Wie man einen Terroristen macht

17.09.2012

Wieder einmal wurde ein Jugendlicher in den USA vom FBI "geführt", einen Terroranschlag mit einer gefakten Autobombe zu begehen, um dann zu sagen, man habe diesen erfolgreich verhindert

Während durch die gezielte Provokation mit dem Anti-Mohammed-Film in vielen muslimischen Ländern die vorhersagbare Reaktion von Fundamentalisten ausgelöst werden konnte und durch die sich bekämpfenden religiösen Extremisten Menschen getötet und verletzt werden, geht die heimische Anti-Terror-Bekämpfung weiter die ausgebahnten Wege. Es wurde viel Geld in Personal und Technik für die Anti-Terror-Programme investiert, daher müssen, so scheint es immer öfter, mögliche Home-Grown-Terroristen, wie sie auch bei uns mitunter genannt werden, von Polizei oder Geheimdiensten verführt und unterstützt werden, um sie dann unter Terrorverdacht zu verhaften. Die Sicherheitsbehörden haben ihre Bedeutung für die Sicherheit bewiesen.

Was auch hierzulande bei der Sauerland-Gruppe (Ferngelenkte Terroristen?) oder die GIMF (Terroristen und Sicherheitsbehörden) geschehen ist, wo die verurteilten jungen Täter halb motiviert und halb geschoben worden, scheint in den USA auch wieder einmal (FBI-grown Terrorism?) geschehen zu sein. Am Freitag wurde in Chicago der 18-jährige US-Amerikaner Adel Daoud, dessen Eltern aus Ägypten eingewandert waren, verhaftet, weil er versucht haben soll, eine Autobombe außerhalb einer Bar zu platzieren und zu zünden. Er hatte das Auto vor der Bar geparkt und wollte dann die Sprengladung zünden. Die aber hatte er vom FBI, so dass sie nicht hochging.

Wie auch schon in anderen Fällen stand der junge Mann schon seit Monaten unter Beobachtung, d.h. eigentlich, dass er von FBI-Agenten, die sich als Islamisten ausgaben, angesprochen und in seinen vermutlich unausgegorenen Träumen von einem großen Terroranschlag verstärkt wurde, mit dem er der vermeintlichen Sache des Islamismus dienen, vor allem aber sich selbst nach dem Vorbild anderer Terroristen prominent machen wollte. Das FBI hätte durchaus auch intervenieren können, um den Jugendlichen von seinem Vorhaben abzuhalten, aber das wäre dann kein spektakulärer Erfolg gewesen, schließlich will auch die Sicherheitsbehörde entsprechende Medienaufmerksamkeit erlangen. Dass es sich wieder um einen Einzeltäter handelt, der sich leichter "führen" lässt, ist auch auffällig.

Den Agenten gegenüber soll er sich, so die Anklage in einer Email damit gebrüstet haben, entgegen dem Rat seines Sheiks, des Leiters seiner Moschee, Anschlagspläne weiter verfolgt zu haben: "lol man I will be the opposite", schrieb er und machte auch damit schon seine pubertäre Haltung deutlich. Auch ein anderer Sheik und sein Vater versuchten noch im August, ihm die Terrorflausen zu verbieten, aber die Agenten hatten ihn da schon im Griff. Nachdem das FBI mit ihm in Kontakt getreten war, hatte er sich darum bemüht, einen Mittäter zu finden. Offenbar war ihm dies auch erst mal gelungen. Doch offenbar waren die beiden so naiv, dass auch der Sheik etwas mitbekommen hatte und sie aufforderte, mit dem Unsinn aufzuhören. Der Kollege sprang daraufhin ab, Adel, vermutlich geführt von seinen FBI-Inspiratoren machte hingegen weiter, was für ihn offenbar auch eine Art Rebellion gegen seinen Vater und den Sheik war.

Sein Ziel soll darin bestanden haben, einen Anschlag in den USA oder irgendwo anders mit vielen Toten auszuführen, um gegen die Verfolgung von Muslimen durch die USA zu protestieren. 5 oder 10 Tote seien zu wenig, da würde er sich nicht gut fühlen. Er sollte auch deswegen so groß sein, weil das natürlich zu einer Nachricht werden sollte: "Ich will den schlimmsten Ort, aber ich will den Ort treffen, der am meisten bevölkert ist", wird er in der Anklage zitiert. Nach seinem Bruder hatte er die Highschool abgeschlossen und wollte auf eine Schule in Kanada gehen, um ein Sheik, ein Geistlicher, zu werden. Angeblich sei er ein friedlicher Mensch gewesen, und sehr passiv. Sein 24.jähriger Bruder gab sich daher sehr überrascht von der Verhaftung und der Anklage, was freilich nicht sehr viel heißt, aber vielleicht doch erkennen lässt, dass Adel leicht zu beeinflussen ist.

Auf die Spur des jungen Mannes kamen die Sicherheitsbehörden, weil er im Oktober letzten Jahres Emails u.a. mit Texten von al-Awlaki versendet hatte, die sich auf einen "gewalttätigen Dschihad und das Töten von Amerikanern" bezogen. Und er soll ebenso naiv und unvorsichtig eine PowerPoint-Vorführung versendet haben, in der er das Vorgehen von Bin Laden verteidigte. Osama sei nicht verrückt danach gewesen, Amerikaner zu töten, schrieb er etwa: "Diese Supermacht hat Millionen von Menschen getötet." Er hatte sich auch in einer Email den Link für eine Ausgabe des Inspire-Heftes geschickt, in dem Menschen in westlichen Ländern zu Anschlägen aufgerufen werden ("Sie haben die Drohnen, wir haben die Scharia"). Er schickte an andere auch Inspire-Hefte und andere Dschihad-Texte und war überhaupt höchst unvorsichtig und naiv in seiner Kommunikation.

Im Mai 2012 kam es zu der ersten Begegnung mit FBI-Agenten, die ihn, wie aus der Anklageschrift hervorgeht, regelrecht zur Tat verführt haben. So wurde ihm ein weiterer Undercover-FBI-Agent vorgestellt, der als "operational terrorist" einen Terroranschlag auf eine Großstadt ausführen wollte, darunter vielleicht auch Chicago. Man traf sich einige Male und ließ den jungen Mann eine Liste mit möglichen Anschlagszielen in Chicago aufstellen. Der hat auch gerne schriftlich für die vermeintlichen Dschihad-Brüder Beweismittel geliefert. Angeblich soll der Agent den jungen Mann mehrmals die Gelegenheit geboten haben auszusteigen. Das könnte natürlich durchaus so geschehen sein, also dass Adel in seinen pubertären Fantasien erst recht zur Ausführung provoziert wurde, um nicht als Feigling zu erscheinen. Nach den zitierten Gesprächen ging es allerdings nur darum, dass Adel versicherte, eigenständig zu handeln und nicht gezwungen worden zu sein.

Also ließen die FBI-Agenten Adel ein Ziel auswählen und beobachten. Ob Adel überhaupt ein Auto und den vermeintlichen Sprengstoff selbst beschafft hätte, ist höchst fraglich, auch wenn er im Internet nach Anweisungen zur Herstellung einer Autobombe gesucht hatte. Um sicher zu gehen, fuhr der FBI-Agent noch zusammen mit dem jungen Mann nach Chicago, wo sie dann in den bereitgestellten Jeep mit der Autobombe, die keine war, umstiegen. In der Nähe der Bar stieg der FBI-Agent aus und ließ Adel den Jeep vor der Bar parken. Dann drückte er in einiger Entfernung einen Auslöser, um die Bombe hochgehen zu lassen - und wurde so in flagranti, also bei der konstruierten Tat, verhaftet. Ein perfides Spiel. Die Anklage lautet auf versuchten Einsatz einer Massenvernichtungswaffe und auf einen Versuch, ein Gebäude mit einer Bombe zu zerstören.

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