Feuerfalle Styropor

30.11.2012

Wärmedämmplatten in der Kritik

Styropor besteht aus Polystyrolschaum und ist derzeit in Deutschland das beliebteste Material zur Wärmedämmung von Häusern. Der Grund dafür ist ein sehr einfacher: Es ist in der Herstellung extrem billig und der deutsche Gesetzgeber lässt Herstellern die Möglichkeit, sich auf die alte DIN-Norm 4102 zu beziehen. Nach der gilt Styropor als "schwer entflammbar". Ein Ergebnis, das dadurch zustande kommt, dass die Feuerfestigkeit mit einem "Brandschacht-Test" ermittelt wird, bei dem der Schaum von der Flamme wegschmilzt. Die deutlich realistischere Einstufung "normalentflammbar" kommt mit der neueren Norm DIN EN 13501 zustande, die jedoch noch nicht allgemeinverbindlich ist.

Was mit Styroporplatten im Brandfall passieren kann, sah die Frankfurter Feuerwehr am 29. Mai dieses Jahres an einem sechsstöckigen styroporgedämmten Gebäudes, dessen Fassade schneller in Flammen aufging als eine norwegische Holzkirche. Zum Glück stand es leer, weil es erst kurz vorher saniert worden war. Nach der Katastrophe forderte der Frankfurter Branddirektor Reinhard Ries ein Verbaumoratorium und eine Überprüfung der Zulassung. Mit dem Verbaumoratorium konnte er sich nicht durchsetzen - und auch in der Überprüfung durch die Fachkommission Bauaufsicht und die Bauministerkonferenz hielt die Wärmedämmlobby ihre Position: Danach gelten Dämmstoffe aus Styropor weiterhin als "ordnungsgemäß zertifiziert" und deshalb als "sicher".

Wärmedämmung mit einer Kombination aus Polystyrol und Steinwolle. Foto: Marcel S. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Feuerwehren aus dem gesamten Bundesgebiet haben da einen anderen Eindruck: Sie meldeten den politischen Entscheidungsträgern eine zweistellige Zahl von Styroporfassadenfeuern aus den letzten beiden Jahren, die derzeit "untersucht" werden. Sichere neue Erkenntnisse dazu könnten Ries zufolge nur Großbrandversuche bringen, gegen die sich die Wärmedämmerlobby und die Politik bislang sträuben. Einen vom Norddeutschen Rundfunk initiierten Versuch der Braunschweiger Materialprüfanstalt, bei dem eine Testwand nach nur acht Minuten in Flammen stand, lehnen die Styroporapologeten als "nicht normgerecht" ab.

Deutlich besseren Brandschutz als Styropor bieten Steinwolle oder Mineralschaum. Doch auch Platten aus diesen Materialien können zu Schimmelbildung und in deren Folge zu Krankheiten wie Asthma und Aspergillose führen. Ein Problem, dem vor allem im Sommer durch Lüften nur sehr bedingt abgeholfen werden kann. Einer Haftung für solche Schäden entziehen sich Baufirmen häufig durch ins Geschäftsmodell einkalkulierte Insolvenzen. Dieser Praxis hat der Gesetzgeber bislang noch nichts entgegengesetzt.

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