"Die Angelegenheit wird im Parlament diskutiert"

Peter Mühlbauer 04.10.2012

Schweizerische Verwertungsgesellschaftsfunktionäre beziehen weiter exorbitante Gehälter

Verwertungsgesellschaften für Musik und Texte gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz. Dort heißen sie nicht VG Wort und GEMA, sondern ProLitteris und Suisa. Beide sehen sich Kritik ausgesetzt: Die stützt sich nicht nur auf eine ungerechte Verteilung, sondern auch auf (im Verhältnis zu den Ausschüttungen für das Gros der Mitglieder) exorbitante Gehälter der Funktionäre.

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So bezieht beispielsweise der Suisa-Direktor ein Jahresgehalt in Höhe von mehr als 357000 Franken. Der Chef von ProLitteris soll der Weltwoche zufolge 2008 über 308000 Franken und im Jahr darauf inklusive Sonderzulagen sogar noch deutlich mehr eingestrichen haben. Für das Eintreiben und Verteilen von Urheberrechtsabgaben. Tätigkeiten, die – so mutmaßen manche Musiker und Autoren – man durchaus im Ehrenamt erledigen könnte. Bis vor zwei Jahren war die Höhe dieser Gehälter nicht bekannt. Als sie schließlich offen gelegt wurden, kam das nicht nur bei denen nicht gut an, die am Existenzminimum leben: Auch Erfolgsautoren wie Alex Capus äußerten ihren Unmut über die Verteilung der Einnahmen zwischen Funktionären und Autoren.

Natalie Rickli. Foto: Das Schweizer Parlament.

Damals versprach die Politik Abhilfe: Susanne Leutenegger Oberholzer, eine Nationalratsabgeordnete der sozialdemokratischen SP, kündigte eine Parlamentarische Initiative an, die die Gehälter der Urheberrechtsfunktionäre auf das in der Staatsverwaltung übliche Niveau begrenzen sollte. Natalie Rickli von der konservativen SVP und Hans-Ulrich Bigler von der wirtschaftsliberalen FDP sprangen ihr öffentlich bei, weshalb der schweizerische Zeitungsleser erwarten musste, dass dem Problem bei so viel politischem Konsens bald abgeholfen sein würde.

Doch zwei Jahre später hat sich immer noch nichts getan: Leutenegger Oberholzer schweigt auf Anfragen zum Fortschritt der von ihr angekündigten Parlamentarischen Initiative. Rickli schottet sich nach einem angeblichen Burnout mit einem nicht funktionierenden Kontaktfeld auf ihrer Website ab und ignoriert Tweets, die sie darauf aufmerksam machen. Und der Gewerbeverbandsdirektor Bigler, der 2010 von "feudalen Honoraren" zulasten kleiner und mittlerer Unternehmen sprach, teilt lediglich mit, die "Angelegenheit" werde "im Parlament diskutiert".

Die Funktionäre selbst sehen keinen Anlass, die Höhe ihrer Gehälter zu begrenzen: Ernst Hefti, der Direktor von ProLitteris (dem die Weltwoche neben seinem Gehalt auch Spezlwirtschaft und Verschwendungssucht vorwirft), meinte auf das Missverhältnis zwischen den Einkommen vieler Urheber und dem seinigen angesprochen lediglich, dass "jeder seinen Beruf selbst wählt".

Nimmt man nicht die Urheber, sondern die Funktionäre der deutschen Verwertungsgesellschaften zum Maßstab, ist Heftis Salär tatsächlich nichts Ungewöhnliches: So bezog beispielsweise der GEMA-Chef Harald Heker 2010 484000 Euro Gehalt. Die GEMA-Vorstandsmitglieder Rainer Hilpert und Georg Oeller brachten es auf 332000 beziehungsweise 264000 Euro. Hätte die (von der Gewerkschaft Verdi protegierte) Verwertungsgesellschaft im letzten Jahr ihre 713 Millionen Euro an alle 65.000 Mitglieder gleich verteilt verteilen, dann hätte jedes davon etwa 11.000 Euro bekommen.

http://www.heise.de/tp/artikel/37/37747/1.html
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