China drängt in den Drohnenmarkt

30.11.2012

In den USA wächst die Sorge, militärisch und im Hinblick auf Rüstungsexporte überholt zu werden

Bislang haben den Markt für Überwachungs- und Kampfdrohnen vor allem Israel und die USA, zum Teil auch Großbritannien beherrscht, auch wenn einfache Drohnen schon seit Jahrzehnten für die Luftaufklärung verwendet wurden. Israel und die USA haben nicht nur Kampfdrohnen verkauft, sondern durch ihre Konflikte und Kriege auch vorgeführt, wie "nützlich" sie in asymmetrischen Auseinandersetzungen sein können. Nun aber hat nicht nur Iran ein massives Drohnenprogramm gestartet und der Hisbollah bereits die Möglichkeit eingeräumt, mit Aufklärungsdrohnen Israel zu provozieren, sondern auch China, der sechstgrößte Waffenexporteur, drängt mächtig ins Geschäft. Das könnte die Drohnenbegeisterung im Westen verändern, weil die Wunderwaffe nun auch eher gegen die westlichen Länder eingesetzt werden könnte.

CH-4, die chinesische Konkurrenzdrohne zum Predator. Screenshot von einem Video sina.com

Es gibt ja immer die Ansicht, dass Kriege auch dazu dienen, nicht nur geo- und machtpolitische Interessen durchzusetzen oder zu wahren, sondern auch die Rüstungsindustrie zu stärken und neue Techniken auszuprobieren, um sie massenhaft exportieren zu können. Bei Drohnen ist letzter Gesichtspunkt nicht abzuweisen, auch wenn er sicher nicht kriegsauslösend war. Allerdings wurden Drohnen schon kurz nach Beginn des Afghanistan-Kriegs eingesetzt, erstmals wurde vom Pentagon berichtet, dass am 4. Februar 2002 mit einer bewaffneten Predatordrohne mehrere, wenn auch unbekannte "al-Qaida-Führer" getötet worden seien (Ferngesteuerte Waffensysteme senken die Angriffsschwelle).

Israel ist kürzlich aufgewacht, als die Hisbollah eine iranische Drohne bis in die Nähe des AKW Diotima steuerte, wo das Nuklearmaterial für die israelischen Atombomben hergestellt wird (In Israel beginnt die Auseinandersetzung mit den "Terrordrohnen"). Als vor kurzem auf der Airshow China in Zhuhai die Chinesen nicht nur das Stealth-Kampfflugzeug J-31 zum Verkauf anboten, sondern auch Drohnen, wurde man unruhig. Die US-Konzerne drängen darauf, die Schleusen für den Export von US-Drohnen zu öffnen, das Pentagon soll 66 Länder aufgelistet haben, in die Drohnen verkauft werden könnten, noch sind Regierung und Kongress zurückhaltend.

So hat der staatliche Konzern CASC (China Aerospace Science and Technology Corp) u.a. eine Kampfdrohne CH-4 präsentiert, die eine Antwort auf die US-Drohnen Predator oder Reaper oder die israelische Drohne Heron TP darstellen könnte, war klar, dass nun ein weiterer Konkurrent auf den Markt drängt. CH-4 soll extra für den Export entwickelt worden sein. Die chinesische Propeller-Drohne mit einer Spannweite von 18 m kann mit vier Raketen bewaffnet werden, soll aber vor allem als Überwachungsdrohne dienen, hat aber nur eine Funkreichweite von 250 km, kann aber 30 Stunden in der Luft bleiben. Dahinter könnte dieselbe Überlegung wie bei der US-Drohne Global Hawk stecken, die möglicherweise nicht, obgleich es möglich wäre, mit Waffen aufgerüstet wird, weil es den Verkauf erschweren könnte. Daneben gibt es die von der Aviation Industry Corporation entwickelte Drohne Wing Loong oder die in der Größe eher mit der Global Hawk vergleichbare Drohne Xianglong, die eine Reichweite von 750 km hat und eine Last von 650 kg mitführen kann.

CASC, das auf der Messe sechs zivile und militärische Drohnen präsentierte, will die Exporte von Drohnen im nächsten Jahr verdoppeln. Verkauft wurden bereits Drohnen, nach Pakistan, angeblich sind auch Russland, das selbst noch nicht in der Lage ist, Drohnen herzustellen, und andere Staaten in der Region interessiert. Auch der chinesische Binnenmarkt beginnt zu wachsen.

Schon im Juli hatte ein Bericht des Defense Science Board über autonome Systeme darauf hingewiesen, dass vor allem China in die Entwicklung von unbemannten Drohnen investiert und dass Asien Europa als der zweitgrößte Markt für Drohnen überholen werde. 50 Staaten hatten bereits Drohnen gekauft, viele hätten eigene Drohnenprogramme gestartet, was die Dominanz der US-Drohnen bald in Frage stellen könne. In China habe, nachdem vor 5 Jahren erstmals eine Drohne präsentiert wurde, mittlerweile jedes Forschungszentrum eine Abteilung für Drohnen.

Much of China’s efforts remain secret, but the large number of unmanned systems displayed at recent exhibitions, and very recent revelations on development and operational efforts underscore not only China’s determination to catch up in this sector, but also its desire to sell this technology abroad.

Als problematisch wird bezeichnet, dass es in den USA strenge Exportrestriktionen gibt, während China hier frei handeln könne. Dass China nun so stark an der Entwicklung von Drohnen interessiert ist, wird als "alarmierend" bezeichne. Mit dem in China vorhandenem technischen Wissen, scheinbar unbegrenzten Ressourcen und dem Einholen aller Informationen könne China schnell die USA überrunden.

Problematisch ist aber nicht, wie die New York Times schreibt, dass China in Konkurrenz mit den USA tritt, sondern dass die USA auch beim Einsatz der Drohnen für gezielte Tötungen im Ausland Normen geschaffen hat, die China übernehmen könnte. Beispielsweisekönnte China in Kasachstan uigurische Rebellen jagen und töten. Der Bericht des Defense Science Board empfahl dem Pentagon, auch aus Wettbewerbsgründen und um die technische Überlegenheit zu sichern, den Einsatz und die Weiterentwicklung von Drohnen und anderen unbemannten Systemen, vor allem auch von autonomen Waffensystemen, massiv voranzutreiben und Widerstände auszuräumen (US-Soldaten schätzen autonome Roboter nicht).

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