Rauchen kann zehn Jahre an Lebenszeit kosten
Nach einer japanischen Langzeitstudie steigt das Risiko, je früher man zu rauchen anfängt, bis 40 Jahre kann man aber noch mit einem relativ geringen Risiko aussteigen
Wer raucht, verkürzt durchschnittliche seine Lebenszeit um zehn Jahre. Eine japanische Studie bestätigt diese schon aus anderen Ländern bekannte Beobachtung und widerlegt frühere Studien, die erkannt haben wollten, dass bei rauchenden Japanern im Unterschied zu anderen Ländern die Lebenszeit bei Männern nur um 4 Jahre verkürzt würde. Das rührt vor allem daher, dass früher die Rauchgewohnheiten anders waren.
Britische und japanische Wissenschaftler haben, wie sie in ihrem Beitrag für das British Medical Journal schreiben, eine Langzeitstudie ausgewertet, mit der ab dem Jahr 1950 die Mortalität von 100.000 Bewohnern von Hiroshima und Nagasaki, die aber zur Zeit der Atombombenabwürfe nicht in der Stadt waren, aufgrund der Strahlenbelastung untersucht werden sollte. Die meisten wurden aber nur einer minimalen Strahlenbelastung ausgesetzt, so dass die Studie auch für die Folgen anderer Risiken ausgewertet werden konnte. In Umfragen wurden zwischen 1963 und 1992 68.000 Frauen und Männer befragt, ob sie Raucher oder Nichtraucher sind. Ausgewertet wurden die Daten zur Mortalität bis 2008. Durchschnittlich betrug die Beobachtungsspanne 22,9 Jahre.
Wie überall sonst, rauchten auch in Japan deutlich mehr Menschen in den 1960er Jahren als später. 74 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen waren Ende der 60er Jahre Raucher, 13 Prozent der Männer und 2 Prozent der Frauen ehemalige Raucher. Unterschiedlich waren auch die Zeitpunkte, an denen die Menschen zu rauchen begannen. Mit jedem Jahrzehnt ging das Raucheintrittsalter zurück. Lag es bei den vor 1890 Geborenen noch durchschnittlich bei 23,4 Jahren, so sank es bei den 1940-45 Geborenen auf 19,8 Jahre, gleichzeitig wurden am Tag mehr Zigaretten geraucht. 25 Prozent der jetzigen und früheren rauchenden Männer berichteten, sie hätten vor dem 20. Lebensalter damit begonnen, bei den Frauen waren es 5 Prozent.
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Vor dem Zweiten Weltkrieg rauchten in Japan weniger Menschen als in den westlichen Ländern. Die Zahl der Raucher nahm dann schrittweise zu und erreichte in den 1970er Jahren einen Höhepunkt. Seitdem hat Japan - wie überhaupt Asien - eine der höchsten Raucherquoten (Die Chinesen rauchen im Jahr über 2 Billionen Zigaretten). Zwar ist Rauchen unter 20 Jahren in Japan offiziell verboten, aber das hindert die jungen Menschen nicht daran, mit dem Rauchen zu beginnen. 2004, die angeblich letzten Zahlen, sollen 13 Prozent der Männer und 4 Prozent der Frauen unter 20 Jahren täglich geraucht haben.
Je früher die Menschen das Rauchen beginnen, desto mehr an Lebenszeit verlieren sie. Deswegen war die Mortalität bei den älteren Menschen, die auch weniger rauchten, deutlich geringer als bei den späteren Generationen. Die Generation der 1920-45 Geborenen verlor durch das Rauchen zehn Jahre an Lebenszeit, ihre Todesrate lag, wenn sie vor dem 20. Lebensalter angefangen haben, doppelt so hoch wie bei den lebenslangen Nichtrauchern. Vermutlich wird die Hälfte der Raucher an ihrem Laster sterben, so die Wissenschaftler.
Das erhöhte Sterberisiko lässt sich nach den Daten dieser Studie vermeiden, wenn man das Rauchen aufgibt. Am besten würde dies vor dem Alter von 35 Jahren sein. Hier riskiert man, wie auch andere Studien gezeigt haben, praktisch keine erhöhte Mortalität. Wer mit 40 Jahren aufhört, hat auch noch gute Chancen, die Mortalität liegt nur bei einem Zehntel von denjenigen, die weiter rauchen.
In einer vor wenigen Tagen in der Zeitschrift The Lancet veröffentlichten Studie über 1.3 Millionen Frauen, die zwischen 1996 und 2001 im Alter von 50-65 Jahren befragt wurden, werden die Ergebnisse der japanischen Studie bestätigt. Die Frauen wurden im Durchschnitt 12 Jahre beobachtet, im Zeitraum der Studie starben insgesamt 66.000 Frauen. 20 Prozent waren Raucherinnen, 28 Prozent hatten früher einmal, 52 Prozent nie geraucht. Zweidrittel aller Todesfälle in den 50er, 60er und 70er Jahren der Raucherinnen wurden durch das Rauchen verursacht. Das Sterberisiko steigt mit der Zahl der Zigaretten, aber selbst Frauen, die nur eine Zigarette am Tag rauchen, haben eine doppelt so hohe Todesrate wie Nichtraucherinnen. Wer mit 40 Jahren aufhört, hat noch ein relativ geringes Risiko, das danach aber deutlich ansteigt.
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37904/1.html- Ach ja, wenn Blinde über Farben reden ... (4.11.2012 10:31)
- Re: Es geht dich einen Scheißdreck an (2.11.2012 0:11)
- Re: Auch im globalen Sinne ... (1.11.2012 23:20)
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