Tod eines Bloggers

09.11.2012

Iran: Sattar Beheshti ist auf ungeklärte Weise während einer mehrtägigen Haft im Evin-Gefängnis ums Leben gekommen

Sattar Beheshti, ein iranischer Blogger, ist im Evin-Gefängnis ums Leben gekommen. Unter ungeklärten Umständen. Wie schon im Fall des Bloggers Omidreza Mirsayafi vor dreieinhalb Jahren. "In aller Eile begraben", hieß es damals in einer Meldung zu Mirsayafi, die sich auch beim Angry Arab, nicht gerade eine Propaganda-Bastion zu Diensten "arroganter zionistischer Mächte", findet.

Beheshti bekam am 30. Oktober zuhause Besuch von bewaffneten Männern in Zivil, die ihn mitnahmen. Am 6. November erhielt seine Familie Bescheid von Behörden, dass ihr Sohn während der Haftzeit verstorben sei, angeblich weil er krank war. Dem steht die Behauptung des Vaters gegenüber, dass Sattar Beheshti vor der Inhaftierung gesund gewesen sei. Von einer Autopsie ist keine Rede, die Beerdigung war für die nächsten Tage angesetzt. Nur die Mutter durfte ihr beiwohnen, berichtet der Guardian.

"Evin House of Detention" Bild: Ehsan Iran. Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Nicht nur für die beiden Organisationen Reporter ohne Grenzen und Iran Human Rights wirft der Tod des Bloggers Fragen auf, welche die iranischen Behörden zu beantworten haben, um die Umstände des Todes zu erhellen. Wahrscheinlich wird es wie auch im Fall Omidreza Mirsayafi keine offizielle Antwort geben, welche die Fragen ohne Vertuschung klärt. Bislang sei noch keiner, der für den Tod von verhafteten Journalisten oder Bloggern in Iran verantwortlich war, zur Rechenschaft gezogen worden, kritisiert Reporter ohne Grenzen.

Eine oppositionelle Webseite namens Kaleme erhebt den Vorwurf, dass Beheshti bei Befragungen im Gefängnis so sehr geprügelt und gefoltert wurde, dass dies zu seinem Tod führte. Dafür spricht ein Brief, in dem sich Beheshti über solche Misshandlungen während seiner Inhaftierung beklagt hatte, den er als formelles Schreiben an die Justiz gerichtet hat. Auf der Webseite ist der Brief veröffentlicht (in Farsi).

Als Grund für die Festnahme des Bloggers werden "Handlungen gegen die nationale Sicherheit" genannt. Nach Angaben von Familienmitgliedern, die bei der Festnahme anwesend waren, wurde kein Haftbefehl oder ein anderes offizielles Dokument vorgelegt. Diese Angaben äußerten sie gegenüber Voice of America und BBC Persian, beides Medien, die im Kommunikationskrieg zwischen Westen und der iranischen Führung häufig einseitige Positionen beziehen. Dessenungeachtet bleibt die Brutalität im Vorgehen gegen den Blogger erklärungsbedürftig.

Berichtet wird darüberhinaus, dass sich Beheshti für Menschenrechte engagiert hat und auch Irans Außenpolitik kritisert haben soll.

Der UN-Berichterstatter für die Situation der Menschenrechte in Iran, Ahmed Shaheed, soll sich nun des Falles annehmen. Eine offizielle Reaktion von Seiten der iranischen Regierung steht noch aus. Interessant wäre es zu erfahren, wie es dem früher als Godfather der iranischen Blogosphäre bezeichneten Blogger Hossein Derakhshan geht ((Wer Regimekritiker ist, bestimmen wir!). Er war im September 2010 zu 19 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden, in einem Prozess, der ebenfalls viele bis heute unbeantwortete Fragen aufwarf.

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