Städte in die Höhe

Harald Neuber 28.08.2012

UNO empfiehlt vertikalen Bau statt Flächenausdehnung von urbanen Zentren

Die UNO-Kommission für menschliche Siedlungen (UN Habitat) hat in ihrem neuen Bericht über Städtebau und Armut in Lateinamerika und der Karibik mehr staatliche Planungen eingefordert. Mit die größten Probleme in der Region seien das wilde Wachstum der Städte und die Landflucht, konstatierte der UN-Habitat-Vertreter Erik Vittrup bei der Präsentation der jüngsten Untersuchung unlängst in Rio de Janeiro.

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Bogota. Bild: UN Habitat

Demnach leben schon jetzt 80 Prozent der Menschen in urbanen Zentren. Wer vor der Perspektivlosigkeit auf dem Land in die Städte flieht, siedelt sich in den Armenvierteln an, sagte Vittrup nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP. Diese in Brasilien als "Favelas" bekannten Siedlungen breiten sich in einem rasanten Tempo in den umliegenden Gebiete aus.

Nach der Studie des UN Habitat wuchs die städtische Bevölkerung zuletzt zwar langsamer, dennoch prognostizieren die Experten eine Konzentration von 89 Prozent bis zum Jahr 2050. Dabei wohnen schon jetzt nach UNO-Erhebungen 111 Millionen Menschen in den Armenvierteln der lateinamerikanischen und karibischen Städte. Offenbar hätten aber "weder die Regierungen noch der freie Markt die Fähigkeit, die Nachfrage nach neuem Wohnraum zu befriedigen", sagte Vittrup.

Bei der Präsentation des UNO-Habitat-Berichtes warb der Funktionär für ein staatlich beaufsichtigtes vertikales Wachstum der Siedlungen. Derzeit würden in den Armenvierteln vor allem eingeschossige Häuser in Schnellbauweise errichtet, sodass die Armenviertel sich in die Breite ausdehnen und bei Unwettern stark gefährdet sind. Zudem könnten öffentlichen Verkehrsmittel den gesamten Raum angesichts der massiven Flächenausdehnung nicht mehr abdecken. Eine Folge sei, dass sich die Anzahl der PKWs in Lateinamerika und der Karibik in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat – ohne dass die Straßennetze an das größere Verkehrsaufkommen angepasst worden seien. Durch ein geplantes Wachstum in die Höhe und einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs könnte auch dieses Problem entschärft werden, heißt es in dem Bericht.

http://www.heise.de/tp/artikel/37/37521/1.html
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