.8.2012 0:29)
- Re: Länge der Speiseröhre entspricht der (Handy und Mikrowellen-Länge von 12 cm) (26.8.2012 0:20)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
Postapokalypse aus Ego-Sicht: "Metro: Last Light" ist – visuell beeindruckender Survival-Horror für PC und Konsolen

Fernbus - Goldgräber mit Fallstricken
NPD will mit Ressentiments gegen Sinti und Roma punkten
Die Akku-Revolution bleibt aus
Innenminister Pistorius (SPD) für Senkung der Promillegrenze für Radfahrer
Skurriles Experiment: Verraten Tote Geheimwörter?