iPhone statt Schule - mal anders

Peter Mühlbauer 12.09.2012

In China sollen Oberschüler an die Foxconn-Fließbänder gezwungen worden sein, damit das Plansoll erfüllt wird

Apple lässt viele seiner Geräte von der Firma Foxconn in China fertigen. Die geriet vor zwei Jahren in die Kritik, weil sich Arbeiter des Unternehmens reihenweise umbrachten. Nun sind in chinesischen und amerikanischen Medien neue Vorwürfe laut geworden: Danach soll Foxconn festgestellt haben, dass die vereinbarten Liefertermine für das heute zur Vorgestellung vorgesehene iPhone 5 mit dem vorhandenen Personal nicht zu halten wären. Darauf hin kontaktierte man angeblich eine Reihe von Oberschulen in der Provinz Jiangsu und karrte deren Schüler mit Bussen in eine Fabrik in Huai'an, wo sie der Zeitung Shanghai Daily zufolge 10.000 fehlende Arbeiter ersetzten.

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Damit das klappte, mussten die offiziell als Praktikanten geführten Pennäler 12 Stunden täglich und sechs Tage in der Woche schuften - und zwar ohne Vertrag oder vorherige Genehmigung der Eltern. Dafür bekamen sie monatlich umgerechnet etwa 190 Euro, wovon sie sich jedoch auch Unterkunft und Schulgeld bezahlen und ihre Mahlzeiten kaufen mussten. An die Öffentlichkeit kam dies, weil die jungen Leute in sozialen Netzwerken über ihre Arbeitsabstellung posteten. Offenbar ängstigen sich viele aufgrund des ausgefallenen Unterrichts und fehlender Zeit zum Lernen um ihre Abschlüsse.

Foxconn-Werk in Shenzhen. Foto: Steve Jurvetson. Lizenz: CC BY 2.0.

Yu Fang Qiang, der Leiter der in Nanking ansässigen NGO Tian Xia Gong, teilte mit, seine Organisation wolle Schülern helfen, die rechtlich gegen ihre Lehranstalten vorgehen wollen. Der Rechtsanwalt Wu Dong zufolge verstößt die Zusammenarbeit von Foxconn und den Schulen in der bekannt gewordenen Form sowohl gegen Schul- als auch gegen Arbeitsgesetze, weshalb sowohl Schulen als auch Aufsichtsbehörden verklagt werden könnten. Viele Minderjährige und Eltern fürchten jedoch die Rache von Lehrern und Direktoren bei der Notenvergabe, was sie von solchen Klagen abhält. Angeblich gab es bereits Fälle in denen Schüler, die aus der Arbeitsdienstverpflichtung aussteigen wollten, bestraft wurden.

Nachdem der Fall an die Öffentlichkeit kam, kündigten zwei Schulen ihre Verträge zum Liefern von Praktikanten. Lehrer aus Einrichtungen, die dabei blieben, rechtfertigten den Unterrichtsausfall im staatlichen Radio damit, dass auch Arbeitserfahrungen "individuelle Erfahrungen fördern" und damit ein Ersatz für Schulstunden sein könnten. Dem Blog TechinAsia zufolge sind Zwangspraktika an chinesischen Schulen und Universitäten nichts Ungewöhnliches. Bemerkenswert sei allerdings, dass im Fall Foxconn massenhaft Schüler mit dem Schwerpunkt auf Sprachen, Wirtschaft oder Recht in die Fabrik geschickt wurden, deren Fächer absolut nichts mit der Arbeit dort zu tun hatten.

Ein Behördensprecher versuchte dies damit zu rechtfertigen, dass es für junge Leute schwer sei, in genau den Fachbereichen unterzukommen, auf die sie sich spezialisierten. Deshalb ermutige man sie "in Fabriken zu gehen und mehr über die Gesellschaft zu lernen" sowie "ihren Horizont zu erweitern". Das nütze sowohl ihnen als auch den beteiligten Unternehmen. Allerdings habe man bis vor Kurzem nicht gewusst, dass Praktikumsprogramme - wie im Fall Foxconn - über die Ferienzeit hinaus durchgeführt werden. Die Pressestelle von Apple wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

http://www.heise.de/tp/artikel/37/37616/1.html
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