US-Auslandsgeheimdienst im Pensionsalter

Markus Kompa 18.09.2012

65 Jahre CIA

Am 18. September 1947 beschlossen die USA den Aufbau eines institutionellen zivilen Auslandsgeheimdienstes. Die offiziell als reines Büro zur Auswertung von Informationen gegründete Agentur entwickelte sich zum Instrument subversiver Einmischung in die Politik souveräner Staaten.

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Während in Europa seit der Jahrhundertwende das Spionagewesen durch professionelle Geheimdienste koordiniert wurde, betraten die USA dieses Terrain erst verhältnismäßig spät. Einen Auslandsgeheimdienst hielt man für entbehrlich und verließ sich auf Informationen der Botschaften oder hörte sich bei Geschäftsleuten um. Dies änderte sich jedoch 1941 mit dem Überraschungsangriff auf Pearl Harbor. Experten befanden, dass die verschiedenen eingetroffenen Warnungen wegen mangelhafter Koordination nicht rechtzeitig die Entscheidungsträger erreicht hätten.

Office of Strategic Services (OSS)

Während des laufenden Zweiten Weltkriegs baute Präsident Roosevelts Freund General "Wild Bill" Donovan, ein rechtsgerichteter Kriegsheld und Wall-Street-Anwalt, das "Office of Strategic Services (OSS)" auf. Dieses verfügte naturgemäß noch nicht über ein Informantennetz. Stattdessen orientierte sich der hitzköpfige Donovan am englischem Vorbild des ebenfalls neuen Dienstes "Special Air Service (SAS)" und setzte auf Sabotage, Desinformation und verdeckte Kommandoeinsätze. Mit der Leitung befasste Donovan nicht etwa Militärs, sondern die Söhne seiner Wall-Street-Freunde, die auf patriotischen Ruhm hofften und die künftige Elite Amerikas stellen wollten. Das OSS tarnte seine Schattenkrieger für Guerilla-Einsätze als Zivilisten und stattete es mit Spezialausrüstung aus wie Tarnwaffen, schallgedämpften Pistolen und Sprengfallen.

Wild Bill Donovan. Foto: OSS.

Der Argwohn der konventionellen Militärs gegen die selbsternannten OSS-Cowboys erwies sich als berechtigt: Die wenigsten OSS-Teams kehrten von ihren aberwitzigen Operationen zurück. Ein Untersuchungsbericht fiel vernichtend aus. Da das OSS von rechtskonservativen Kräften durchsetzt war, witterte man in Washington eine Art amerikanische GeStaPo; hinter den Kulissen intrigierte OSS-Rivale Hoover, der selbst für sein FBI die Zuständigkeit für die Auslandsspionage anstrebte. Nach Roosevelts Tod schaffte Präsident Truman das unfähige OSS 1945 wieder ab. Das Versagen des Kriegsgeheimdienstes hinderte dessen Veteranen allerdings nicht daran, mit ihren Heldentaten in Romanen, Comics und Spielfilmen zu prahlen, sodass vom OSS wenigstens ein Mythos blieb.

Central Intelligence Group (CIG)

Trotz Auflösung führte das Militär im Nachkriegseuropa einige begonnene OSS-Operationen einfach weiter. Die Notwendigkeit, die in Washington herumschwirrenden Informationen durch eine zentrale Agentur zu sammeln und zu analysieren, leuchtete wenige Monate nach Ende des OSS auch Truman ein. Um die Zuständigkeit für die Auslandsspionage rivalisierten der mächtige FBI-Chef Hoover und das Pentagon. Truman unterstellte die "Central Intelligence Group (CIG)" jedoch direkt dem Präsidenten, woraufhin das Pentagon die Zusammenarbeit verweigerte. Die "zentrale Agentur" war Truman von den Spionen als ein eher überschaubares Büro verkauft worden, das passiv agieren würde. Im Zweiten Weltkrieg hatten sich ohnehin Selbstanbieter als die besten Zuträger erwiesen.

Von Mantel- und Degen-Spionage wie dem OSS wollten man in Washington nichts mehr wissen. Vor Unterzeichnung der Gründungsdokumente überreichte Truman den Leitern des neuen Dienstes bei einem Mittagessen als "Amtsinsignien" hölzerne Degen, schwarze Hüte und Umhänge, sowie falsche Schnurrbärte - offensichtlich ironisch gemeinte Geschenke, die zu solider Arbeit mahnen sollten. Doch schon im zweiten Jahr seiner Existenz begnügte sich der neue Dienst, dessen Personalstärke rasant zunahm, nicht nur mit der Auswertung, sondern beschaffte auch aktiv. Von Anfang an rivalisierte das CIG mit dem ebenfalls im Ausland ermittelnden FBI, dem es ins Handwerk pfuschte. Etliche OSS-Veteranen, die auch im neuen Dienst eine Anstellung gefunden hatten, begannen ohne Wissen des Kongresses mit verdeckten Operationen. Das CIG vermochte kaum brauchbare Ergebnisse zu liefern.

Congress-Hearings

Die Gründung eines zivilen (also nicht dem Militär unterstellten) Auslandsgeheimdienstes bedurfte jedoch langfristig einer parlamentarischen Grundlage. Dem Erlass des Nationalen Sicherheitsgesetzes, das schließlich die CIA schuf, gingen intensive Anhörungen vor geheimen Kongressausschüssen voraus. Wichtigster OSS-Mann war zweifellos "001" Allen Dulles, der dreist behauptete, während des Zweiten Weltkriegs 10% aller Mitarbeiter der deutschen "Abwehr" als Doppelagenten gewonnen zu haben. Vorbild sei der britische Geheimdienst, der das Empire mehrfach gerettet habe. Der neue Dienst solle ein hohes intellektuelles Niveau anstreben, sein Personal an Universitäten rekrutieren und Rat bei erfolgreichen Geschäftsleuten und Professoren suchen. Der Öffentlichkeit wurde vorgegaukelt, es ginge nur um eine dem Präsidenten unterstellte Ergänzung zum Außenministerium. Dessen Diplomaten wiederum hielten von den CIA-Leuten nichts. Verdeckte Auslandsoperationen sollte es nicht geben - obwohl diese bereits in vollem Gange waren.

US-Auslandsgeheimdienst im Pensionsalter

Central Intelligence Agency (CIA)

70er Jahre bis heute

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