Hartgesotten im Paradies

01.12.2012

Vier Jahre nach dem letzten Teil erscheint Far Cry 3 für Windows PC, Xbox 360 und Playstation 3

Rook Island ist ein Traum für jeden Shooter-Fan. Die Pazifikinsel ist übersät mit fiesen Piraten und Raubtieren. Und auch sonst mangelt es nicht an Beschäftigungsmöglichkeiten in der offenen Welt von Far Cry 3.

Ein Urlaub wird zum Alptraum: Jason und seine Freunde geraten auf ihrem Trip in ein südostasiatisches Inselreich in tödliche Gefahr. Nach Sport und Spaß wie Drachenfliegen, Jetski-Fahren und Dauer-Clubbing macht die Gruppe einen Fehler. Mit Fallschirmen springt sie auf einer Nachbarinsel ab und landet in einem Piratennest. Deren durchgeknalltes Obergroßmaul Vaas (der auch das Cover von Far Cry 3 ziert) kennt keine Skrupel. Ihm schweben für die reichen Touristen Lösegelder vor und wenn sie nicht spuren, dann bringt er sie um. Der erste, der dran glauben muss, ist Jasons Bruder Grant. Dessen Militärerfahrung hilft den beiden zwar zu fliehen, doch Vaas erwischt sie in flagranti und tötet Grant aus der Distanz.

Während dieser Flucht steigt der Spieler in Jasons Haut und rennt, gefolgt von Schreien und Schüssen, ins Dickicht des tropischen Waldes - ein Einstieg mit Adrenalin. Gleich in den ersten Momenten von Far Cry 3 kriegt der Spieler einen Vorgeschmack auf seine Eigenständigkeit: Statt einem schnurgeraden Weg in die Sicherheit zu folgen, rutscht Jason in einen Graben - kein Ort zum Verweilen. Doch das offene Ende versperren drei Bären, so bleibt Jason nichts anderes übrig, als den Verfolgern an der steilen Wand entgegen zu klettern und auf halber Höhe den Abgrund über einem Baumstamm zu überwinden. Nach einem weiteren Sturz wacht er in einer Hütte auf und erfährt von seinem Retter, dem Guerillakämpfer Dennis Rogers, wie es um die Insel bestellt ist. Nach ein paar militärischen Anweisungen im Nahkampf und im Waffenumgang kann der Spieler in der riesigen Sandkastenwelt den Story-Missionen folgen, um seine Freunde, darunter auch seine Freundin Lisa und sein zweiter Bruder Riley, zu befreien. Und wo er gerade dabei ist: Die unterdrückte Bevölkerung kann ebenfalls einen Helden gebrauchen.

Die wenigsten Spieler werden aber der lose vorgegebenen Handlung gleich folgen. Erst einmal wartet nämlich eine offene Welt aus Palmen, Stränden und blauem Himmel darauf erkundet zu werden. Und es gibt einiges zu entdecken! Zunächst einmal hat Jason die Fähigkeit, weite Ausschnitte des Gebietes sichtbar zu machen, indem er Funktürme erklimmt. Auf seiner Landkarte, die sich mit einem Klick öffnen lässt, werden unterschiedliche Informationen sichtbar, die ihm helfen, sich zu verbessern. So sieht er u. a., wo sich feindliche und befreundete Siedlungen befinden. Feindliche kann er im blutigen Rambo-Stil - ballernd oder leise tötend - von den Piraten befreien. Auf diese Weise reinigt er die Gegend von Gefahren und schafft sich ein Safehouse, von wo aus er von einem Punkt zum anderen schnell-reisen kann.

Die Karte dient ihm außer zur Orientierung dazu, Gebiete ausfindig zu machen, in denen sich bestimmte Tierarten aufhalten. Denn ähnlich wie in Rockstars Open-World-Action-Adventure Red Dead Redemption ist die Natur kein totes Gebiet. In und um die Dörfer grunzen Schweine, bellen Hunde und meckern Ziegen. Draußen im Dschungel, nicht fern der unbefestigten Pfade und Straßen, tummelt sich die Wildnis mit spitzem Schrei und dumpfem Gebrüll. Über 50 verschiedene Tierarten - KI-gesteuerte Wesen wie Tiger, Bären, Krokodile, Büffel, Haie oder Komodowarane - kann Jason jagen und mit einem Messer ausweiden. Das bringt ihm entweder Geld für Waffen und Munition oder er kann mit dem gewonnenen Material Ausrüstungsteile anfertigen.

Aus Tapirhäuten kann er z.B. einen größeren Rucksack nähen und aus Ziegenleder zusätzliche Waffenhalterungen. Die Jagd zwischen den Missionen entwickelt sich so zu einem Spiel im Spiel, ähnlich wie das Sammeln verschiedener Pflanzenarten für Spritzen mit Heilmitteln oder kurzzeitige Feuerresistenz. Wer zu draufgängerisch bei der Selbstversorgung vorgeht, wird entweder von Raubkatzen verspeist oder Piratenpatrouillen spüren ihn auf. Diese oder jene Feinde sind hartnäckige Verfolger. Ihre KI zeigt nicht selten raffinierte Fähigkeiten und lässt sich nur schwer abschütteln. Entweder Jason entkommt mit Land-, Luft- und Wasserfahrzeugen wie Jeeps, Trikes, Jetskis, Booten und Kites oder er stellt sich dem Kampf und riskiert dabei, auf einen früheren Checkpoint zurückgeworfen zu werden.

Doch ganz so hilflos ist Jason ja nicht. Vielmehr wächst er in Schritten vom ängstlichen Jungen zum hartgesottenen Überlebenskämpfer heran. Per Kamera kann er Feinde aus der Ferne markieren, um einzelne Gruppenmitglieder nicht aus dem Auge verlieren. Für besiegte Gegner erhält er Erfahrungspunkte wie in einem Rollenspiel. Und ähnlich wie dort kann er seine Entwicklung über ein Upgrade-System auf seine bevorzugte Spielweise einstellen. In den drei Pfaden Reiher, Hai und Spinne setzt er Fertigkeitspunkte ein, um z.B. seine maximale Gesundheit zu verbessern, schnellere Nahkampf-Moves zu lernen oder besser mit Waffen umzugehen. Von letzteren gibt es 40 verschiedene Modelle, darunter neben Genre-typischen Maschinen- und Fernschussgewehren auch Flammenwerfer sowie Pfeil und Bogen - der Spieler wird im gesamten Verlauf der Kampagne immer wieder mit neuen Gimmicks belohnt.

"Far Cry 3" reist zurück ins tropisch-exotische Inselparadies des ersten Teils aus dem Hause der deutschen Entwickler Crytec: Die Spielschmiede Ubisoft Montreal, Schöpfer solch erfolgreicher Spieleklassiker wie Tom Clancy‘s Splinter Cell (2002), Prince of Persia: The Sands of Time (2003) oder Assassin‘s Creed (2007), nimmt grundlegende Elemente des Open-World-Ego-Shooters Far Cry 2, der in Afrika spielte, und verfeinert sie mit frischen Ideen. Die Handlungsfreiheit im riesigen Sandkasten Rook Island bietet nicht nur ausreichend Raum zu Entdeckungsreisen durch Höhlen, Gräber, Minen, Wracks, Ruinen und Tempel, sondern Motivation zum Aufdecken einer Hintergrundgeschichte über die Insel während des Zweiten Welltkriegs. Etliche Nebenmissionen und Mini-Games wie Poker spielen, Rennen fahren, Stützpunkte ausschalten, Relikte sammeln oder einfach seltenes Leder jagen machen die offene Welt so lebendig.

Fazit: Far Cry 3 verdient sich ein Triple-A im Genre der Shooter des Jahres: dank seines großen Abwechslungsreichtums, seiner dichten Atmosphäre und seines spielerischen Anspruchs.

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