Stratfor-Gründer verglich Tea Party mit Hitler

Peter Mühlbauer 06.09.2012

Aus von Wikileaks jetzt veröffentlichten Emails wird deutlich, dass die "Schatten-CIA" die Bewegung 2010 als Bedrohung für die Demokratie sah

George Friedman ist der Gründer und CEO der privaten "Schatten-CIA" Stratfor. Obwohl er sich selbst als "ziemlich weit rechts" verortet, wird aus Emails aus dem März 2010 deutlich, dass er die (damals noch weitgehend außerparlamentarische) Tea-Party-Bewegung als Gefahr für die Demokratie ansah.

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Zu der Zeit, als Friedman diese Einschätzung seinen Mitarbeitern offenbarte, demonstrierten Tea-Party-Aktivisten vor dem Kapitol gegen die geplante Gesundheitsreform und beschimpften schwarze und schwule Abgeordnete aufgrund ihrer Hautfarbe und ihrer sexuelle Orientierung. Außerdem hinterließen sie anonyme Drohbotschaften auf Anrufbeantwortern, warfen Fensterscheiben ein und sägten in einem Fall sogar eine Gasleitung durch.

Tea-Party-Aufmarsch 2009. Foto: NYyankees51. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Angesichts dieser Vorfälle und des Anspruchs der Tea Party, für eine schweigende Mehrheit zu agieren, verglich Friedman die Bewegung in einer Mail vom 25. März 2010 nicht nur mit der Pro-Segregations- und der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung, sondern auch mit Adolf Hitler. Marko Papic, einer seiner Mitarbeiter meinte darauf hin, er hätte diesen Vergleich angesichts des Godwin'schen Gesetzes zwar so nicht gemacht – aber da der Chef schon vorgeprescht sei, wolle er die Analogie gerne weiterführen.

Gemeinsamkeiten lagen seiner Ansicht nach darin, dass es sich auch bei den Nationalsozialisten um eine von Wut gespeiste Bewegung handelte, die Unterstützung aus einer konservativen Mittelschicht erhielt. Und Papic zufolge gab es auch in der Weimarer Republik Konservative wie Franz von Papen und "von Schelicher" [gemeint ist wahrscheinlich Kurt von Schleicher], die glaubten, eine neue "Graswurzelbewegung", die sie eigentlich ablehnten, für ein Ausschalten der traditionellen politischen Gegner nutzen zu können.

Allerdings machte der Sicherheitsanalyst auch einen wichtigen Unterschied aus: Der Tea Party, so Papic 2010, stünde seiner Ansicht nach keine charismatische Führungsfigur vor, die taktisches Geschick hätte. Die damals als Ikone der Bewegung gefeierte Sarah Palin hielt der Stratfor-Mitarbeiter für unfähig, "sich selbst die Schuhe zuzubinden". Gleichzeitig macht er aber die Einschränkung, dass von Papen und andere deutsche Konservative so etwas zu Anfang der 1930er Jahre auch über Hitler gedacht haben könnten.

Einen noch wichtigeren Unterschied sah Papic darin, dass der Tea-Party-Bewegung trotz der aus ihren Reihen durchgeführten Gewaltakte eine straff organisierte Schlägertruppe fehlte, wie sie Hitler mit der SA zur Verfügung stand. Aus diesem Grund hielt er es für eine enorm bedeutsame Frage, ob es der Tea Party gelingt, in größerem Ausmaß enttäuschte Irak- und Afghanistan-Kriegsveteranen zu rekrutieren, die der Bewegung ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellen.

An die Öffentlichkeit drangen diese Diagnosen des Stratfor-Chefs und seiner Angestellten, weil Anonymous im letzten Jahr Sicherheitslücken in den Unternehmen ausnutzte und zahlreiche Emails kopierte. Diese Kopien gab Anonymous an die Whistleblower-Organisation Wikileaks weiter. Dort werden sie geprüft und nach und nach veröffentlicht man Teile daraus.

Zweieinhalb Jahre, nachdem sie vorgenommen wurden, sind Tea-Party-Bewertungen von Stratfor unter anderem deshalb interessant, weil mittlerweile zahlreiche republikanische Abgeordnete im Kongress sitzen, die mit expliziter Unterstützung der Tea Party dort hineingewählt wurden. Auch Mitt Romneys Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan gilt als Liebling der Bewegung und als expliziter Verfechter ihrer Vorstellungen.

http://www.heise.de/tp/artikel/37/37574/1.html
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