Auch US-Generäle werden angehimmelt
Aber sind deren Liebeskorrespondenz und mögliche Bettgeschichten ein politischer Skandal?
Was niemand und schon gar nicht die Öffentlichkeit unter keinen Umständen erfahren darf, schreibt man besser nicht in Google-Mail (und übrigens auch nicht in SMSen; erstaunlich, wie viele Affären nach wie vor über solchen Leichtsinn ans Licht kommen).
Auch Generäle werden angehimmelt. Die Ausbildung von Karriere-Militärs versorgt diese mit einem passenden Nervenkostüm, um zeitlich wie gefühlsmäßig aufwendige Affären zu unternehmen. Die Rivalität zwischen CIA und dem FBI versorgt Drehbuchautoren weiter mit Anstößen zu pikanten Nebenplots für Serien. Und Homestorys von Generälen könnten das Themenreservoir von Gala-Celebrity-Magazinen erweitern. Dies alles lernt man derzeit aus Berichten über die Petraeus-Broadwell-Kelley-Allen-Story und das meiste davon ist nicht neu. Doch wo steckt eigentlich der politische Skandal?
Unbestreitbar ist, dass der "messy Scandal" (New York Times) politische Dimensionen hat. Der wiedergewählte Präsident Obama wird sich kaum auf die anstehende Pressekonferenz freuen - in der Erwartung auf Fragen zum Rücktritt des CIA Chefs Petraeus und zur Zukunft des ISAF-Kommandeurs General Allen, die beide in private Frauengeschichten verwickelt sind, die nun für die Öffentlichkeit interessant geworden sind.
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Es wird ein paar unangenehme Fragen zur Petraeus-Geschichte, zum Verhaltenskodex führender Offiziere und vor allem zum Sicherheitsrisiko solcher unmoralischer Verhältnisse geben, inwieweit das Verhältnis zwischen Petraeus und seiner Geliebten Broadwell, dass möglicherweise geheime militärische Informationen Teil des vertrauten Austausches waren. Die klassische Frage danach, ob Geheimnisträger über Liebesverhältnisse zum nationalen Risiko werden.
Derzeit sieht es bei der Petraeus-Broadwell-Affäre nicht nach einem solchen Skandal aus, auch wenn die Autorin der Petraeus-Biografie "All In" in einem öffentlichen Auftritt Insiderwissen zur CIA-Botschaftseinheit in Libyen zum Besten gab. Dabei war aber nichts, was nicht schon zuvor von Romneys-Wahlkampfteam verraten worden wäre. Das politische Kapital, das politische Gegner aus der Mail-Geschichte aktuell mobilisieren können, ist begrenzt. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung nach der Wahl ist für Obama günstig.
Strippenzieher im Hintergrund?
Hintergründige Strippenzieherei wäre vielleicht auf sicherheitspolitischer Ebene oder in jenen Abteilungen der CIA oder auch des FBI zu unterstellen, die nicht mit dem Kurs einverstanden sind, den die CIA unter Petraeus Leitung eingenommen hat: die Betonung eines eigentlich militärischen Aufgabengebiets durch die Drohnenangriffe. Vorstellbar ist, dass manche Sicherheitspolitiker oder auch CIA-Karrieristen sich daran gestört haben, dass die traditionelle Agentenarbeit dadurch vernachlässigt wurde. Angedeutet wird dies etwa von David Ignatius in der Washington Post.
Solche Manöver könnten in Serien wie 24 oder Homeland den Hintergrund etwas interessanter gestalten, aber es würde nicht zum Hauptplot reichen. Der geht immer um einen Anschlag auf dem Boden der USA. Dem steht nun in der Wirklichkeit eine Berichterstattung des "Skandals" gegenüber, die einen großen Bildschirm aufzieht, aber gar keinen großen, gefährlichen Plot hat.
Dabei konnten die Infontainment-Storys in den letzten Tagen auf eine Erwartungshaltung setzen, die auf Spannungen aufbaut, mit der 24 und Homeland spielen: Enthüllungen in kleinen Stücken, überraschende Wendungen, die Aussicht auf darauf, dass die Wirklichkeit noch irrer ist, als man sie sich vorstellt. Dazu kommt die traditionell bewährte Zugkraft von außerehelichen Bettgeschichten von VIPs.
Allens Moment und danach Tampa
Einen Moment lang, als auch der ISAF-General Allen in die Sache mit hinein gezogen wurde, sah es danach aus, als ob auch die Wirklichkeit dieses Skandals den Anspruch der Paranoia-Serie Homeland erfüllen könnte, und die Dinge von Folge zu Folge komplexer werden und alles möglich ist, doch scheint sich diese Erwartung nach gegenwärtigem Stand der Dinge nicht zu erfüllen. In den Fokus gerät gerade das Gesellschaftsleben in Tampa, Florida, in dessen Nähe sich die Central Command Base MacDill befindet.
Man erfährt, dass Generäle, wie Petraeus oder Allen in der ansonsten etwas glanzlosen Society von Tampa angehimmelte Stars waren und sich Frau Kelley, die verschuldet ist und Tochter eines libanesischen Einwanderers, gerne mit beiden Militärs als vertraute Familien-Freundin zeigte. Das hat dann doch etwas mehr von Desperate Housewives als von einem Geheimdienst-Thriller. Oder lesen wir morgen doch von einer neuen Wendung der Geschichte...
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38000/1.html- Re: Desperate Housewife oder Mata Hari? (15.11.2012 17:51)
- Re: mega-fesche SS-Uniformen (15.11.2012 16:51)
- Re: unbemannt (15.11.2012 13:20)
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