Kein Einzelfall

13.09.2012

In den USA ließ die Bank Wells Fargo das hypothekenfreie Haus eines älteren Ehepaars zweimal kurz nacheinander unberechtigt zwangsräumen

Twentynine Palms liegt im San Bernardino County in Kalifornien. In der Nähe des Städtchens steht ein Häuschen, das dem älteren Ehepaar Alvin und Pat T. gehört. Der ehemalige Maurer Alvin T. baute es vor fünf Jahrzehnten zusammen mit seinen Eltern mit einfachsten Mitteln. So wurde beispielsweise der Zement für das Gebäude nicht mit einer Maschine, sondern mit der Hand angerührt. Dieses Sparsamkeit T.s zeigte sich auch darin, dass sie ihr heute als Wochenendhaus genutztes Gebäude nicht mit einer Hypothek belasteten.

Als den Siebenundsiebzigjährigen im Juni ein Nachbar anrief und ihn fragte, ob er ein Entrümpelungsunternehmen damit beauftragt habe, das Häuschen auszuräumen, glaubte T. zuerst an einen Einbruch und alarmierte die Polizei. Die fand nach drei Tagen heraus, dass das Entrümpelungsunternehmen von der Bank Wells Fargo mit einer Zwangsräumung beauftragt worden war und das dafür vorgesehene Haus mit dem der T.s verwechselt hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen allerdings nicht nur das Haus völlig ausgeräumt, sondern auch große Schäden angerichtet. Bislang hat T. noch keinen Ausgleich für diese Schäden erhalten. Dafür musste er Anfang September feststellen, dass ein zweites Mal in sein Haus eingebrochen worden war.

Auch dieses Mal stellte sich heraus, dass der Einbruch auf die Bank Wells Fargo zurückging, die ein zweites Entrümpelungsunternehmen offenbar erneut so unzureichend instruiert hatte, dass diese T.s Häuschen anstatt des eigentlichen Zielobjekts ein zweites Mal aufbrachen und erneut ausräumten, wobei sie sogar einen Propangastank mitnahmen. Wells Fargo reagierte erst, als sich T.s Schwiegersohn nach diesem zweiten Überfall an die Medien wandte und kündigte an, nun mit T. über die Vorfälle reden zu wollen. Auf eine Kompensation für seinen Schaden wartet er immer noch.

Unberechtigte Zwangsräumungen sind in den USA beileibe kein Einzelfall: Seit 2010 kam heraus, dass die dafür erforderlichen Dokumente häufig von inkompetenten "Robo-Signern" ohne jegliche Prüfung unterschrieben wurden. Teilweise fälschte man sogar Unterschriften im großem Stil. Betroffene solcher Zwangsräumungen tragen ein hohes Risiko, trotz eines eindeutigen Verschuldens der Banken auf Schäden sitzen zu bleiben, weil die Unternehmen den längeren finanziellen Atem haben und sich die besseren Anwälte leisten können.

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