Russisches Militär hat die Entwicklung von Drohnen verschlafen
2013 könnten die ersten selbst produzierten militärischen Überwachungsdrohnen angeblich eingesetzt werden, aber das Militär würde offenbar lieber ausländische Technik haben
Russland hat den Eintritt in den Roboterkrieg und den boomenden Rüstungsmarkt völlig verschlafen. Offenbar ist an den russischen Militärs und Strategen die Entwicklung völlig vorbei gegangen, sie sind, obgleich Russland ein großer Waffenexporteur ist, bei Weiterentwicklungen von Waffensystemen aus dem Weltkrieg und dem Kalten Krieg stehen geblieben - allerdings wurden schon im Zweiten Weltkrieg Drohnen verwendet.
Obwohl die USA seit Jahren ihren Kampf gegen den Terrorismus mit Drohnen führen, scheint man beim Erzfeind aus dem Kalten Krieg erst spät aufgewacht zu sein, obgleich die Russen sonst gerade nicht vor Gewalt etwa im Kampf gegen islamistische Rebellen im Kaukasus zurückschrecken. Kann gut sein, dass im Unterschied zu den USA das Leben des einzelnen russischen Soldaten nicht so viel im Kommunismus zählte und auch nicht im postsowjetischen System der gelenkten Demokratie zählt. Vermutlich war auch das Konzept vom "sauberen Krieg" in Russland nicht vorhanden, bei dem "Kollateralschaden" möglichst durch Präzisionswaffen und gezielte Tötungen vermieden werden soll. Man zog den Einsatz überwältigender Gewalt vor, wie Russland zuletzt in Tschetschenien gezeigt hat
Vereinzelt wurden seit1960er Jahren Drohnen gebaut, aber es kam zu keiner kontinuierlichen Weiterentwicklung. Bis auf Dozor-3 waren es auch vornehmlich Aufklärungs- und keine Kampfdrohnen. Zwar hat Gazprom zwei zivile Drohnentypen zur Überwachung der Pipelines entwickelt, die aber offenbar für das Militär nicht interessant waren, um sie übernehmen und mit Waffen auszustatten. Auch die Polizei hat seit einigen Jahren zahlreiche kleine Überwachungsdrohnen vom russischen Hersteller Zala Aero gekauft. 2006 war angeblich die Attraktivität klar geworden, nachdem man mit einer Drohne Demonstranten gegen den G8-Gipfel erfolgreich beobachten und daran hindern konnte, nach St.Petersburg zu gelangen. Seitdem, so ein Artikel auf Open Democracy, werden Drohnen gerne zur Überwachung von Oppositionellen eingesetzt.
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Man spricht auch davon, dass im Krieg gegen Georgien, das über israelische Drohnen vom Typ Hermes 450 verfügte, das russische Militär erst aufgewacht sei. Die Russen konnten zwar mehrere Drohnen mit Kampfflugzeugen abschießen, aber hatten keine vergleichbaren Aufklärungsmöglichkeiten.
Im Juni hatte der russische Präsident Putin angekündigt, bis 2020 40 Milliarden Rubel in die Entwicklung von russischen Drohnen, auch von bewaffneten, investieren zu wollen. Das sind allerdings gerade einmal 10 Milliarden Euro. Und das in einer Situation, in der andere Länder, allen voran die USA und Israel, bereits viele Jahre lang eine breite Palette von kleinen und großen Aufklärungs- und Kampfdrohnen produziert und in Konflikten getestet haben. Russland verfügt denn auch praktisch nur über einsatzfähige Drohnen, die von Israel gekauft wurden , die Rede ist von Bird-Eye 400, I-View Mk 150 und Searcher MK2, allesamt Überwachungsdrohnen.
2013 könnte nun das russische Militär die ersten Aufklärungsdrohnen aus eigener Produktion vom Typ Orlan-10 mit geringer Reichweite erhalten, kündigte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Novosti an. Das Militär traut der Eigenproduktion jedoch nicht sonderlich. So sagte der Generalstabschef der russischen Streitkräfte, Armeegeneral Nikolai Makarow wenig begeistert, dass das Verteidigungsministerium ausländische Drohnen kaufen werden, man werde aber russische Eigenproduktionen "nicht außer Acht lassen". Verhandelt wird weiter mit Israel über den Kauf von Drohnen des Typs Orbiter 2, Aerostar und Skystar, eine angestrebte Koproduktion scheint bislang nicht zustande gekommen zu sein.
Orlan-10, jeweils eine Basisstation mit mehreren Drohnen, wird einem LKW transportiert und von einem Katapult gestartet. Sie sollen 10 Stunden in der Luft sein können und Bilder aus einer Reichweite bis zu 120 km senden können. Präsident Putin hatte erklärt, das russische Militär müsse eigentlich Drohnen im Ausland, aber dies könne schwierig werden. Für "Sondereinsätze" lässt die russische Marine weitere unbemannte U-Boote entwickeln.
Ansonsten zeigt eine Ankündigung des Luftwaffenkommandeurs Anatoly Zhikharev, wie weit die Russen in diesem Bereich im Rüstungswettlauf zurückgeblieben sind. Ab 2040 oder 2050 könne man einen unbemannten strategischen Bomber einsetzen, das Pentagon will 2020 so weit sein. "Der Abstand von zwei Jahrzehnten", so David Axe in Wireds Danger Room sarkastisch, "zwischen der russischen und der amerikanischen Drohnentechnik ist eine nützliche Erinnerung daran, dass Moskau für kein Land eine große militärische Bedrohung darstellt, das nicht sein unmittelbarer Nachbar ist."
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37804/1.html- Re: Ok, dann noch ein paar satanische Verse (17.10.2012 10:26)
- Re: Ok, dann noch ein paar satanische Verse (16.10.2012 19:54)
- Nicht nennenswert schlimmer als es jetzt schon ist. (16.10.2012 11:36)
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